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Robert Eduard Prutz (1816-1872) · Titel · Beliebteste

Christnacht

Heil'ge Nacht, auf Engelsschwingen
nahst du leise dich der Welt,
und die Glocken hör' ich klingen,
und die Fenster sind erhellt.
Selbst die Hütte trieft von Segen,
und der Kindlein froher Dank
jauchzt dem Himmelskind entgegen,
und ihr Stammeln wird Gesang.

Mit der Fülle süßer Lieder,
mit dem Glanz um Tal und Höh'n,
Heil'ge Nacht, so kehrst du wieder,
wie die Welt dich einst gesehn,
da die Palmen lauter rauschten,
und, versenkt in Dämmerung,
Erd' und Himmel Worte tauschten,
Worte der Verkündigung.

Da, mit Purpur übergossen,
aufgetan von Gottes Hand,
alle Himmel sich erschlossen,
glänzend über Meer und Land;
da, den Frieden zu verkünden,
sich der Engel niederschwang,
auf den Höhen, in den Gründen
die Verheißung wiederklang;

Da, der Jungfrau Sohn zu dienen,
Fürsten aus dem Morgenland
in der Hirten Kreis erschienen,
Gold und Myrrhen in der Hand!
Da mit seligem Entzücken
sich die Mutter niederbog,
sinnend aus des Kindes Blicken
nie gefühlte Freude zog.

Heil'ge Nacht, mit tausend Kerzen
steigst du feierlich herauf,
o, so geh' in unsern Herzen,
Stern des Lebens, geh' uns auf!
Schau, im Himmel und auf Erden
glänzt der Liebe Rosenschein:
Friede soll's noch einmal werden
und die Liebe König sein!

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Fünf neue Lieder

auf den kläglichen und höchstbetrübenden Hingang des edlen Prinzen genannt Held Karneval zu Düsseldorf Februar 1848.
Als der Minister Bodelschwingh den Karneval zu Düsseldorf, nach mehr als zwanzigjährigem Bestehen, durch Ministerialreskript verboten hatte.


1.

Nun weh und dreimal weh, ihr Zecher,
hinauf, hinab den grünen Rhein,
nun werft in Scherben alle Becher
und mischet Wasser in den Wein!
Der liebste Fürst in unsern Tagen,
der liebste mir, ich sag' es frei,
Held Karneval, der liegt erschlagen,
erschlagen von der Polizei!

Wer in dem Glanz der goldnen Locken,
wer sah so stolz, so froh darein?
Wen läuteten die Rheinweinglocken
so feierlich, so fröhlich ein?
So recht nach Gottes Ebenbilde,
ein König und ein Kind zugleich,
wer war, wie er, so sanft und milde,
wo war ein Joch, wie seins so weich?

Nicht Orden hatt' er oder Wappen,
er hatte Söldner nicht noch Heer:
Die Narrengunst, die Schellenkappen,
das war sein ganzes Militär.
Und wer die meisten Becher leerte,
der allerlustigste Patron,
das war der dreimal Hochgeehrte,
der Nächste war das seinem Thron.

Nun in der Blüte seiner Jahre
hat ihn die Polizei umstrickt,
nun einsam liegt er auf der Bahre,
von einem Bodelschwingh erdrückt!
Wir aber wolln die Gläser heben
und rufen dennoch frank und frei:
Der tote Karneval soll leben
und pereat die Polizei!

2.

Schellenkappe, Pickelhaube
können niemals, wie ich glaube,
auf die Dauer sich entzwein;
Pickelhaube, Schellenkappe,
wenn ich richtig es ertappe,
scheinen eines mir zu sein.

Dass ich näher es entwickel',
scheint die Schelle mir ein Pickel,
süß belebt von Melodie:
Und ein Pickel, auf der Stelle,
ist nur eine tote Schelle -
Und die freilich klingen nie.

Drum den beiden Potentaten
möcht' ich ganz ergebenst raten,
Karneval und Polizei,
ob für Ritter nicht und Knappe
Pickelhaube, Schellenkappe
einmal umzutauschen sei.

Statt der Kappen, statt der Schellen,
Rheinlands fröhliche Gesellen,
setzt die Pickelhauben auf!
Mit dem Degen an der Seite,
so zum Becher wie zum Streite,
und die Freiheit führt den Lauf!

Horch, die Hörner, wie sie blasen,
horch, die Trommeln, wie sie rasen,
goldig steigt der Tag herauf -
Die Gendarmen unterdessen,
um auch die nicht zu vergessen,
setzen Schellenkappen auf.

