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Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)

Sehnsucht nach den Bergen

Auf den Gipfeln erhabener Berge
Dünken die Sorgen der Erde mir Zwerge,
Wenn sie im Tale als Riesen mir drohn.
Dort erheben die ernsten Gedanken
Sich über des Schicksals drückende Schranken,
Mutig dem Dunstkreis der Tiefe entflohn.

O Ihr geliebten, Ihr herrlichen Höhen,
Werd' ich im Schmerz des Verlangens vergehen,
Ehe mein Auge Euch wieder begrüßt? –
Wenn ich auf öder und formloser Heide
Einsam die Qualen der Sehnsucht erleide,
Wird es mir nimmer durch Hoffnung versüßt?

Möchte auf Bergen, näher den Sternen,
Näher des Mondes ewigen Fernen,
Nahe dem prächtigen Himmelsgezelt,
Einst mir erscheinen die lächelnde Hore,
Die mir eröffnet die goldenen Tore
Einer zweiten, besseren Welt.

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Max Dauthendey (1867-1918)

Der Berg Kawi

Dort im östlichen Abendschein, der pfaublau,
Liegt ein gewaltiger Berg, genannt die »liegende Frau«.
Die Frau ruht ausgestreckt, den Kopf seitlich gewandt.
Wenn die Himmelsgrenze abends braunrot verbrennt,
Sagt mein Blut, dass es die »liegende Frau« erkennt,
Die Wangenrundung, die volle Hüfte und Brust,
Die Sehnsucht zeichnet mir dann deutlich der Sehnsucht Lust.

Es ist kein toter Berg, es ist mein atmend Weib,
Dort liegt es und wartet mit ergebenem Leib.
Die in der Sehnsucht warten, wachsen zu Riesen.
Ach, meine Schultern längst an die Sterne stießen.

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Richard Dehmel (1863-1920)

Ein Bergführer

Ich kann ein Bergsteiger werden,
der die andern alle führt.
Pfade, wo nie ein Schritt erklang:
wer hat sie aufgespürt?
Das tat meine Herzenslust!

Die treibt mich hin zu den Gipfeln,
über Schnee, durch Wetterschlag,
am Sturzbach hin, am Gletscherrand,
hinauf! Nun klettert nach,
ihr andern Wagehälse!

Mir nach mit glühendem Herzen,
hinauf ins freie Eis!
Wer stürzt, den schmückt im Paradies
die Blume Edelweiß!
Kommt! jauchzend grüß ich euch.

Aber am liebsten steh ich
hoch oben ganz allein,
mitten im stillen Himmelskreis,
und höre die Adler schrein:
grüß Gott, du kleiner Held!

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Ludwig Eichrodt (1827-1892)

Auf die Berge!

Auf die Berge möcht ich wieder,
Auf die sonnenfrohen Höhen,
Wo die schönen Lüfte wehen,
Aus der Stube, aus der Stadt!
Ha, die Brust, voll neuer Lieder,
Steig ich nieder in die Tale,
Sitze wonnig müd zum Mahle,
Das so viel der Freuden hat.

Schau dem Freund ins kühne Auge,
Lache mit dem blauen Himmel,
Mit dem ungetrübten Himmel,
Mit der ganzen heitern Welt.
Fühle wieder, was ich tauge,
So zur Freude so zum Streite,
Noch zuvor des Unmuts Beute,
Weiß ich heute mich ein Held.

War die Mühe doch vergebens
All der zähen Plagegeister!
Zeig ich ihnen jetzt den Meister
Wohl zum Spott und zum Verdruss!
Freue mich so recht des Lebens,
Allem Guten, Freien, Schönen
Will ich glühen, will ich frönen,
Mich erfüllt ein Genius.

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Leopold Friedrich Günther von Goeckingk (1748-1828)

Auf dem Stubenberge bei Gernrode

Seht nur umher die Gegend an,
Wie schön ist sie, wie schön!
O! wer das nicht empfinden kann,
Mag immer wieder gehn.
Er wäre doch für uns kein Mann,
Und würd' uns nicht verstehn.
Sei fröhlich, oder sei betrübt,
Komm spät hieher, komm früh:
Wenn sonst dein Auge Schönheit liebt,
So heb' es auf, und sieh!
Das Vorrecht, zu erfreun, vergibt
Sich diese Höhe nie.
Die reinste Freud' auf dieser Welt
Gewährt uns die Natur.
Dem Herzen, welchem sie gefällt,
Vertraun wir ohne Schwur.
Doch wer sich heuchelnd nur so stellt,
Der mache Fürsten Cour.
Kann Liebe jemals ohne Pein,
Kann Freundschaft ohne Schmerz,
Kann Reichtum ohne Sorge sein,
Ohn' Angst ein Mutterherz?
Ach! Hefen führt der beste Wein,
Und Gift das reinste Erz.
Doch sehen wir noch tausendmal
Die Sonn' hier untergehn,
So sagen wir zum letzten Strahl':
Leb' wohl, auf Wiedersehn!
Und können ohne Reu' und Qual
Wie sie zur Ruhe gehn.

