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Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

Oster-Gedanken

Lasst uns mit den frommen Frauen,
Nun der frühe Tag anbricht,
Für erwachtem Sonnen-Licht
Zu des Herren Grabe schauen.
Lasst uns Salb' und Specerei,
Seinem Körper bringen bei.

Seht Aurorens Röt aufsteigen,
Und der helle Morgen-Stern
Wird uns selbst den Weg zum Herrn
Durch den kühlen Tau anzeigen.
Aber ach! der schwere Stein
Kömmt mir unterwegens ein.

Kann ich mit dem Stein der Sünden,
Der mir auf dem Rücken liegt,
Tausend Zentner überwiegt,
Mich zur heilgen Stätte finden?
Wo treff ich den Simson an
Der den Stein abwälzen kann?

Unverzagt! dir ist geraten,
Der, den du besuchen wilt,
Hat den Kummer schon gestillt:
Seine Treu kömmt dir zu statten,
Hebt den Stein für sich und dich,
Und nimmt deine Last auf sich.

Mag ihn Sünd und Tod nicht zwingen,
Hält ihn nicht der Höllen Kluft,
Kann er sich durch Stein und Gruft
Lebend in die Höhe schwingen,
So wird auch kein Sünden-Stein
Ihm bei dir zu mächtig sein.

Schau, das leere Grab ist offen,
Wo dein liebster Heiland lag,
Nun hast du den Oster-Tag
Froher Seligkeit zu hoffen,
Und durchs kühle Schlaf-Gemach
Folgst du ihm in Himmel nach.

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Wilhelm Arent (1864-?)

In der Osternacht (1881)

Süß duftet und leise atmet
Draußen die Osternacht,
Ruhig träumen die Gassen,
Vom blauen Monde bewacht.

Die dürren Zweige der Linde
Wiegen und schwanken im Wind,
Und durch die schauernden Lüfte
Das Blut des Frühlings rinnt.

Die Glocken tönen und läuten
Leise ins stille Gemach,
Sie läuten und rufen den Frühling
Im klopfenden Busen wach.

Und von den Blättern der Bibel
Hebe ich träumend mein Haupt, –
Und schaue des Heilands Augen,
Den längst ich gestorben geglaubt.

Ich sehe die roten Wunden
Und den bleichen, friedlichen Mund,
Und um die Schläfe geflochten
Der Dornen blutigen Bund.

Ich trinke von seinen Augen
Der Tränen schmerzliche Glut, ...
Und fühle, wie sanft seine Rechte
Auf meinem Haupte ruht...

Unnahbar unendliche Gottheit,
Sind's wilde Schmerzen allein,
Die von dir reden und zeugen
Und deinem göttlichen Sein?

Sind's nur die Schauer des Todes,
Aus denen dein Mund uns spricht,
Und strahlt nicht auch leuchtend im Frühling
Dein himmlisches Angesicht?

Die Glocken tönen und läuten,
Es webt und quillt in der Luft,
Rings flüstert ein süßer Zauber,
Und strömt ein Rosenduft.

Durch meine Seele ergießt sich's
Wie lodernder Rosenschein...
Du süße, du schöne, du hohe
Geliebte, da dachte ich dein!

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Achim von Arnim (1781-1831)

Ostern

Vom Erdenstaub zu reinen, blauen Lüften
Dringt weit der Blick in ersten Frühlingstagen,
Und höher steigt der mächt'ge Sonnenwagen,
Die Erde sehnt nach Blättern sich und Düften,
Und heilige Geschichten uns dann sagen
Was sich geahnet in des Herzens Klüften.
Er ist erstanden aus den Todesgrüften,
Und wie vergebens war der Menschen Zagen,
Ja so ersteht die Welt der Himmelsgaben
Mit jedem Jahre neu, die Knospen brechen,
Und nichts ist unsrer Liebe zu erhaben,
Sie gibt uns alles in den Wonnebächen,
Die nach dem Eisgang Flur und Aug' durchgraben,
Das Unsichtbarste will zum Lichte sprechen.

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Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Osterpredigt in Reimen

Verehrter Mitmensch, höre und vernimm
Freundwillig mit Hulden und ohne Grimm:
Dieweil es nun Ostern geworden ist,
Sollst du, von welcher Art du auch bist,
Ob Heide, Jude, Moslem, Christ,
Durchaus vergnügt im Herzen sein,
Osterwürdig und osterrein.