3.

Vernehmt, ihr Leute fern und nah,
die grausige Historia,
die jüngstens sich begeben hat
zu Düsseldorf der guten Stadt;
vernehmt es all und merkt euch wohl:
Die Narrheit ist jetzt Monopol.

Zu Düsseldorf, bei nächt'ger Zeit,
hört' man ein Läuten weit und breit,
von tausend Glocken, hell und fein,
von tausend Gläsern, voll und rein -
Wir hörten's noch, ich denke wohl,
wär' nicht die Narrheit Monopol.

Es klang herauf aus Kellers Grund,
wie Festgesang von Zechermund,
klang durch die Lüfte keck und frei,
wie Mummenschanz und Schelmerei -
Es klänge noch, ich denke wohl,
wär' nicht die Narrheit Monopol.

Und aus der Tiefe wunderbar,
wie Freiheitsatem hell und klar,
hinauf, hinab den grünen Strand,
die goldne Freude flog durchs Land -
Das war vordem, versteht mich wohl,
eh' noch die Freiheit Monopol.

Das hört der Pascha in Berlin,
und wie er's hört, verdrießt es ihn:
»Auf, auf, Gensd'arm, und wehr dem Ding,
wozu wär' ich der Bodelschwingh?!«
Er dacht', und daran dacht' er wohl,
die Narrheit wär' sein Monopol.

Und alsofort am nächsten Tag
verkündigt ward beim Trommelschlag,
dass niemand sich darf unterstehn,
in Narrenkappen mehr zu gehn:
Ihr guten Bürger, merkt euch wohl,
die Narrheit ist jetzt Monopol.

So sitzen wir nun traurig all
und haben keinen Karneval,
wir sitzen all und weinen sehr
und trinken aber desto mehr -
O dass sie all der Teufel hol',
die Narren samt ihrem Monopol.

4.

Den man tückisch uns verboten,
den die Häscher uns erschlagen,
den mit Tränen wir beklagen,
dieses Glas dem großen Toten!

Dass zu Nacht, bei Mondenscheine,
jenem Pascha, der es wagte,
der die Freude uns verjagte,
dass sein Schatten ihm erscheine!

Nicht, wie wir ihn lebend sahen,
rebumkränzt die schlanken Lenden,
einen Humpen in den Händen,
nein, als Schreckbild soll er nahen!

Seine Glocken, seine Schellen,
Festmusik den klugen Toren,
sollen in des Pascha Ohren
hell wie Aufruhrglocken gellen!

Und die Pritsche, jene flinke,
die er führte zum Entzücken,
dass sie vor des Pascha Blicken
drohend, wie ein Dolch ihm blinke!

Also während wir hier sitzen,
bei Gesang und Wein vereinigt,
von Gespenstern er gepeinigt,
soll er ächzen, soll er schwitzen:

bis er endlich wird genesen
und bekennen wird, verwundert,
dass im neunzehnten Jahrhundert
er der einz'ge Narr gewesen.

5.

Das ist kein echter Saft der Reben,
der nicht gegoren und geschäumt,
das ist ein jammervolles Leben,
wo man nicht schwärmt mehr und mehr träumt!
Wo in den gleichen Gang der Tage
kein Fest mehr holden Wechsel bringt,
wo nie bei jauchzendem Gelage
die Freude mehr die Mütze schwingt!

Geschrieben steht's und steht zu lesen,
die Wahrheit wohnet in dem Wein;
wir sind so lange klug gewesen,
nun lasst uns endlich närrisch sein!
Den Trinkern glaubt und glaubt den Dichtern,
sie haben beide es erprobt:
Wer euch berauscht hat, macht euch nüchtern -
Sei, heil'ge Trunkenheit, belobt!

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Heil’ge Nacht...

Heil’ge Nacht, mit tausend Kerzen
steigst du feierlich herauf,
o, so geh’ in unsern Herzen,
Stern des Lebens, geh' uns auf!

(Ausschnitt; zum kompletten Text.)

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Liebe

Was die Liebe kann begehren,
Liebe darf es frei gewähren.

Was von Liebe ward verschuldet,
Gern von Liebe wird’s geduldet.

Alles Fehlen, alles Irren,
Liebe weiß es zu entwirren;

Trägt mit seliger Gebärde
Alle Not und Schuld der Erde;

Am Geliebten jeden Flecken
Weiß sie sorgsam zu verdecken;

Ja, ihn völlig freizusprechen,
Lächelnd teilt sie sein Verbrechen.

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