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Christiana Mariana von Ziegler (1695-1760)

Auf einen schönen und artigen Papagoy

Es hat dich die Natur recht herrlich ausgeschmücket;
Dein Glanz ist ungemein, man bleibt dabei entzücket.
Man sage was man will von aller Farben Kunst:
Es ist und bleibt fürwahr nur eitler Wörter Dunst.
Ich seh das muntre Grün, mit Rot und Gelb vermenget;
Wie sich der weiße Strahl mit in den Schnabel dränget;
O Anblick, der fürwahr mir alle Sinnen rührt!
Ihr Künstler, saget frei! seid ihr nicht überführt,
Die Wirkung der Natur hat euch hier übertroffen?
Ihr schlechten Redner hört, ihr könnt ein gleiches hoffen.
Kaum dass sein zartes Ohr sich nach der Stimme richt,
Die nur von ohngefähr ein Wörtchen zu ihm spricht,
So sagt er deutlich nach was man von ihm verlanget.
Die Unschuld redet hier, die nicht mit Worten pranget.
Er speist sein Zuckerbrot, steigt in dem Bau'r herum,
Sieht sich in keiner Schrift nach Wort und Einfall um.
Ihn plagt kein schwarzer Neid, er will sich nicht verstellen;
Kann er gleich als ein Hund mit seinem Stimmchen bellen.
Er lacht, er pfeift, er singt, wenn sich die Zunge regt
So wird ein neuer Wert auch an den Tag gelegt.
Wie sollte nicht mein Freund den klugen Vogel lieben?
Wer ihn nur hört und sieht, wird dazu angetrieben.
Ich sorge wahrlich selbst, dass ihn kein Unfall schreckt,
Und dass kein Katzenkopf sich nach dem Bauer streckt.
Mein Papchen lebe wohl, belache alle Toren.
Die nicht so edel sind in ihrer Art geboren.
Du sprichst dein gutes Deutsch, dein rein gesetzt Latein,
Kannst manchem der es lehrt, darin ein Muster sein.

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