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Benjamin Neukirch (1665-1729)

An Sylvien

Ach! wirf doch einen Blick auf deine Silber-Ballen,
Verstockte Sylvia,
Sie sind dem Tode nah;
Die Spitzen lassen schon die Rosen-Blüte fallen,
Die Berge ziehn die stolzen Lilien ein,
Und werden bald so gleich wie deine Wangen sein.

Wie, sind wir, schreien sie, dann darum nur erschaffen,
Dass uns ein blinder Groll
In Kerker schließen soll?
Cupido nennet uns ja seine Liebes-Waffen.
Was kommet dich dann für ein Eifer an,
Dass du, o Sylvia! uns in den Bann getan?

Ihr Männer helfet uns durch eure Macht erretten!
Zerreißt das Mörder-Schloss
Und macht uns wieder los.
Wir lieben keinen Zwang, und leiden keine Ketten,
Und Frankreichs Mod' und tolle Kleider-Pracht,
Mag sein für wen sie will, nur nicht für uns gemacht.

So klagen, Sylvia, die hart-bedrängten Kinder.
Ach höre doch ihr schrei'n,
Und hilf sie bald befrei'n,
Wo nicht, so schneid sie ab, und wirf sie vor die Rinder.
Dann wenn sie nur im Finstern sollen ruhn,
So kann dirs, wann du willst, auch wohl ein Schnupftuch tun.

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