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anonym

Ich bin klein...

Ich bin klein, mein Wunsch ist klein:
Das Silberpaar soll glücklich sein.
Was wir heut mit Silber kränzen,
möge einst im Golde glänzen.

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Richard Dehmel (1863-1920)

Kranzgedicht

Fast scheu' ich mich, Euch diesen Kranz zu reichen,
der deutungsvoll sich um zwei Leben schlingt
so liebeheilig mir, dass tief im weichen
Gefühle ringend mir das Wort versinkt ...
Doch schön're Sprache, als sie je ertönte,
von jedem dieser lichten Blättchen blinkt;
von jedem Glück, das euern Weg verschönte,
von jeder Sorge spricht sie, jedem Leid,
mit denen Kraft und Liebe Euch versöhnte.
Erinnrung heißt die Sprache, und sie reiht
so seltsam ineinander Traum und Leben,
dass Augenblick und längst versunkne Zeit
zu reichsten Wirklichkeiten sich verweben.
Und so, aus dieses Kranzes Schimmerschein,
Gestalten seh' ich, Bilder sacht sich heben:
die Zweiglein schlank, die Blättchen zierlich fein
empor zu Stamm und Laubwerk vor mir schießen
in Eures Lebens Garten tret' ich ein, -
oh leuchtend Bild! ich muss die Augen schließen ...
Ich seh' euch wandeln. Frühlingsrein die Luft
der Hoffnung bunte Blumen um euch sprießen,
aus allen Kelchen quillt Ein Glanz, Ein Duft,
und vor euch liegt ein Pfad, den zu beschreiten
das Vöglein Glück euch lieblich lockend ruft ...
Schon wallt ihr ihn; und an des Weges Seiten
in langer Reihe seh' ich Paar an Paar
fruchtschwere Bäume ihre Zweige breiten,
als wollte Tag für Tag und Jahr um Jahr
der Sommer eures Wirkens mir sich künden.
Und dichter seh' ich, wie vor Sturmgefahr,
die starken Äste ihren Wuchs verbünden
zu einem schirmend festen Wetterdach,
um vor des Menschenlebens Weh und Sünden,
vor des Geschicks geschäftigem Ungemach
die jungen Pflanzen sorglich zu behüten,
die unter Lust und Wollust, Schmerz und Ach
aus Eurer Liebe keimten, sprossten, blühten ...
Und jetzt - in Nebel hüllt sich mir das Bild;
die langen Tage, die von Arbeit glühten,
verdämmern sanft; der Abend, köstlich mild,
zur Ruhe lädt, es schweigt der Sinne Drängen,
und jede heiße Sehnsucht scheint gestillt,
als ob in Eins Natur und Seele klängen.
Da schwebt zur Erde ein entfärbtes Blatt,
und halb schon sinkend auch die andern hängen:
der Herbst macht schüttelnd seine Lagerstatt.
Doch golden sehe ich den Herbst euch winken!
ob auch entlaubt die Äste: freundlich matt
von ihnen her die reifen Früchte blinken, -
und so wird Mühe Segen, Tat Genuss ...
Und einst: des Winters Flocken seh' ich sinken,
im Eise stockt des Lebens hurtiger Fluss,
die letzte Abendröte ist geschieden,
doch heilig rühret nun des Mondes Kuss,
und eine leise Sehnsucht nach dem Frieden
der Nacht ward schönstes, einziges Gefühl, -
dann werden treue Hände ohn' Ermüden
voll Ehrfurcht betten euch das weichste Pfühl,
dann werdet ihr in treuen Augen finden
das heimatlich geborgenste Asyl,
dann werden zärtlich treue Lippen zünden
das wärmste Feuer euch am stillen Herd,
aus treuer Herzen dankerfüllten Gründen
wird all die Liebe, die ihr einst beschert,
in neuer Milde leuchtend, auferstehen:
so leuchtender, da Ihr sie einst gelehrt ...
Doch wohin irrt mein Blick! noch sind zu sehen
die Bäume ja im farbigsten Gewand!
in blauer Höh', auf lauem Winde wehen
die letzten Sommerfäden durch das Land, -
wie Glücksgedanken weilen sie im Fluge
bald hier, bald dort an einer Blüte Rand
und schlingen, langhinflatternd, sich im Zuge
um Halm und Gräschen fest, um Busch und Baum, -
und wie ich ihnen nach ins Weite luge,
da zeigt aufs Neue mir mein Führer Traum
ein schimmernd Wunder: vor mir seh' ich ragen,
umsponnen rings vom zarten Silberflaum,
von Einem starken Stamm emporgetragen,
zwei hohe Wipfel, deren voll Geäst
unlösbar ineinander ganz geschlagen.
Und wie ich staunend nähertrete, lässt
der Silberbaum auf mich herniederregnen
viel Zweiglein zierlich, Blättchen feingepreßt,
als wollt' er mich mit seiner Fülle segnen.
Ich schaue auf; da - ist das Bild entrückt, -
von Duft und Licht ein wogendes Begegnen, -
doch an mein Herz halt' ich den Kranz gedrückt!
Sein Glanz kann mit dem Traume nicht verbleichen,
denn Liebe hat und Hoffnung ihn gepflückt
von Eurem Lebensbaum, dem segensreichen.