Mit einem Birkenreise kehre
Aus deiner Seele den Geist der Schwere!
Der Wenns und Abers und Achs und Os,
Die hart und starr dein Herz umwindet,
Dass der Geist der Leichte kaum Eingang findet,
Mache dich hurtig und heiter los!

Du brauchst nichts weiter dazuzutun,
Als dich im Grünen auszuruhn.
Da atmet sichs sehr wonnig ein,
Was dir das Herz macht frei und rein:
Der jungen Blumen frischer Hauch;
Und die Augen haben der Wonne auch,
Denn nichts ist lieblicher anzusehn,
Als wie sie da hold beisammenstehn,
Blau, weiß und rosa, klar und licht,
Der Erde süßestes Ostergedicht.

An ihnen dir ein Beispiel zu nehmen,
Sollst du, ach Mensch, dich keineswegs schämen!

Vergiss dein Gehirn eine Weile und sei
Gedankenlos dem lieben Leben
Blumeninnig hingegeben;
Vergiss dein Begehren, vergiss dein Streben
Und sei in seliger Einfalt frei
Des Zwangs, der dich durchs Hirn regiert!

Er hat dich freilich hoch geführt
Und vieles dir zu wissen gegeben,
Aber das allertiefste Leben
Wird nicht gewusst, wird nur gespürt.
Der Blumen zarte Wurzeln fühlen
Im keimlebendigen, frühlingskühlen
Erdboden mehr von ihm als du.
Und bist doch auch ein Kind der Erde.
Dass sie nicht sinnenfremd dir werde,
Wende ihr heut die Sinne zu!

Das ist der festlich tiefe Sinn
Der Ostertage: Mit Entzücken
Sollst du zum Mutterschoß dich bücken.
Gib heut, o Mensch, dich innerst zu beglücken,
Der Mutter Erde frühlingsfromm dich hin!

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Matthias Claudius (1740-1815)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/matthias_claudius.php

Osterlied

Das Grab ist leer, das Grab ist leer!
Erstanden ist der Held!
Das Leben ist des Todes Herr,
Gerettet ist die Welt!
Gerettet ist die Welt!

Die Schriftgelehrten hatten's Müh,
Und wollten Weise sein;
Sie hüteten das Grab, und sie
Versiegelten den Stein,
Versiegelten den Stein.

Doch ihre Weisheit, ihre List
Zu Spott und Schande ward;
Denn Gottes Weisheit höher ist,
Und einer andern Art,
Und einer andern Art.

Sie kannten nicht den Weg, den Gott
In seinen Werken geht;
Und dass nach Marter und nach Tod
Das Leben aufersteht,
Das Leben aufersteht.

Gott gab der Welt, wie Moses lehrt,
Im Paradies sein Wort;
Und seitdem ging es ungestört
Im stillen heimlich fort.
Im stillen heimlich fort.

Bis dass die Zeit erfüllet war
– Die Himmel feirten schon –
Da kam's zutage, da gebar
Die Jungfrau ihren Sohn,
Die Jungfrau ihren Sohn,

Den Seligmacher – –. Hoch und hehr,
Und Gottes Wesens voll
Ging er in Knechtsgestalt einher,
Tat Wunder und tat wohl,
Tat Wunder und tat wohl;

Und ward verachtet und verkannt,
Gemartert und verklagt,
Und starb am Kreuz durch Menschenhand;
Wie er vorhergesagt,
Wie er vorhergesagt;

Und ward begraben, und beweint,
Als sei er tot, allein
Er lebt, nun Gott und Mensch vereint,
Und alle Macht ist sein,
Und alle Macht ist sein.

Halleluja! das Grab ist leer!
Gerettet ist die Welt,
Das Leben ist des Todes Herr!
Erstanden ist der Held!
Erstanden ist der Held.

(Melodie: Lobt Gott ihr Christen allzugleich...)

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Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

Am Ostersonntage

O, jauchze, Welt, du hast ihn wieder,
Sein Himmel hielt ihn nicht zurück!
O jauchzet! jauchzet! singet Lieder!
Was dunkelst du, mein sel'ger Blick?

Es ist zu viel, man kann nur weinen,
Die Freude steht wie Kummer da;
Wer kann so großer Lust sich einen,
Der all so große Trauer sah!

