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Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834)

Bergreiselied

Auf mutig! Die Höh' ist erstiegen:
Ihr Freunde, wo bleibt ihr zurück?
Wie herrlich die Täler dort liegen!
Tief unten verliert sich mein Blick.
Ich atme die süßesten Düfte,
Schon wallet viel leichter mein Blut;
Schon trink' ich ätherische Lüfte,
Und jauchze, und schwinge den Hut!

Dort setzen die Hirten zu Mahle
Auf moosichte Steine uns hin
Voll lieblicher Milch eine Schale;
Ein Körbchen, mit Früchten darin.
Kommt, lasst uns zusammen itzt leeren
Den schäumenden vollen Pokal,
Und schallen, der Freiheit zu Ehren,
Gesänge hinab in das Tal.

Hier sprudeln aus Felsen die Quellen
Hinunter zum bläulichen See;
Dort weiden, beim Klange der Schellen,
Die Rinder im blumichten Klee.
Ich seh' auf die schroffeste Spitze
Die schüchternen Gämsen entfliehn;
Tief unter mir zucken die Blitze
Und schweben die Wolken dahin.

Wann Sterne am Himmel schon flimmern,
Und Dämmerung sinket ins Tal,
Und rosig die Gletscher noch schimmern
Im letzten ersterbenden Strahl;
Dann wallen wir fröhlich und munter,
Mit Reisern von Tannen geschmückt,
Ins stillere Dörfchen hinunter,
Wo süßere Ruh' uns erquickt.

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