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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Aschermittwoch

Wir feiern im Norden jetzt überall
Mit hoher Erlaubnis den Carneval.
Wir treiben Spott, wir treiben Scherz
Mit allerlei in unserm Land und allerwärts.

So kommt denn manche Wahrheit wohl an den Tag,
Die man nicht offenbaren darf und mag.
Und mancher singt und mancher sagt,
Was er doch sonst wohl schwerlich hätte gewagt.

Das wäre nun Alles zu unserm Gedeihn,
Ja, müsst' es bei uns ewig Fasching sein.
Wer kann Jahr aus, wer kann Jahr ein
Und immerfort und immerfort ein Narr doch sein.

Der Carneval vergehet ohne Spur,
Und immerfort behalten wir die Censur.
Gäbt ihr dafür die Presse frei,
Bei Gott, das wär' die allerschönste Narretei!

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Friedrich von Hagedorn (1708-1754)

Bei einem Carneval

Das Spiel der Welt besteht aus Mummereien:
Ein Hofmann schleicht in priesterlicher Tracht;
Als Nonne winkt die Nymphe Schmeicheleien;
Ein Wuchrer stutzt in eines Sultans Pracht;
Der falsche Phrax erscheint im Schäferkleide;
Als Bäurin stampft die zarte Flavia;
Verblendend glänzt im stolzen Erbgeschmeide
Atossa selbst, der Läufer Zulica;
Als Fledermaus läßt Phryne sich nicht nennen,
Auch Myrtis nicht, der bunte Papagei.
O möchte man stets jedem sagen können:
Dich, Maske, kenn' ich; ... nur vorbei!

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Kurt Tucholsky (1890-1935)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/kurt_tucholsky.php

Berliner Fasching

Nun spuckt sich der Berliner in die Hände
Und macht sich an das Werk der Fröhlichkeit.
Er schuftet sich von Anfang bis zum Ende
Durch diese Faschingszeit.

Da hört man plötzlich von den höchsten Stufen
der eleganten Weltgesellschaft längs
Der Spree und den kanälen lockend rufen:
"Rin in die Escarpins!"

Und diese Laune, diese Grazie, weißte,
die hat natürlich alle angesteckt;
die Hand, die tagshindurch Satin verschleißte,
winkt ganz leschehr nach Sekt.

Die Dame faschingt so auf ihre Weise:
Gibt man ihr einmal schon im Jahr Lizenz,
dann knutscht sie sich in streng geschlossnem Kreise,
fern jeder Konkurrenz.

Und auch der Mittelstand fühlts im Gemüte:
Er macht den Bockbierfaßhahn nicht mehr zu,
umspannt das Haupt mit einer bunten Tüte
und ruft froh: "Juhu!"

Ja, selbst der Weise schätzt nicht nur die hehre
Philosophie: auch er bedarf des Weins!
Leicht angefüllt geht er bei seine Claire,
Berlin radaut, er lächelt...
Jeder seins.

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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/ringelnatz.php

Berta und ich gehn zum Maskenball

Gänse, die als Prinzessinnen sich weiden.
Schafsköpfe, die als Schafskopf sich verkleiden.
Türken, die eine Bettlerin
Mit »Frau Geheimrat« titulieren,
Cowboys mit Oberlehrermienen. – –
Nur die dabei verdienen und bedienen,
Erkennen solchen Unfugs Sinn.
Und beinah nur für diese Wenigen
Mischen wir andern uns auf buntem Teller
Zum außerordentlichen italienischen
Salat, als Stückchen dran und drin.

Berta, frisier dich etwas schneller!
Weil ich ein fertig angezogener Chinese bin.

Es braust ein Ruf wie Donnerhall, –
Berta, wir gehn zum Faschingsball,
Zu Karnevallerie Krawall,
Pot-Pickles, Mixed-Pourri und Drall.

Denn mancherlei im Leben – vielerlei! –,
Das man nicht sagt, lässt tanzen sich und grölen.
Und köstlich ist ein unverbindlich Küssen.

Maria Stuart, heute bist du frei.
Rasch! Gieße Flieder in die Achselhöhlen!
Nimm diese Mark für Trambahn und mal müssen.
Das Auto hin, das werde ich bezahlen.
Bin ich nicht nett??
Und geh heut nacht mit wem du willst in das Schafott.
Mach zu! Mein Hütchen – und mein Paletötchen. –
Steig ein! – Die Schlüssel? – Und die Schinkenbrötchen?
Töff töff rrrr –

*

Das Auto hält. Portier und Lichter strahlen.
Das Auto will ich, wie gesagt, bezahlen.
Doch, Berta Stuart, nun verlaß ich dich.
Zum Abenteuern muss man Freunde meiden.
Wie wir uns heute nur für andre kleiden,
Zuletzt erlebt ein jeder doch nur sich.

