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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Der Eselfasching

Die Esel wollten den Fasching begehn,
Das konnt' ohne Masken und Schellen geschehn.
Tschahi, tschaha, tschaho!
Wie war'n die Esel froh!
Wie jauchzte laut ein Jeder, Jeder, Jeder
Und machte groß Halloh!

Sie hatten einen Narrenkönig sich erkor'n,
Das war geworden der mit den längsten Ohr'n.
Tschahi, tschaha, tschaho!
Wie war'n die Esel froh!
Wie jauchzte laut ein Jeder, Jeder, Jeder
Und machte groß Halloh!

Sie hatten einen Hofstaat ihm beigesellt,
So ganz wie es geht in der Manntierwelt.
Tschahi, tschaha tschaho!
Wie war'n die Esel froh!
Wie jauchzte laut ein Jeder, Jeder, Jeder
Und machte groß Halloh!

Und als nun die Esel so gingen im Zug,
Da kam ein Kettenhund herbei und frug:
»Tschahi, tschaha, tschaho!
Warum seid ihr so froh?
Warum doch jauchzt ein Jeder, Jeder, Jeder
Und macht ein solch Halloh?«

Die Maskenfreiheit die haben auch wir,
Die brauchen wir jetzo nach unsrer Manier.
Tschahi, tschaha, tschaho!
Drum sind wir Esel froh,
Drum jauchzet auch ein Jeder, Jeder, Jeder
Und macht ein solch Halloh.

»Ihr Esel bleibt doch Esel und werdet nie gescheit,
Was kann euch doch nützen die Maskenfreiheit?
Tschahi, tschaha, tschaheit!
Ihr seid doch nie gescheit,
Es bleibet doch ein Jeder, Jeder, Jeder
Ein Esel allezeit.«

»So eine Freiheit, närrisch zu sein,
Die habt ihr ja auch mit den Russen gemein.
Tschahi, tschaha, tschahei!
Ja, zeigtet ihr euch frei,
So müsste halt ein Jeder, Jeder, Jeder
Gleich vor die Polizei.«

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Hermann von Lingg (1820-1905)

Fasching

Ich saß am Fenster im erhellten Saale
Und sah hinunter in des Tanzes Reigen,
Sah heißes Rot in junge Wangen steigen
Und goldnen Wein im funkelnden Pokale;

Doch wenn ich rückwärts sah, da war nur kahle
Schneelandschaft drauß' und düstres Winterschweigen,
Die Bäume stunden mit entlaubten Zweigen
Und Nebel flog im schwachen Mondenstrahle.

O dass die Stunden so geschwind entschweben!
Wie mancher Händedruck wünscht in der Stille
Recht lang zu dauern, um noch mehr zu geben!

Dem Wunsch sich fügen sollte jeder Wille,
Bis Blüten draus am Baume sich erheben,
So lang' stürm' fort, berauschende Quadrille!

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Hermann Löns (1866-1914)

Februar

Schneeflöckchen flattern in der Luft,
Schneeglöckchen dir am Busen,
Mein Herz durchquillt ein Weiheduft,
Die Quintessenz der Musen;
Mit Sang, Geschrei und Schellenklang
Zieht Mummenschanz die Stadt entlang,
Heut lärmt das rohe Volk wie toll
Und wirft sich morgen reuevoll
Im Beichtstuhl auf die Kniee!

Uns strahlt ein höh'res Geisteslicht,
Wir brauchen nicht bereuen,
Wir wollen uns mit Asche nicht
Die freie Stirn bestreuen;
Uns stört die Reue nicht die Lust,
Wir sind uns keiner Schuld bewusst,
Wir hassen und wir lieben frei,
Wir kennen keine Heuchelei
Und kennen keine Sünde!

Die Maske fort, das Antlitz bloß,
Die Lippen frei zum Küssen!
All unsre Lust kann schleierlos
Die ganze Menschheit wissen.
Solang dein Herz für mich noch warm,
Umschlingt dich fest mein starker Arm,
Du wirst mein ehlich Treugemahl,
Trotz Priesterfluch und Kirchbannstrahl,
Zum Hohn der großen Lüge!

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Wilhelm Müller (1794-1827)

Februar

Erkennst du mich in meinem bunten Kleide,
Mit meiner Pritsche, meinem Schellenhut,
Mit meinem unermüdlich krausen Mut,
Voll Scherz und Rank und Witz und Schadenfreude?

