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Wolfgang Müller von Königswinter (1816-1873)

An meine Mutter

Ich lese mit erinnerndem Gemüte
Im Buch des Lebens, das mir aufgeschlagen,
Und find’ auf jedem Blatt die Lieb’ und Güte,
Die, Mutter, du mir Tag und Nacht getragen.

Stets denk’ ich dran mit innigem Bewegen,
Wie du um mich gejauchzt, gelacht, geweinet:
Im Wiegenliede gabst du mir den Segen,
Der sich dem Jüngling und dem Mann geeinet.

So folget mir dein Bildnis nah und ferne,
Es war mir Sühn’ und Trost an jedem Orte;
Betrübt gedacht’ ich deiner Augensterne,
Bekümmert deiner freundlich milden Worte.

Wie lohn’ ich dir? Ich ruh’ an deinem Herzen
Und bring’ den Dank. Kann es ein schön’rer werden?
Nach mancher irren Fahrt durch Lust und Schmerzen
Fand ich in dir das treuste Herz auf Erden!

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