Du!: Morgen, überm Eimer denk an mich!

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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Breslauer Künstlerfasching

Hoch lebe die Fastnacht!
Wo wir fasten und rasten
Von des Lebens Lasten,
Und uns gewöhnen zu frönen
Allem Schönen,
Wo wir anstecken
Die Kerzen unsrer Herzen,
Und wie Gecken
Uns selbst zum Besten haben
Und mit heitern Gästen laben,
Nach Fröhlichkeit trachten und dichten
Und unsre Gedanken richten
Eher auf den besten Keller
Als auf den letzten Heller -
Es lebe die Fastnacht,
Die keinem Last macht,
Wo Wirt und Gast lacht
Und ohne Rast wacht
Bis an den Morgen
Abzuwerfen der Sorgen
Ballast-Fracht
Und was das Leben verhasst macht -
Hoch lebe die Fastnacht!

(1837)

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Ludwig Tieck (1773-1853)

Carneval

Freudiger und lichter
Wird mir mit jeder Wiederholung
Dieses bunte Getümmel.
Wohltuend, befreiend,
Wirkt so die Torheit
Froh und ungestört geübt,
Sie löset und lüftet
Des Missbehagens und Zürnens,
Der Bosheit, des Grolles
Tausendfältige verschlossene Ursachen.
Was Weisheit und Gesetz nicht vermag,
Die Religion selbst ohnmächtig bekämpft,
Beschwichtigt der Taumel des erdichteten Wahnsinns.

Und die schönen Larven
Hat Amor selbst erfunden,
Sie verstricken Aug' und Herz.
Die reizenden Gewänder, der freie Fuß,
Das schlanke volle Bein, der weiße Nacken
Und die verhüllten dunkeln Augen
Betören den Sinn.
Doch wieder ernüchtert
Erwacht die Seele vom Rausch,
Wenn am Abend
Die Schöne statt der Maske
Das eigne Antlitz zeigt,
Der Reiz erstirbt, und die Alltäglichkeit
Spricht aus den ermüdeten Gestalten.

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Wilhelm Waiblinger (1804-1830)

Carneval

Wie, du wunderst dich, Freund, wie so urplötzlich ein Volk sich
Wochenlang wie toll, närrisch und albern beträgt?
O mein Teurer, du irrest dich sehr, schilt keinen, der heut sich
Auf dem Corso herum wie ein Besessener treibt,
So erscheint mir am wahrsten der Mensch, dies Carneval steht ihm,
Aber das Schlimmere folgt, wenn er kein Mäskchen mehr hat.

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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Der Eselfasching

Die Esel wollten den Fasching begehn,
Das konnt' ohne Masken und Schellen geschehn.
Tschahi, tschaha, tschaho!
Wie war'n die Esel froh!
Wie jauchzte laut ein Jeder, Jeder, Jeder
Und machte groß Halloh!

Sie hatten einen Narrenkönig sich erkor'n,
Das war geworden der mit den längsten Ohr'n.
Tschahi, tschaha, tschaho!
Wie war'n die Esel froh!
Wie jauchzte laut ein Jeder, Jeder, Jeder
Und machte groß Halloh!

Sie hatten einen Hofstaat ihm beigesellt,
So ganz wie es geht in der Manntierwelt.
Tschahi, tschaha tschaho!
Wie war'n die Esel froh!
Wie jauchzte laut ein Jeder, Jeder, Jeder
Und machte groß Halloh!

Und als nun die Esel so gingen im Zug,
Da kam ein Kettenhund herbei und frug:
»Tschahi, tschaha, tschaho!
Warum seid ihr so froh?
Warum doch jauchzt ein Jeder, Jeder, Jeder
Und macht ein solch Halloh?«

Die Maskenfreiheit die haben auch wir,
Die brauchen wir jetzo nach unsrer Manier.
Tschahi, tschaha, tschaho!
Drum sind wir Esel froh,
Drum jauchzet auch ein Jeder, Jeder, Jeder
Und macht ein solch Halloh.

»Ihr Esel bleibt doch Esel und werdet nie gescheit,
Was kann euch doch nützen die Maskenfreiheit?
Tschahi, tschaha, tschaheit!
Ihr seid doch nie gescheit,
Es bleibet doch ein Jeder, Jeder, Jeder
Ein Esel allezeit.«

»So eine Freiheit, närrisch zu sein,
Die habt ihr ja auch mit den Russen gemein.
Tschahi, tschaha, tschahei!
Ja, zeigtet ihr euch frei,
So müsste halt ein Jeder, Jeder, Jeder
Gleich vor die Polizei.«

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Joseph von Eichendorff (1788-1857)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/eichendorff.php

Die ernsthafte Fastnacht

Wohl vor Wittenberg auf den Schanzen
Sind der edlen Werber viel,
Wollen da zur Fastnacht tanzen
Ein gar seltsam Ritterspiel.