Unendlich Heil hab' ich erfahren
Durch ein Geheimnis voller Schmerz,
Wie es kein Menschensinn bewahren,
Empfinden kann kein Menschenherz.

Vom Grabe ist mein Herr erstanden,
Und grüßet alle die da sein,
Und wir sind frei von Tod und Banden,
Und von der Sünde Moder rein.

Den eignen Leib hat er zerrissen,
Zu waschen uns mit seinem Blut,
Wer kann um dies Geheimnis wissen,
Und schmelzen nicht in Liebesglut!

Ich soll mich freun an diesem Tage
Mit deiner ganzen Christenheit,
Und ist mir doch, als ob ich wage,
Da Unnennbares mich erfreut.

Mit Todesqualen hat gerungen
Die Seligkeit von Ewigkeit,
Gleich Sündern hat das Graun bezwungen
Die ewige Vollkommenheit.

Mein Gott, was konnte dich bewegen
Zu dieser grenzenlosen Huld!
Ich darf nicht die Gedanken regen
Auf unsre unermessne Schuld.

Ach, sind denn aller Menschen Seelen
Wohl sonst ein überköstlich Gut,
Sind sie es wert, dass Gott sich quälen,
Ersterben muss in Angst und Glut!

Und sind nicht aller Menschen Seelen
Vor ihm nur eines Mundes Hauch?
Und ganz befleckt von Schmach und Fehlen,
Wie ein getrübter dunkler Rauch?

Mein Geist, o wolle nicht ergründen,
Was einmal unergründlich ist;
Der Stein des Falles harrt des Blinden,
Wenn er die Wege Gottes misst.

Mein Jesus hat sie wert befunden
In Liebe und Gerechtigkeit;
Was will ich ferner noch erkunden?
Sein Wille bleibt in Ewigkeit!

So darf ich glauben und vertrauen
Auf meiner Seele Herrlichkeit!
So darf ich auf zum Himmel schauen,
In meines Gottes Ähnlichkeit!

Ich soll mich freun an diesem Tage:
Ich freue mich, mein Jesu Christ,
Und wenn im Aug' ich Tränen trage,
Du weißt doch, daß es Freude ist!

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Joseph von Eichendorff (1788-1857)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/eichendorff.php

Ostern

Vom Münster Trauerglocken klingen,
Vom Tal ein Jauchzen schallt herauf.
Zur Ruh sie dort dem Toten singen,
Die Lerchen jubeln: wache auf!
Mit Erde sie ihn still bedecken,
Das Grün aus allen Gräbern bricht,
Die Ströme hell durchs Land sich strecken,
Der Wald ernst wie in Träumen spricht,
Und bei den Klängen, Jauchzen, Trauern,
So weit ins Land man schauen mag,
Es ist ein tiefes Frühlingsschauern
Als wie ein Auferstehungstag.

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Kerstin Fischer (geb. 1965), www.kerstin-fischer.net

L´ultima Cena

Blaues Licht tränkte den Raum,
als der Tod mit am Tisch saß
und das Brot gebrochen wurde,
um die Hungrigen zu sättigen.

Der Durst nach Liebe versiegte nicht.
Er wurde mitgetrunken mit dem roten Wein
den der reichte, der über das Wasser in den Himmel lief.

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Emanuel Geibel (1815-1884)

Auferstehung

Wenn einer starb, den du geliebt hienieden,
So trag hinaus zur Einsamkeit dein Wehe,
Dass ernst und still es sich mit dir ergehe
Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden.

Da fühlst du bald, dass jener, der geschieden,
Lebendig dir im Herzen auferstehe;
In Luft und Schatten spürst du seine Nähe,
Und aus den Tränen blüht ein tiefer Frieden.

Ja, schöner muss der Tote dich begleiten,
Ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein,
Und treuer - denn du hast ihn alle Zeiten.

Das Herz auch hat sein Ostern, wo der Stein
Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten;
Und was du ewig liebst, ist ewig dein.

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Emanuel Geibel (1815-1884)

Ostermorgen

Die Lerche stieg am Ostermorgen
Empor ins klarste Luftgebiet
Und schmettert', hoch im Blau verborgen,
Ein freudig Auferstehungslied,
Und wie sie schmetterte, da klangen
Es tausend Stimmen nach im Feld:
Wach auf, das Alte ist vergangen,
Wach auf, du froh verjüngte Welt!