(Zur silbernen Hochzeit der Eltern)

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Franz Grillparzer (1791-1872)

Zur Feier der Silbernen Hochzeit

Was Irdischem gehört,
Wird durch die Zeit zerstört,
Was Edlem sich geweiht,
Verschönt, verklärt die Zeit.

So vor fünfundzwanzig Jahren
Standet ihr am Traualtar,
Und der Zukunft Tage waren
Euch und andern noch nicht klar.

Aber heut im Freundeskreise
Schaut ihr rück auf eure Reise,
Für das Ziel, das nicht mehr Schein,
Stehen Kind und Enkel ein.

Der Liebe Melodienschatz,
Er wechselt wie im Fluge,
Die Ehe bleibt im gleichen Satz,
Ihr wird die Zeit zur Fuge.

(den 6. Mai 1853)

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Franz Grillparzer (1791-1872)

Zur Silbernen Hochzeit

Silberne Hochzeit
Feiern wir heute,
Fröhliche Leute
Stehn wir im Kreis.

Hymen, er knüpft mit
Eisernen Banden,
Blumengirlanden
Windet er drum:

Doch seine Blumen,
Ach, sie vergehen,
Bande bestehen,
Eiserne Last.

Aber der Wechsel
Rollender Jahre
Bessert die Ware,
Adelt Metall:

Nach fünfundzwanzig
Nicht mehr von Eisen,
Silbern sich weisen
Ketten als Schmuck.

Gleich viel der Jahre
Lasset vergehen,
Dann sollt ihr sehen,
Sind sie von Gold.

Kind auch und Enkel,
Töchter und Söhne,
Winden als schöne
Blumen sich drum,

Und so am Ziele
Seht ihr im Bande
Blumengirlande,
Wie beim Beginn.

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Franz Grillparzer (1791-1872)

Gold und Silber

Goldmacher sind verrufen schier,
Wie wohl ein jeder weiß,
Doch bleiben zwei, die längst erprobt,
Die Ehe und der Fleiß.

Der Fleiß macht Gold; nicht jeder triffts,
Man plagt sich früh und spat
Und dankt zuletzt dem lieben Gott,
Wenn man sein Auskomm hat.

Die Ehe ist viel besser dran,
Sie braucht nicht Glück, nur Zeit,
Nach fünfundzwanzig Jahren ist
Sie silbern, so wie heut.

Noch fünfundzwanzig - ihr sollt sehn,
Ich lad euch freundlich ein,
So wird sie - wie jetzt silbern nur -
So wird sie golden sein.

Wer Lieb und Treu im Herzen trägt
Und wem sich Gleiches weiht,
Für den ist, wie der Weltsturm braust,
Noch heut die goldne Zeit.

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Franz Grillparzer (1791-1872)

Zur Silbernen Hochzeit

Schallender Jubel
Hebe das Herz!
Laut sei die Freude,
Stumm ist der Schmerz.

