Gag-Gedichte zum Geburtstag:
Geburtstagsgruß
~ Ich wünsch dir was
~ Zum Geburtstage, mit einem Hut
~ Geburtstagshasser-Blues
~ Da kommt mir eben so ein Freund...
~ So viel Dorn' ein Rosenstock...
~ Auf Mademoiselle R. R. Geburts-Tag
~ Mein erstes Geburtstagsgedicht
~ Jahres-Rückblick für [Name]
~ Der Morgen graut, wir sind die Letzten...
~ Einladung
~ Als du warst ein Kind...
~ Dir zum Geburtstag als Präsent...
~ Jubelfeier
Joachim Ringelnatz (1883-1934)
Geburtstagsgruß
Ach, wie schön, dass Du geboren bist!
Gratuliere uns, dass wir Dich haben,
dass wir Deines Herzens gute Gaben
oft genießen dürfen ohne List.
Deine Mängel, Deine Fehler sind
gegen das gewogen harmlos klein.
Heut nach vierzig Jahren wirst du sein:
immer noch ein Geburtstagskind.
Möchtest Du: nie lange traurig oder krank
sein. Und wenig Hässliches erfahren.-
Deinen Eltern sagen wir unseren
fröhlichen Dank dafür,
dass sie Dich gebaren.
Gott bewinke Dir
alle Deine Schritte;
ja, das wünschen wir,
Deine Freunde und darunter (bitte)
Dein...............
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Hans Retep (geb. 1956)
Ich wünsch dir was
Zum Geburtstag viel Glück
Vom Kuchen ein großes Stück
Geschenke nicht zu knapp
Mach’s gut, alter Sack
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Achim von Arnim (1781-1831)
Zum Geburtstage, mit einem Hut
Antoinette! Antoinette!
Aus dem Bette, aus dem Bette!
Hör' mein Singen, hör' mein Pfeifen,
Sieh die hellen lichten Streifen!
Auf, erwache! denn im Nacken sitzet
Dir ein Schelm, der Pfeile spitzet,
Und es ruft zu aller Ohren,
Dass du heute wardst geboren.
Antoinette! Antoinette!
Wenn ich hätte eine Kette,
Würde ich dein Zünglein legen
In die Kette, denn verwegen
Bist du in dem Wahrheitsagen!
Heut will ich dir Wahrheit sagen!
Klingen dir nicht schon die Ohren
Links und rechts? Es geh' dir nichts verloren!
Antoinette! Antoinette!
Ach ich wette, ach ich wette,
Dass du wirst den Trotz bereuen!
Denn der Schelm in deinem Nacken
Wird dich selber endlich zwacken,
Und du wirst vergebens dräuen,
Diesen Tag hat er sich recht erkoren,
Weil du heute wardst geboren.
Antoinette! Antoinette!
Sieh, ich rette, sieh, ich rette
Dich durch diesen Hut von Fortunaten,
Der dich unsichtbar kann machen.
Sei auf deiner Hut nicht stets zu lachen,
Hör' was Andre sagen, muss ich raten!
Manches kleidet dich vor Toren,
Denke, dass kein Jahr für dich verloren.
Antoinette! Antoinette!
Wie so nette, wie so nette
Könnt' ich dir was Schönes sagen!
Doch ich will dich mir verstecken
In dem Hut um dich zu necken,
Denn sonst würde ich's nicht wagen;
Furcht vor Augen oder Ohren, –
Schone meiner, weil du heut geboren!
(An Antoinette Schw., 1807.
)
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Hans Retep (geb. 1946)
Geburtstagshasser-Blues
Wenn du Geburtstage hasst
Wenn du Geburtstage hasst
Kannst du es trotzdem nicht ändern,
Dass du Geburtstag hast.
Drum wünsche ich dir viel Glück
Drum wünsche ich dir viel Glück
Du kannst dagegen nichts tun,
Dass ich dir wünsche Glück.
Denk einfach immer daran
Denk einfach immer daran
Demnächst ist's wieder ein andrer,
Der sich nicht wehren kann.
Demnächst ist's wieder ein andrer
Demnächst ist's wieder ein andrer
Demnächst ist's wieder ein andrer,
Der sich nicht wehren kann.
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Wilhelm Busch (1832-1908)
Da kommt mir eben so ein Freund...
Da kommt mir eben so ein Freund
Mit einem großen Zwicker.
Ei, ruft er, Freundchen, wie mir scheint,
Sie werden immer dicker.
Ja, ja, man weiß oft selbst nicht wie,
So kommt man in die Jahre;
Pardon, mein Schatz, hier haben Sie
Schon eins, zwei graue Haare! –
Hinaus, verdammter Kritikus,
Sonst schmeiß ich dich in Scherben.
Du Schlingel willst mir den Genuss
Der Gegenwart verderben!
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unbekannt
So viel Dorn' ein Rosenstock...
So viel Dorn' ein Rosenstock,
so viel Haar' ein Ziegenbock,
so viel Flöh' ein Pudelhund,
so viel Jahr' bleib du gesund!