Doch zapft man hier, zu meinem großen Leide,
Mir jährlich ab ein Becken wildes Blut:
Humanitas meint es mit mir nicht gut,
Und schwärzt mich an mit unhumanem Neide.

Ich darf nicht mehr frei durch die Straße wandern,
In enge Säle schließen sie mich ein,
Und wollen gar, ich soll vernünftig sein.

Wie tut mir's weh um dich vor allen Andern!
Ich möchte gern dich römisch lustig sehn,
Und müsst' ich selbst dabei zu Grunde gehn.

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Robert Eduard Prutz (1816-1872)

Fünf neue Lieder

auf den kläglichen und höchstbetrübenden Hingang des edlen Prinzen genannt Held Karneval zu Düsseldorf Februar 1848.
Als der Minister Bodelschwingh den Karneval zu Düsseldorf, nach mehr als zwanzigjährigem Bestehen, durch Ministerialreskript verboten hatte.


1.

Nun weh und dreimal weh, ihr Zecher,
hinauf, hinab den grünen Rhein,
nun werft in Scherben alle Becher
und mischet Wasser in den Wein!
Der liebste Fürst in unsern Tagen,
der liebste mir, ich sag' es frei,
Held Karneval, der liegt erschlagen,
erschlagen von der Polizei!

Wer in dem Glanz der goldnen Locken,
wer sah so stolz, so froh darein?
Wen läuteten die Rheinweinglocken
so feierlich, so fröhlich ein?
So recht nach Gottes Ebenbilde,
ein König und ein Kind zugleich,
wer war, wie er, so sanft und milde,
wo war ein Joch, wie seins so weich?

Nicht Orden hatt' er oder Wappen,
er hatte Söldner nicht noch Heer:
Die Narrengunst, die Schellenkappen,
das war sein ganzes Militär.
Und wer die meisten Becher leerte,
der allerlustigste Patron,
das war der dreimal Hochgeehrte,
der Nächste war das seinem Thron.

Nun in der Blüte seiner Jahre
hat ihn die Polizei umstrickt,
nun einsam liegt er auf der Bahre,
von einem Bodelschwingh erdrückt!
Wir aber wolln die Gläser heben
und rufen dennoch frank und frei:
Der tote Karneval soll leben
und pereat die Polizei!

2.

Schellenkappe, Pickelhaube
können niemals, wie ich glaube,
auf die Dauer sich entzwein;
Pickelhaube, Schellenkappe,
wenn ich richtig es ertappe,
scheinen eines mir zu sein.

Dass ich näher es entwickel',
scheint die Schelle mir ein Pickel,
süß belebt von Melodie:
Und ein Pickel, auf der Stelle,
ist nur eine tote Schelle -
Und die freilich klingen nie.

Drum den beiden Potentaten
möcht' ich ganz ergebenst raten,
Karneval und Polizei,
ob für Ritter nicht und Knappe
Pickelhaube, Schellenkappe
einmal umzutauschen sei.

Statt der Kappen, statt der Schellen,
Rheinlands fröhliche Gesellen,
setzt die Pickelhauben auf!
Mit dem Degen an der Seite,
so zum Becher wie zum Streite,
und die Freiheit führt den Lauf!

Horch, die Hörner, wie sie blasen,
horch, die Trommeln, wie sie rasen,
goldig steigt der Tag herauf -
Die Gendarmen unterdessen,
um auch die nicht zu vergessen,
setzen Schellenkappen auf.

3.

Vernehmt, ihr Leute fern und nah,
die grausige Historia,
die jüngstens sich begeben hat
zu Düsseldorf der guten Stadt;
vernehmt es all und merkt euch wohl:
Die Narrheit ist jetzt Monopol.

Zu Düsseldorf, bei nächt'ger Zeit,
hört' man ein Läuten weit und breit,
von tausend Glocken, hell und fein,
von tausend Gläsern, voll und rein -
Wir hörten's noch, ich denke wohl,
wär' nicht die Narrheit Monopol.

Es klang herauf aus Kellers Grund,
wie Festgesang von Zechermund,
klang durch die Lüfte keck und frei,
wie Mummenschanz und Schelmerei -
Es klänge noch, ich denke wohl,
wär' nicht die Narrheit Monopol.