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Georg Herwegh (1817-1875)

Ich stand auf einem Berg...

Ich stand auf einem Berg, da hört' ich singen
Zur Linken plötzlich ernste, trübe Lieder;
Ein Opfer war es für die Erde wieder,
Ich kannte wohl der Glocke dumpfes Klingen.

Zur Rechten sah ich einen Säugling bringen;
Wie eines Schmetterlinges bunt Gefieder,
Viel lust'ge Bänder wehten auf und nieder,
Ein Glöckchen wollt' vor Freude schier zerspringen.

Die Andacht wagt' kein Wesen rings zu stören:
Die Herden hielten still auf ihren Weiden,
Wie fromme Beter flüsterten die Föhren.

Als ob die Glocken sich umarmt, die beiden,
Konnt' ich bald einen süßen Klang nur hören
Und Tod und Leben nicht mehr unterscheiden.

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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Die Bergfahrt

Wir haben es beschlossen –
Drum mutig, unverdrossen!
»Zur Bergfahrt« soll die Losung sein!
Nun schließt euch an und stimmt mit ein!

Wie herrlich, Kameraden,
In Alpenluft zu baden!
Wie wird so weit die enge Brust,
Die weite Welt so voll von Lust!

Auf hoher Flur zu liegen,
Den trunknen Blick zu wiegen
In diesem Meer von Herrlichkeit,
O welche Lust und Seligkeit.

Ihr Röslein zum Entzücken,
Ihr Röslein, lasst euch pflücken!
Ihr sollt als schönster Blumenstrauß
Begleiten uns ins Tal nach Haus.

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Li Bo (701-762)

Die Beständigen

Alle Wolken gingen
Über See.
Und die Vögel schwingen
Wie Gelächter über fernem Land.
Nur King-
Ting,
Der spitze Berg,
Und der Zwerg
Li-tai-pe
Sind beständig, stehen, ragen unverwandt. -

(der Dichter ist auch als Li Po oder Li-tai-peh bekannt; aus dem Chinesischen von Klabund)

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Hermann von Lingg (1820-1905)

Abend auf den Bergen

Fern hinunter in die Flut
Taucht das Licht, sich nochmals wendend
Zu den Bergen, eine Glut
Ihren Alpenblumen sendend.

Da schon Dunkel liegt im Tal,
Flattern hier noch Schmetterlinge,
Und der Sonne letzter Strahl
Leuchtet hell auf ihrer Schwinge.

Horch, vom Wald ein Amselschlag!
Wie so seltsam und verklungen
Hallt es in den hohen Tag
Aus den tiefen Dämmerungen.

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Hermann von Lingg (1820-1905)

Bergode

Stille Nacht herrscht feierlich ernst ringsum noch,
Nur der Waldbach braust im Geklüft hin schäumend,
Nur der Frühwind weht und verheißt des Morgens
Grauende Dämmrung.

Tief im Grund ruhn schattige Täler, dunkler
Ragt der Tannwald, über den Wipfeln funkelt
Noch ein Stern. Du bist es, der Stern der Liebe,
Strahlende Venus!

Stern des Morgens! wie von den Höh'n dein Lichtglanz
Durch die Dämmrung blinkt und im Frührot zittert,
Zart und hell, wie perlender Tau vom Kelchgrund
Blühender Rosen.

O wohl magst du lieblich erglänzen, taureich!
Von zu früh Verblichener stillem Grabkreuz
Küsst dein Lächeln weg an den Kränzen laut're
Tränen der Wehmut.

Und im Himmel bist du der Saiten eine,
Die, von Engelsharfen erklungen, jubelnd
Durch das Weltall tönen im ewig neuen
Liede der Schöpfung. –

Auf jetzt! Glührot leuchtet der Gletscher Haupt schon,
Sonne! Dein Titanengeschlecht begrüßt dich,
Deiner Urzeit Kinder. Zu euch jetzt, taghell
Flammende Gipfel!

Über Gras und Blümchen, im Taulicht zitternd,
Klimmt des Wandrers Schritt, und im Moos darunter
Schlüpfen hastig Spinnen und emsig summen
Bienen im Goldklee.

Rückwärts sinkt in Nebel zurück die Talschlucht,
Vor dem sehnsuchttrunkenen Blick erschließt sich
Bis zum Seegelände hinab die ganze
Liebliche Fernsicht.