Und die Stadt vom Felsen droben
Spiegelt sich im Sonnenschein,
Wie ein Jungfräulein erhoben -
Jeder will ihr Bräut'gam sein.

Jäger! lasst die Hörner klingen
Durch den Morgen kalt und blank!
Wohl, sie lässt sich noch bezwingen,
Hört sie alten deutschen Klang.

Drauf sie einen Reiter schnelle
Senden der so fröhlich schaut,
Der bläst seinen Gruß so helle
Wirbt da um die stolze Braut.

"Sieh, wir werben lang verstohlen
Schon um dich in Not und Tod,
Komm! sonst wollen wir dich holen,
Wann der Mond scheint blutig rot!"

Bleich schon fallen Abendlichter -
Und der Reiter bläst nur zu,
Nacht schon webt sich dicht und dichter -
Doch das Tor bleibt immer zu.

Nun so spielt denn, Musikanten,
Blast zum Tanz aus frischer Brust!
Herz und Sinne mir entbrannten,
O du schöne, wilde Lust!

Wer hat je so 'n Saal gesehen?
Strom und Wälder spielen auf,
Sterne auf und nieder gehen,
Stecken hoch die Lampen auf.

Ja der Herr leucht't selbst zum Tanze,
Frisch denn, Kameraden mein!
Funkelnd schön im Mondesglanze
Strenges Lieb, musst unser sein! -

Und es kam der Morgen heiter,
Mancher Tänzer lag da tot,
Und Victoria blies der Reiter
Von dem Wall ins Morgenrot.

Schlesier wohl zu Ruhm und Preise
Haben sich dies Lieb gewonnen,
Und ein Schlesier diese Weise
Recht aus Herzenslust ersonnen.

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Hermann von Lingg (1820-1905)

Fasching

Ich saß am Fenster im erhellten Saale
Und sah hinunter in des Tanzes Reigen,
Sah heißes Rot in junge Wangen steigen
Und goldnen Wein im funkelnden Pokale;

Doch wenn ich rückwärts sah, da war nur kahle
Schneelandschaft drauß' und düstres Winterschweigen,
Die Bäume stunden mit entlaubten Zweigen
Und Nebel flog im schwachen Mondenstrahle.

O dass die Stunden so geschwind entschweben!
Wie mancher Händedruck wünscht in der Stille
Recht lang zu dauern, um noch mehr zu geben!

Dem Wunsch sich fügen sollte jeder Wille,
Bis Blüten draus am Baume sich erheben,
So lang' stürm' fort, berauschende Quadrille!

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Otto Erich Hartleben (1864-1905)

Fasching

Wie eine reife, süße Dolde
hing deine Güte über mir;
im Rausche griff ich nach dem Golde
und streifte schon an seine Zier.

Nun hat ein graugewobner Schleier
mir deinen Liebreiz jäh vermummt;
und unsrer Seelen bunte Feier
ist ohne Klagelaut verstummt.

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Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Fasching

Introduktion

Buntes Gewühl, es wirbeln und flirren
Tausend Farben in tollem Gemenge,
Taumelnde, jauchzende Töne schwirren,
Suchende glühende Blicke irren
Durch das Gedränge.
In all' dem Trubel – ich suche nur eine:
Reizender Racker, was läufst du so schnelle?
Kaum, dass ich wieder zu haben sie meine,
Ist sie verschwunden, die zierliche, kleine
Pollichinelle.

 


Nebenbei

Mit dem Fächer spielen,
Mit den Augen zielen,
Jede kann die Kunst famos;
Jede lernt das schnell,
Die kleinste Nähmamsell
Ist auf diesem Gebiete groß.

 


Walzer

Ein Walzer hebt sich säuselnd an
Mit hüpfendem Bogenspringen,
In breitem, rauschendem Striche dann
Beginnt er sein lockendes Singen.
Er schmeichelt in das Herz sich ein
Den zart beschwippsten Mädchen,
Nun ist die Ruhe bittre Pein
Elektrisierten Wädchen.

Frei und geheim ist hier die Wahl;
Such, Freund, dir irgend eine
Und schwenke sie rundum im Saal,
Stehst fest du noch auf dem Beine.

 


Intermezzo des Jammers

Himmel und Hölle! Was muß ich da sehen!
Meine kleine Pollichinelle,
– Himmel und Hölle! –
Hingeschmiegt in lustigem Drehen
An die breite Brust eines langen
Russen, mit lauter Pistolen behangen
... Hol ihn der Teufel!

