Worüber sich die Lyriker den Kopf zerbrechen, nimmt nicht Wunder, denn es geht um unser aller Häupter. Und wenn man den Gedankengängen durch die hier gesammelten Verse, Epochen und Weltbilder folgt, bleibt hoffentlich mehr hängen denn 'Ich dichte, also bin ich' oder 'Ich schreibe, dass ich nichts schreibe'.
499 Gedichte von 157 Dichtern
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Christian Morgenstern (1871-1914)
Am Meer
Wie ist dir nun,
meine Seele?
Von allen Märkten
des Lebens fern,
darfst du nun ganz
dein selbst genießen.
Keine Frage
von Menschenlippen
fordert Antwort.
Keine Rede
noch Gegenrede
macht dich gemein.
Nur mit Himmel und Erde
hältst du
einsame Zwiesprach.
Und am liebsten
befreist du
dein stilles Glück,
dein stilles Weh
in wortlosen Liedern.
Wie ist dir nun,
meine Seele?
Von allen Märkten
des Lebens fern
darfst du nun ganz
dein selbst genießen.