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Hermann Löns (1866-1914)

Bergwaldwildnis

Was frag ich nach den Menschen
Und nach der lauten Stadt,
Wenn mich die Bergwaldwildnis,
Die weiße Stille hat.

Die Buchenstämme stehen
So schwarz im weißen Schnee,
Seinen Schlafbaum sucht der Bussard,
Zu Felde zieht das Reh.

Der Fuchs bellt unten im Grunde,
Die Eule gibt keine Ruh,
Der Abendwind rührt an den Zweigen,
Der Schnee fällt immerzu.

Im Tale funkeln die Lichter,
Was kümmert mich ihr Schein,
Ich stehe oben am Hange
Und bleibe für mich allein.

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Wilhelm Müller (1794-1827)

Der Berghirt

Wenn auf dem höchsten Fels ich steh',
In's tiefe Tal hernieder seh'
Und singe,

Fern aus dem tiefen dunkeln Tal
Schwingt sich empor der Wiederhall
Der Klüfte.

Je weiter meine Stimme dringt,
Je heller sie mir wiederklingt
Von unten.

Mein Liebchen wohnt so fern von mir,
Drum sehn' ich mich so heiß nach ihr
Hinüber!

Viel steile Berge vor mir stehn,
Die Flüsse schäumend sich ergehn
Im Tale.

Der Aar sich in die Wolken schwingt,
Die Gämse durch die Klüfte springt
Hinüber!

Die Wolken ruhen auf der Höh',
Und durch die Nebel glänzt der Schnee
Der Gipfel.

Je stolzer mir mein Mädchen tut,
Je höher steigt empor mein Mut
In Liebe.

Ein Glöckchen klingt im stillen Tal,
Die Essen rauchen überall
Im Dorfe.

Ach, Mädchen, Mädchen, nimm mich bald!
Es ist so öd', es ist so kalt
Hier oben.

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Wilhelm Müller (1794-1827)

Der Gießbach bei Seeberg

Alle Felsen will er zerbrechen,
Und er zerbricht und zerschäumet nur sich.
Von Klippe zu Klippe
Springt er mit Brausen,
Spritzend und sprudelnd,
Als hätt' er Meere
So zu vergeuden.

Und unten im Tale,
Wo ist er geblieben?
Im Sande schleicht er
Matt und verschmachtend,
Und die Berge
Stehn und schauen
Stolz und höhnend
Auf ihn nieder.

Oder meinen sie dich,
Erdensöhnchen,
Das wie der Gießbach
Stürmet und stürzet und brauset durch's Leben?

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Clara Müller-Jahnke (1816-1905)

Bergwanderung

Wieder blüht das Heidekraut
auf den spinnwebgrauen Wegen;
über glatten Föhrenboden
gleiten lautlos unsre Schritte
unserm Wanderziel entgegen:
droben, wo der Bergwald blaut.

Einmal schon zur Frühherbstzeit
bin ich diesen Weg gegangen,
Höhensehnsucht in der Seele,
blühnde Heide mir zu Füßen,
fliegend Rot auf Stirn und Wangen
und das Ziel noch meilenweit.

Droben, wo der Bergwald blaut,
saß die Fee auf felsgen Zinnen;
ihre weißen Hände winkten,
ihre seidnen Schleier flogen
wie ein zart Geweb der Spinnen
über Stein und Heidekraut.

Einmal schon zur Frühherbstzeit
ging ich fehl im Märchenwalde.
Sturmwind bog die Tannenwipfel.
Fahl verschwammen alle Gipfel,
und der Schnee fiel auf die Halde –
du, wie liegt der Tag so weit!

Nimm den Strauß von Erika –
hörst du fern die Häher rufen?
Vor der Bergwelt Heimlichkeiten
sind die Schleier all zerrissen –
über grauen Felsenstufen
sehn wir schon den Gipfel nah!

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Martin Opitz (1597-1632)

An einen Berg

Du grüner Berg, der du mit zweien Spitzen
Parnasso gleichst, du hoher Fels, bei dir
Wünsch' ich in Ruh zu bleiben für und für
Und deine Lust ganz einsam zu besitzen,

Weil du mir auch für aller Welt kannst nützen;
Dann wann ich bin auf deinem Klippen hier,
So seh' ich stets derjenen Ort für mir,
Die für dem Tod alleine mich kann schützen,

Mein' höchste Freud' und meines Lebens Leben;
So weiß ich auch, dass man sonst nirgend findt
Mit solcher Zier ein einzig Ort umgeben;

Natura hat die Lust allher gesetzet,
Dass, die auf dich mit Müh gestiegen sind,
Hinwiederum auch würden recht ergetzet.

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