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Celander (um 1700)
Auf Mademoiselle R. R. Geburts-Tag
Ganz unvergleichlichs Kind, du klein geratnes Schmutzgen,
Geschwänzter Wackel-A..., recht zartes Schniegelputzgen,
Der Wahrheit Missgeburt, der Lügen Siegellack,
Der Zierat krummer Zwerg, der Moden Schlumpersack,
Der Schönheit Pavian, galanter Jungfern Eule,
Der Wirtschaft Pudelhund, der Kunst papierne Säule,
Du Bär der Freundlichkeit, der Sanftmut Drachen-Kopf,
Der Faulheit Blasebalg, des Fleißes Pinkel-Topf,
Rakete meiner Lust, Nachtstühlgen meiner Schmerzen,
Des Hautzens Zug-Magnet, du saftges Ziel zum Herzen,
Du appetitliches und reines Gerber-Schwein,
Der Anmut Vomitiv, Clistier der Liebes-Pein,
Ambrierter Wiedehopf, du machst mich itzund rege,
Dass ich alsbald die Hand an meine Feder lege,
Die Verse fließen schon wie fetter Gassen-D...,
Es nimmt mir dieser Trieb den Schwall der Grillen weg.
Denn ich bin, glaub es mir, durch Mark und Bein entzücket,
Dass du dies heutge Fest in gutem Flor erblicket,
Weil es der Wunder-Tag, du netter Kielkroff, ist,
Da dich der Mutter Mund zu allererst geküsst.
Wohlan, ich wünsche dir der Männer Liebes-Blicke,
Ein Königsteiner Fass voll angenehmes Glücke,
Mehr Thaler, als man Stein auf allen Straßen findt,
Mehr Stücken Louis d'Or, als Flöh auf Hunden sind,
Mehr diamantnen Schmuck, als Musikanten pfeifen,
Mehr Lust, als immerdar die bösen Weiber keifen,
Mehr Wohlsein, als dein Maul geschwinde Lügen spricht,
So fehlet dir kein Gut, Ruh und Vergnügen nicht.
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Wersch (geb. 1964)
Mein erstes Geburtstagsgedicht
Zum Geburtstag ein Gedicht,
das sei nun für dich begonnen!
Solche Gabe gab’s noch nicht
von mir selbst, ich will nicht schonen
Hosenboden und Reimepflicht.
Will dir schöne Worte sagen,
schmuck, doch wahr! Zu unsrem Ruhm
solln sie schlanke Versfüß’ tragen,
die bestünden Dudens Zoom.
Und natürlich Glück dir wünschen.
Schön und nötig hier dies Wörtchen:
wünschen, doch was darauf reimen?
Zettelknüllen, mich fest dran leimen
hilft nicht - fort aufs stille Örtchen,
bis sich dort die Kacheln tünschen.
Nun ist’s schon geschehn: Die Reime
werden immer schlimmer, im Schleime
rutsch ich und was mach ich bloß?
Selbst im Kulli steckt ein Kloß!
Deshalb jetzt nur noch ein kurzer Spruch:
Trag’ Geburtstag und Gedicht wie ein Mann;
Alter und Lyrik sind nicht immer Fluch.
Doch reiche bitte gleich mir Glas und Tuch,
damit den Durst und Schweiß ich löschen kann.
Der tut arg aus meinen Drüsen schießen,
seit die coolen Musen mich verließen.
Hach, für dich und mich zum Glück ist Ende,
mit Wisch und Prost zu dir ich endlich wende!
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Hans Retep (geb. 1956)
Jahres-Rückblick für [Name]
Mein Freund, wie war dein letztes Jahr?
War’s gut, war’s schlecht? Ach ja,
im Winter legte dich die Grippe flach,
war an sich keine große Sach,
doch wurde dir vor Fieber flau –
und die ganze Zeit nichts im TV!
Im Frühling stiegst auf das Dach,
doch runter ging’s mit Ach und Krach.
Lang fühltest du dich wie die Sau -
und die ganze Zeit nichts im TV!
Im Sommer dann die Tour mit dem Rad,
wie kamst du überhaupt in den Draht?
Der Krankenschein war keine Schau -
und noch immer kam nichts im TV!
Ich wünsch dir, dass die nächsten Jahre besser werden,
pass auf und bleibe mit dem Fuß auf Erden!
Zwar weißt du nie, was die Zukunft bringt,
ob’s Schicksal nett oder böse winkt.
Nur eins, das weiß ich ganz genau:
Auch nächstes Jahr kommt nichts im TV!
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unbekannt
Der Morgen graut, wir sind die Letzten...
Der Morgen graut, wir sind die Letzten,
die immer noch ganz munter festen.
Dies lasst ins Gästebuch und schreiben,
und dann noch drei, vier Stunden bleiben.
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anonym
Einladung
Wir wünschen, lieber [Name], dir
zu deinem Jubelfeste
ein Fass vom besten Bier
und uns dabei als Gäste.
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Volksgut
Als du warst ein Kind...
Als du warst ein Kind wie ich,
mochtest du doch sicherlich
an Familienfeiertagen
auch nicht gern Gedichte sagen.
Drum erspar die Verse mir
und nimm einen Kuss dafür.
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Franz Grillparzer (1791-1872)
Dir zum Geburtstag als Präsent...
Dir zum Geburtstag als Präsent
Sag ich nun nicht mehr: "Sakrament!"
Auch: "Luder" will ich nicht mehr sagen;
Nicht Hund und nicht Verwandte schlagen,
Die Zunge fest im Maule tragen,
Will artig sein mit Füß und Händ:
Das ist der Tant Kathel Geburtstags-Präsent.
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Franz Grillparzer (1791-1872)
Jubelfeier
Der Mann bracht' es auf siebzig gar;
Das heißt: Von seinem siebenten Jahr
Hat all sein Wirken von Kind bis jetzt
Nur eine Null ihm zugesetzt.
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