 


Redouten-Ritornelle

1.
Bescheidenes Veilchen!
– Na freilich, mein Schatz, wir trinken schon Sekt,
Aber wart noch ein Weilchen.

2.
Tulpenglocke!
– (Sie wohnt in der Kaufingerstraße 3,
Hinten, im dritten Stocke.)

3.
Schimmernde Rose!
– Sie isst mich arm in Kalbsfilet
Mit saurer Sahnensauce.

4.
Schwermütige Lotosblüte!
– Von Leibe ist sie dürftig zwar,
Aber üppig von Gemüte.

5.
Mein Gänseblümchen!
– Ich bin zufrieden, gibst du mir nur
Von deiner Liebe ein Krümchen.

6.
Strohgelbe After!
– Auf dem Maskenfeste spröde sein
Ist ein abscheuliches Laster.

7.
Duftvolle Syringe!
– Hätt ich Geld im Sack, ich wettete mit,
Dass ich nach Hause dich bringe.

 


Polka

Eng ihr an die Brust gepresst,
Halt ich sie fest, halt ich sie fest,
Drehe mich wild ringsum, ringsum:
Mädel, Mädel, du hübsche, gute,
In meinem Blute
Dreht sich ein Tanz:
Dein bin ich ganz!
Mädel du, Mädel du, magst du mich leiden?
Wir zwei beiden
Passen zusammen,
Unserer Herzen jauchzende Flammen
Geben wundersamen Glanz.
Dir aus den Augen schimmern sie prächtig,
Mir in den Adern schwellen sie mächtig,
Rasen sich taumeltoll tanzend entgegen
Jubelnd, verwegen,
Schwellend im Glühen,
Im Lodern, im Sprühen
Höllischen, himmlischen Brands!

 


Kehraus

Kehraus. Vorbei der tolle Schwarm.
Wir gehen friedlich Arm in Arm,
Die Meine und ich, nach Hause.
Nach Hause.
Ist nicht die Welt gar wunderschön!
Sieh, wie die Sterne am Himmel stehn,
Wie sie freundlich blinken.
Dir in die Augen muss ich sehn,
In dir vergehn,
In unsäglicher Lust ertrinken.

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Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

Fastnacht

Man füllt sich, eh man fasten muss,
Bis auf den Ekel und Verdruss,
Und macht das Maß der Sünden voll
Wenn man darüber trauen soll.

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Arnim/Brentano (Hrsg.)

Fastnacht

Die Fastnacht bringt uns Freuden zwar
Vielmehr denn sonst ein ganzes halbes Jahr,
Ich macht mich auf und tät spazieren gehen,
An einen Tanz,
Mir ward ein Kranz
Von Blümlein Glanz,
Des erfreut ich mich gar sehr.

Ich bot der Jungfrau meinen Gruß,
Ganz freundlich trat sie mir auf meinen Fuß,
Sie sprach: »Gut Gesell, wenn ich dir sagen sollt,
Wenn du nur wollst,
Ich wär dir hold.
Kein Silber und Gold
Ist meiner Lieb ein Sold.

Hinter meins Vaters Hof steht ein Tür,
Da ist weder Schloss noch Riegel dafür,
Da geh hinein, dass man dich nicht seh noch spür,
Sie ist geschmiert,
Daß sie nicht klirrt,
Kein Mensch dich irrt,
Tritt fröhlich hinein zu mir.«

Des Nachts hob sich ein Wetter groß,
Das über Berg und tiefe Thai herfloss,
Desselben Wegs mich nie keinmal verdross;
Ich stahl mich aus,
Still wie ein Maus,
Und kam ins Haus,
Und lebt im Saus,
Mit der Lieben die ganze Nacht.

(aus: Des Knaben Wunderhorn, erschienen 1806-08)

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Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/goethe.php

Fastnacht 1825

Da das Alter, wie wir wissen,
Nicht für Torheit helfen kann,
Wär es ein gefundner Bissen
Einem heitern alten Mann,

Dass am Rhein, dem vielbeschwommnen,
Mummenschar sich zum Gefecht
Rüstet gegen angekommnen
Feind, zu sichern altes Recht.

Auch dem Weisen fügt behäglich
Sich die Torheit wohl zur Hand,
Und so ist es gar verträglich,
Wenn er sich mit euch verband.

Selbst Erasmus ging den Spuren
Der Moria scherzend nach,
Ulrich Hutten mit Obskuren
Derbe Lanzenkiele brach.

Löblich wird ein tolles Streben,
Wenn es kurz ist und mit Sinn;
Heiterkeit zum Erdeleben
Sei dem flüchtigen Rausch Gewinn.

Häufet nur an diesem Tage
Kluger Torheit Vollgewicht,
Dass mit uns die Nachwelt sage:
Jahre sind der Lieb und Pflicht.

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