Als der Zeiten Unschuldsalter
Aus dem goldnen eisern ward,
Gab der Menschheit ihr Erhalter
Liebe mit auf ihre Fahrt;

Dass zu wandeln möglich bliebe
Ehrner Zeit, von neuem hold,
Silbern sich durch Gattenliebe,
Durch die Kindeslieb in Gold.

Und siehe, die beiden,
Sie, den wirs geweiht,
Von heute betreten
Sie silberne Zeit;
Es lächelt der Friede,
Es blühet das Glück,
Das silberne Alter,
Es kam schon zurück.

Und schon seh ichs glänzen -
Von Ferne erglänzen -
In Schimmer - wie Gold -!

Vater ob den Sternen,
Der du den Vätern hold,
Sohn des Erhabnen,
Der du den Kindern riefst;
Mutter der Gnaden,
Allen den Müttern gut;
Höret uns!
Höret uns!
Lasst uns den Vater,
Gönnt uns die Mutter,
Gönnt sie den Kindern.
Gleichviel an Jahren
Laßt sie noch erfahren
Und ihr erneut

Eltern und Kindern die goldene Zeit!

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Sabine Ludwigs (geb. 1964), www.sabine-ludwigs.de

Weggefährten

Du und Ich gehen einen Weg
Du kennst die Berge und Täler
Ich kenn' die Moore und Wälder
so führst Du über Berg und Tal
und Ich durch das Moor und den Wald
Du durch Schatten und Düsternis
Ich durch Nebel und trübe Sicht
Du durch ungestüme Tage
Ich durch die mondlosen Nächte
Am Ende blicken wir zurück
da leuchtet unser Weg im hellen Licht …

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Oskar von Redwitz (1823-1891)

Es muss was Wunderbares sein...

Es muss was Wunderbares sein
Ums Lieben zweier Seelen!
Sich schließen ganz einander ein,
Sich nie ein Wort verhehlen!

Und Freud und Leid, und Glück und Not
So miteinander tragen!
Vom ersten Kuss bis in den Tod
Sich nur von Liebe sagen!

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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/ringelnatz.php

Hermann und Ottilie zur Silbernen

Es ist doch so, als ob es war:
Man hätte einmal es versucht.
Und heute: Eure Ehe bucht
Euch silbern 25 Jahr.

Nun, wie ein scheuer Schmetterling,
Huscht die Erinnerung vorbei.
Wie es im Einzelnen verging,
Das ist das Wissen in Euch zwei.

Die Zwei, die wuchs und sich verwob
Zu einer Freundschaft frei und treu,
und täglich mehr und täglich neu
Ins Abgeklärte sich erhob.

Wenn Ihr aus allen Fenstern schaut,
seht Ihr, was Fleiß sich Stück für Stück
Erkämpft hat oder ausgebaut. –
Und Kinder teilen dieses Glück.

In gute Zeit, in frohe Zeit –
So wünschen wir – zieht lustreich hin!
Nachdenklich stille Dankbarkeit
Sei weiter Eure Führerin.

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Christian Graf zu Stolberg (1748-1821)

Am Tage meiner silbernen Hochzeit

Weib, lass was wir verlebten uns leben; bewahren die Namen,
Die wir uns gaben beim Fest unsers geweiheten Bunds;
Nimmer find’ uns ein kommender Tag mit den Zeiten verändert,
Dass nicht Du mir noch Braut, ich Dir noch Bräutigam sei!

(übersetzt aus dem Ausonius)

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unbekannt

Silberkranz

Gottes reicher Segen leite
euch auf eurer Wanderschaft,
fünfundzwanzig Jahr' wie heute
noch voll frischer Lebenskraft!

Herrlich mit dem Silberkranze
schmückt der schöne Tag euch heut,
heil, wenn euch in goldnem Glanze
einst ein schönerer erfreut!

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unbekannt

Verbunden nun seit 25 Jahren...

Verbunden nun seit 25 Jahren,
wie schnell verrinnt, wie rasch enteilt die Zeit!
Ihr habt so viel, so mancherlei erfahren,
so manches Herbe, doch auch große Freud.
Mög’ eure Zukunft stets sich froh gestalten
und euch der Himmel lang noch uns erhalten.

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