Und aus der Tiefe wunderbar,
wie Freiheitsatem hell und klar,
hinauf, hinab den grünen Strand,
die goldne Freude flog durchs Land -
Das war vordem, versteht mich wohl,
eh' noch die Freiheit Monopol.

Das hört der Pascha in Berlin,
und wie er's hört, verdrießt es ihn:
»Auf, auf, Gensd'arm, und wehr dem Ding,
wozu wär' ich der Bodelschwingh?!«
Er dacht', und daran dacht' er wohl,
die Narrheit wär' sein Monopol.

Und alsofort am nächsten Tag
verkündigt ward beim Trommelschlag,
dass niemand sich darf unterstehn,
in Narrenkappen mehr zu gehn:
Ihr guten Bürger, merkt euch wohl,
die Narrheit ist jetzt Monopol.

So sitzen wir nun traurig all
und haben keinen Karneval,
wir sitzen all und weinen sehr
und trinken aber desto mehr -
O dass sie all der Teufel hol',
die Narren samt ihrem Monopol.

4.

Den man tückisch uns verboten,
den die Häscher uns erschlagen,
den mit Tränen wir beklagen,
dieses Glas dem großen Toten!

Dass zu Nacht, bei Mondenscheine,
jenem Pascha, der es wagte,
der die Freude uns verjagte,
dass sein Schatten ihm erscheine!

Nicht, wie wir ihn lebend sahen,
rebumkränzt die schlanken Lenden,
einen Humpen in den Händen,
nein, als Schreckbild soll er nahen!

Seine Glocken, seine Schellen,
Festmusik den klugen Toren,
sollen in des Pascha Ohren
hell wie Aufruhrglocken gellen!

Und die Pritsche, jene flinke,
die er führte zum Entzücken,
dass sie vor des Pascha Blicken
drohend, wie ein Dolch ihm blinke!

Also während wir hier sitzen,
bei Gesang und Wein vereinigt,
von Gespenstern er gepeinigt,
soll er ächzen, soll er schwitzen:

bis er endlich wird genesen
und bekennen wird, verwundert,
dass im neunzehnten Jahrhundert
er der einz'ge Narr gewesen.

5.

Das ist kein echter Saft der Reben,
der nicht gegoren und geschäumt,
das ist ein jammervolles Leben,
wo man nicht schwärmt mehr und mehr träumt!
Wo in den gleichen Gang der Tage
kein Fest mehr holden Wechsel bringt,
wo nie bei jauchzendem Gelage
die Freude mehr die Mütze schwingt!

Geschrieben steht's und steht zu lesen,
die Wahrheit wohnet in dem Wein;
wir sind so lange klug gewesen,
nun lasst uns endlich närrisch sein!
Den Trinkern glaubt und glaubt den Dichtern,
sie haben beide es erprobt:
Wer euch berauscht hat, macht euch nüchtern -
Sei, heil'ge Trunkenheit, belobt!

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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/ringelnatz.php

Leben wie im Karneval

Jeder summt sein Sümmchen
Oder brummt sein Brümmchen
Wie ein Bär oder wie ein Bienchen,
Wenn er ganz in sich
Hindöst. – Aber öffentlich
Zieht dann jeder, jede,
Jedes sein Mienchen. – – –

(Fällt mir plötzlich ein Gerede
Ein, eines Arztes mit schizophrenen Fraun.
Hielt der Arzt sie heimlich lieb am Zügel.
Sagte eine: "Hängen Sie meinen
Linken Lungenflügel
An den Gartenzaun!")

Jedes flucht sein Flüchlein,
Wenn's nicht ging, wie's ihmnach gehen soll.
Manches weint ein Tüchlein
Oder scheißt ein Höslein voll.

Das störend niedrige Geschmeiß
Ist schwierig zu erreichen.
Es bleibt Gesetz: Die Schnake weiß
Dem Kuhschwanz auszuweichen.

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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/ringelnatz.php

Immer wieder Fasching

Wenn der Fasching kommt, wird viel verboten.
Aber manches wird auch andrerseits erlaubt.
Dann wird nicht nur Dienstboten,
Nein auch Fürstenhäusern entstammten
Damen oder Frauen von Beamten
Die Unschuld geraubt.

Jeder lässt was springen.
Viel ist los.
Und vor allen Dingen
Beine und Popos.