Wacht auf und rauscht durchs Tal, ihr Bronnen,
Und lobt den Herrn mit frohem Schall!
Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,
Ihr grünen Halm' und Läuber all!
Ihr Veilchen in den Waldesgründen,
Ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot,
Ihr sollt es alle mit verkünden:
Die Lieb' ist stärker als der Tod.

Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen,
Die ihr im Winterschlafe säumt,
In dumpfen Lüsten, dumpfen Schmerzen
Ein gottentfremdet Dasein träumt.
Die Kraft des Herrn weht durch die Lande
Wie Jugendhauch, o laßt sie ein!
Zerreißt wie Simson eure Bande,
Und wie der Adler sollt ihr sein.

Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen
Gebrochen an den Gräbern steht,
Ihr trüben Augen, die vor Tränen
Ihr nicht des Frühlings Blüten seht,
Ihr Grübler, die ihr fern verloren
Traumwandelnd irrt auf wüster Bahn,
Wacht auf! Die Welt ist neugeboren,
Hier ist ein Wunder, nehmt es an!

Ihr sollt euch all des Heiles freuen,
Das über euch ergossen ward!
Es ist ein inniges Erneuen
Im Bild des Frühlings offenbart.
Was dürr war, grünt im Wehn der Lüfte,
Jung wird das Alte fern und nah,
Der Odem Gottes sprengt die Grüfte –
Wacht auf! der Ostertag ist da.

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Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769)

Osterlied

Erinnre dich, mein Geist, erfreut
Des hohen Tags der Herrlichkeit;
Halt im Gedächtnis Jesum Christ,
Der von dem Tod erstanden ist!

Fühl alle Dankbarkeit für ihn,
Als ob er heute dir erschien,
Als spräch er: Friede sei mit dir!
So freue dich, mein Geist, in mir!

Schau über dich, und bet ihn an.
Er misst den Sternen ihre Bahn;
Er lebt und herrscht mit Gott vereint,
Und ist dein König und dein Freund.

Macht, Ruhm und Hoheit immerdar
Dem, der da ist, und der da war!
Sein Name sei gebenedeit,
Von nun an bis in Ewigkeit!

O Glaube, der das Herz erhöht!
Was ist der Erde Majestät,
Wenn sie mein Geist mit der vergleicht,
Die ich durch Gottes Sohn erreicht?

Vor seinem Thron, in seinem Reich,
Unsterblich, heilig, Engeln gleich,
Und ewig, ewig selig sein;
Herr, welche Herrlichkeit ist mein!

Mein Herz erliegt froh unter ihr;
Lieb und Verwundrung kämpft in mir,
Und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht,
Fall ich, Gott, auf mein Angesicht.

Du, der du in den Himmeln thronst,
Ich soll da wohnen, wo du wohnst?
Und du erfüllst einst mein Vertraun,
In meinem Fleische dich zu schaun?

Ich soll, wenn du, des Lebens Fürst,
In Wolken göttlich kommen wirst,
Erweckt aus meinem Grabe gehn,
Und rein zu deiner Rechten stehn?

Mit Engeln und mit Seraphim,
Mit Thronen und mit Cherubim,
Mit allen Frommen aller Zeit
Soll ich mich freun in Ewigkeit?

Zu welchem Glück, zu welchem Ruhm
Erhebt uns nicht das Christentum!
Mit dir gekreuzigt, Gottes Sohn,
Sind wir auch auferstanden schon.

Nie komm es mir aus meinem Sinn,
Was ich, mein Heil, dir schuldig bin;
Damit ich mich, in Liebe treu,
Zu deinem Bilde stets erneu.

Er ist's, der alles in uns schafft,
Sein ist das Reich, sein ist die Kraft.
Halt im Gedächtnis Jesum Christ,
Der von dem Tod erstanden ist.

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Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/goethe.php

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche...

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in raue Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes:
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt's im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behänd sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss, in Breit' und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein.
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

(aus: Faust I, Vor dem Tor)

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Karl Henckell (1864-1929)

Ein Oster-Requiem

Der Jünger am Grabe

Was stehst du trauernd,
Ewiger Sehnsucht Freund,
Am Grab des Liebsten,
Welchen der Tod verschlang?
Was birgst dein Haupt du,
Schmerzbeschattet,
Und suchst des Menschen
Göttlich Antlitz,
Ach, vergebens?