Wenn sich Masken noch einmal verhüllen
Mit Phantastik, Seide, Samt und Tüllen,
Zeigt sich sehr viel Fleisch und sehr viel Schoß.
Dass wir, eh' wir heimwärtsschwanken,
Unsern steifen Hut zerknüllen
Im Gedanken:
Hätten wir die Hälfte bloß!

Also brechen wir auf!
Ach nein, bleiben wir noch,
Bis an ein Loch.
Schließlich löst sich alles doch
In Papier auf.

Man vertrollt sich lärmlich,
Wendet sich erbärmlich,
Jedermann ein abgesetzter Held.

Draußen Sturm. Es hetzen
Über Dächer kalte Wolkenfetzen
Unterm Mond. Wir setzen
Uns ins Auto, fröstelnd vor dem letzten Geld.

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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/ringelnatz.php

Berta und ich gehn zum Maskenball

Gänse, die als Prinzessinnen sich weiden.
Schafsköpfe, die als Schafskopf sich verkleiden.
Türken, die eine Bettlerin
Mit »Frau Geheimrat« titulieren,
Cowboys mit Oberlehrermienen. – –
Nur die dabei verdienen und bedienen,
Erkennen solchen Unfugs Sinn.
Und beinah nur für diese Wenigen
Mischen wir andern uns auf buntem Teller
Zum außerordentlichen italienischen
Salat, als Stückchen dran und drin.

Berta, frisier dich etwas schneller!
Weil ich ein fertig angezogener Chinese bin.

Es braust ein Ruf wie Donnerhall, –
Berta, wir gehn zum Faschingsball,
Zu Karnevallerie Krawall,
Pot-Pickles, Mixed-Pourri und Drall.

Denn mancherlei im Leben – vielerlei! –,
Das man nicht sagt, lässt tanzen sich und grölen.
Und köstlich ist ein unverbindlich Küssen.

Maria Stuart, heute bist du frei.
Rasch! Gieße Flieder in die Achselhöhlen!
Nimm diese Mark für Trambahn und mal müssen.
Das Auto hin, das werde ich bezahlen.
Bin ich nicht nett??
Und geh heut nacht mit wem du willst in das Schafott.
Mach zu! Mein Hütchen – und mein Paletötchen. –
Steig ein! – Die Schlüssel? – Und die Schinkenbrötchen?
Töff töff rrrr –

*

Das Auto hält. Portier und Lichter strahlen.
Das Auto will ich, wie gesagt, bezahlen.
Doch, Berta Stuart, nun verlaß ich dich.
Zum Abenteuern muss man Freunde meiden.
Wie wir uns heute nur für andre kleiden,
Zuletzt erlebt ein jeder doch nur sich.

Du!: Morgen, überm Eimer denk an mich!

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Friedrich Rückert (1788-1866)

Weil ich nicht am Fastnachtdienstag...

Weil ich nicht am Fastnachtdienstag
Hatte mit zu schwärmen,
Hab' ich auch am Aschermittwoch
Mich nicht mit zu härmen.

Wie ich durft am Fastnachtdienstag
Mich im Stillen härmen,
Darf ich auch am Aschermittwoch
In der Stille schwärmen.

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August Wilhelm Schlegel (1767-1845)

Hirtenbrief an die Kölner

Das Carnaval kommt.
Wozu es euch frommt,
Ihr Tausendsasas?
Zum plattesten Spaß,
Zum Fressen und Saufen,
Nach Huren zu laufen. –
Ihr knickrigen Kerle!
Gebt Geld für den Dom:
Der ist ja Kölns Perle.
Sonst schreib' ich nach Rom,
Ich müsse hier streuen
Die Perlen den Säuen.

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Theodor Storm (1817-1888)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/theodor_storm.php

O wär im Februar...

O wär im Februar doch auch,
Wie's ander Orten ist der Brauch
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich misst,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.

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Ludwig Thoma (1867-1921)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/thoma.php

Karneval

Väter, hört mich, Mütter, hört die Mahnung,
Jetzt kommt wieder jene Zeit - versteht! -,
Wo so manche Tugend ohne Ahnung
Der Besitzerin abhanden geht.

Beutesuchend schleicht umher das Laster;
Wer ist sicher, dass ihm nichts geschieht,
Wenn man jetzt der Busen Alabaster
Und beim Hofball auch die Nabel sieht?

Von den Blicken kommt es zur Berührung,
Irgendwo zu einem Druck der Hand,
Und so manches Mittel der Verführung
Sei aus Scham hier lieber nicht genannt!