Der selbst sein Kreuz trug,
Dornengekrönter Held,
Gepeitscht mit Ruten,
Weil in der Wahrheit Wehr
Er zeugen musste
Wider Weltwahn
Vom innern Himmel-
Reich der Liebe,
Fürst des Lebens.

Der auch der Schönheit
Rose gesegnet – sieh!
Die Schwester brachte
Blühenden Abschiedsgruß
Dem sonnenmilden
Herzerlöser.
Betaut von Tränen
Irrt Maria
Bleich im Garten...

Auf Schöpferschwingen
Freudegefilden zu,
Du gramgebeugter
Freund des Erhabenen,
Schwebt der geschmähte
Menschen-Meister
Und thront zur Rechten
Gottes, wo die
Strahlend-Unsterblichen warten.

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Luise Hensel (1798-1876)

Osterfreude 1818

Heil allen kranken Herzen!
Und Trost in Kampf und Schmerzen
Und lichte Glaubenskerzen
In Zweifel und in Nacht!
O ja! für alle Wunden
Hat sich ein Balsam funden;
Wer sollte nicht gesunden,
Dem so das Leben lacht?

Komm, Thomas, her und siehe,
Dass jeder Zweifel fliehe,
Und fall' auf deine Kniee
Und tauche deine Hand
In Seines Herzens Wunde,
Und laut, mit frohem Munde,
Gib aller Welt die Kunde,
Dass lebend Er erstand. –

Dein Zweifel lehrt uns fassen
Den Glauben und verlassen
Die Grübelei und hassen
Des Zweifels Dornensaat.
Drum Mut den bangen Herzen
Und Trost in allen Schmerzen
Und lichte Glaubenskerzen
Auf dunkelm Erdenpfad! –
Hallelujah!

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Arno Holz (1863-1929)

Vom Turm her klangen...

Vom Turm her klangen die Osterglocken
Über des Kirchhofs trauernde Gruft,
Und gleich verwehten Blütenflocken.
Verschwamm ihr Klang in der Morgenluft.
Mich aber riefen sie in die Weite
Und ließen mich nicht im dumpfen Haus,
Und unter der Osterlieder Geleite
Zog ich die Straßen zum Tore hinaus.

Weit hinter mir im Morgendämmer
Sich das Gemäuer der Stadt verlor,
Und selbst das Pochen der Eisenhämmer
Traf nur gedämpft noch an mein Ohr.
Doch dehnte sich immer weiter und weiter
Vor meinen Blicken der sonnige Gau,
Und jauchzend auf tönender Himmelsleiter
Schwang sich die Lerche ins Ätherblau.

Da stand ich denn nun am Waldesrande
Mit meinen Gedanken so ganz allein
Und sah tief unter mir die Lande
Liegen im flimmernden Sonnenschein.
Und als dann, den letzten Zweifel zu rauben,
Ein Schäfer noch blies auf seiner Schalmei,
Da wollte ich es selbst nicht glauben,
Dass Tod die Lösung des Rätsels sei

Da schien mir alles verweht und vergangen,
Was ich betrauerte winterlang;
Und alle Saiten des Herzens klangen
Zusammen im Auferstehungsgesang.
O, solche Seelenklänge dringen
Weit höher noch in die Himmel empor,
Als je auf seinen Flatterschwingen
Ein Vogel sich in der Luft verlor!

Ja, Fest der Ostern, nun warst du gezogen
Auch endlich in diese verödete Brust;
Und dies Herz, das so oft schon das Leben betrogen,
Erzitterte wieder von süsser Lust
Und schlägt nun der hohen Feier entgegen,
Die über die Erde zu giessen verheißt
Den herrlichsten aller himmlischen Segen,
Den welterlösenden, heiligen Geist.

Der heilige Geist ist die ewige Liebe,
Die Gott in die Herzen der Menschen gesenkt,
Und die mit jedem Ostertriebe
Von neuem sich zum Lichte drängt.
Sie schwebt herab vom Himmelssaale
Zu Jedem, der an sie noch glaubt–
O neige, neige die goldene Schaale
Auch hier auf dieses Beterhaupt!

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