Wenn an hochgewölbte Männerbrüste
Sich das zarte Fleisch der Mädchen drängt,
Regen sich von selbst die bösen Lüste
Und was sonst damit zusammenhängt.

Darum Eltern, wenn die Geigen klingen
Und die Klarinette schrillend pfeift,
Hütet eure Tochter vor den Dingen,
Die sie hoffentlich noch nicht begreift!

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Ludwig Tieck (1773-1853)

Carneval

Freudiger und lichter
Wird mir mit jeder Wiederholung
Dieses bunte Getümmel.
Wohltuend, befreiend,
Wirkt so die Torheit
Froh und ungestört geübt,
Sie löset und lüftet
Des Missbehagens und Zürnens,
Der Bosheit, des Grolles
Tausendfältige verschlossene Ursachen.
Was Weisheit und Gesetz nicht vermag,
Die Religion selbst ohnmächtig bekämpft,
Beschwichtigt der Taumel des erdichteten Wahnsinns.

Und die schönen Larven
Hat Amor selbst erfunden,
Sie verstricken Aug' und Herz.
Die reizenden Gewänder, der freie Fuß,
Das schlanke volle Bein, der weiße Nacken
Und die verhüllten dunkeln Augen
Betören den Sinn.
Doch wieder ernüchtert
Erwacht die Seele vom Rausch,
Wenn am Abend
Die Schöne statt der Maske
Das eigne Antlitz zeigt,
Der Reiz erstirbt, und die Alltäglichkeit
Spricht aus den ermüdeten Gestalten.

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Kurt Tucholsky (1890-1935)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/kurt_tucholsky.php

Berliner Fasching

Nun spuckt sich der Berliner in die Hände
Und macht sich an das Werk der Fröhlichkeit.
Er schuftet sich von Anfang bis zum Ende
Durch diese Faschingszeit.

Da hört man plötzlich von den höchsten Stufen
der eleganten Weltgesellschaft längs
Der Spree und den kanälen lockend rufen:
"Rin in die Escarpins!"

Und diese Laune, diese Grazie, weißte,
die hat natürlich alle angesteckt;
die Hand, die tagshindurch Satin verschleißte,
winkt ganz leschehr nach Sekt.

Die Dame faschingt so auf ihre Weise:
Gibt man ihr einmal schon im Jahr Lizenz,
dann knutscht sie sich in streng geschlossnem Kreise,
fern jeder Konkurrenz.

Und auch der Mittelstand fühlts im Gemüte:
Er macht den Bockbierfaßhahn nicht mehr zu,
umspannt das Haupt mit einer bunten Tüte
und ruft froh: "Juhu!"

Ja, selbst der Weise schätzt nicht nur die hehre
Philosophie: auch er bedarf des Weins!
Leicht angefüllt geht er bei seine Claire,
Berlin radaut, er lächelt...
Jeder seins.

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Kurt Tucholsky (1890-1935)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/kurt_tucholsky.php

Kölner Karneval

In Köln, da stach ein buntbemützter Junge
in eine Dame, die er sich gekauft...
er stieß sie in die volle Brust, die Lunge, -
„roh“ meinen Sie? – Mein Gott, er war besauft! –

Nun ja, er hatte eben einen kleenen -!
Und außerdem, auf medizinischem Gebiet:
litt seine Mutter nicht an heftigen Migränen?
Und sowas rächt sich bis ins zweite Glied! –

So spricht ein Universitätsprofesser,
erblich belastet, siehste wohl?
Nur daher sticht der Korpsstudent mits Messer –
(auch reagiert er stark auf Alkohol)...

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unbekannt

Wir kennen den Vater...

Wir kennen den Vater,
wir kennen den Sohn,
´s sind alle zwei Narren
seit Lebzeiten schon.

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Wilhelm Waiblinger (1804-1830)

Carneval

Wie, du wunderst dich, Freund, wie so urplötzlich ein Volk sich
Wochenlang wie toll, närrisch und albern beträgt?
O mein Teurer, du irrest dich sehr, schilt keinen, der heut sich
Auf dem Corso herum wie ein Besessener treibt,
So erscheint mir am wahrsten der Mensch, dies Carneval steht ihm,
Aber das Schlimmere folgt, wenn er kein Mäskchen mehr hat.

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