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Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

Des Knaben Segen

Wir haben den Knaben ins Gras gelegt.
Wie der Schelm sich lustig bewegt!
Wie er strebet mit Händen und Füßen!
Will mit Gewalt hinein in den süßen
Taumel, der um ihn summt und schwirrt!
Wie ihm das Auge lebendig wird!
Lässt es in der Entzückung schweifen
In des Lichts unermesslichem Blau,
Möchte alles so gern genau
Mit den Fingern und Augen greifen,
Möchte in das fröhliche Leben
Hinein mit Schwalben und Bienen schweben,
Möchte sich stürzen nimmersatt
In der Welten unendliches Bad!

Kleiner Unschuldiger, halte still!
Dein Geschlecht kann nicht, was es will.
Ach! wie schimmert dir, süßer Knabe,
In dem Blick die gefährliche Gabe,
Alles zu fassen mit inniger Lust,
Alles zu ziehen in die Brust!
Wirst den unendlichen Durst nicht stillen,
Wirst die unendliche Brust nicht füllen.

Spiele denn die fröhliche Zeit,
Ehe der Lenz mit den Blumen verschneit,
Ehe die süße Nachtigall schweigt
Und der Sommer mit Wettern zeucht.
O wie wird's dann dem Busen enge!
Wie ist auf dem Wege so heiß das Gedränge!
Ein stetes Fluchen und Stoßen und Treiben -
Kannst nicht fliehen und kannst nicht bleiben,
Darfst nicht lieben und sollst nicht hassen -
Wo soll das geängstete Herz sich lassen?
Flehend suchet das Aug' umher,
Wie der Wehrlose nach dem Speer,
Sehnst dich hinaus aus dem wilden Getümmel
Unter der Kindheit freundlichen Himmel
Zu dem Steckenpferde, zum Ball,
Wünschest, daß in der stillen Erde,
Ferne von Sonne und Vogelschall,
Dir die Ruhe gegraben werde.

Wir haben den Knaben gesetzt auf die Bühne,
Worauf er künftig spielen soll.
Es gehe dem Unschuldigen wohl!
Wir vertrauen ihn dir, Erde du grüne,
Dir, leuchtender Himmel, liebevoll.
Wollet ihm kindlich das Herz bewahren
In der Verschuldung bösen Jahren!
Wollet ihn machen liebereich!
So bleibt das Herz ihm fromm und weich.
Großes Schicksal, das mächtig waltet
Und das Leben verborgen gestaltet,
Nimm die lächelnde Unschuld hin!
Gesund ist sein Leib, gesund sein Sinn,
Ist in süßer Liebe geboren -
Lass ihn freundlich führen die Horen!

Wir haben zu den Göttern gebetet,
Drum leise um das Kindlein tretet.
Es ist von Himmel und Erde gesegnet,
Vom Schicksal, das uns still begegnet.
Drum weicher, als des Kranken Kissen,
Sei um die Kindheit das Gewissen!
Sie gleichet wohl dem süßen Mai,
Liebt süße Gesänge und kein Geschrei,
Mag still schauend in Blumen liegen
Und lässt sich spielend in Schlummer wiegen.

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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Wer ist Schuld daran?

Als unser Mops ein Möpschen war,
Da konnt' er freundlich sein;
Jetzt brummt er alle Tage,
Und bellt noch obendrein.
Heidu heidu heidallala
Und bellt noch obendrein.

Du bist ein recht verzogen Tier!
Sonst nahmst du, was ich bot,
Jetzt willst du Leckerbissen
Und magst kein trocken Brot.

Zum Knaben sprach der Mops darauf:
»Wie töricht sprichst du doch!
Hätt'st du mich anders gezogen,
Wär' ich ein Möpschen noch.«

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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Wie mein Kind sich freuen kann!

Wie mein Kind sich freuen kann!
Sieht es nur ein Licht,
Sieht es nur ein Blümchen an,
Lächelt sein Gesicht.

Welche Freude wird es sein,
Wenn’s im Frühlingsfeld
Laufen kann im Sonnenschein
Durch die Blumenwelt!

Wie’s die Händchen dann erhebt
Nach dem Schmetterling!
Wie’s nach allem hascht und strebt!
Nichts ist ihm gering.

Und das Hälmchen in dem Ried
Und das Blatt am Strauch,
Alles, alles, was es sieht,
Alles freut es auch.

Und wie wird die Freude sein
In der Sommernacht,
Wenn der Mond mit güldnem Schein
Ihm entgegenlacht!

Freue dich, mein liebes Kind!
Wer sich freuen kann,
Ist, sobald er nur beginnt,
Schon ein bess’rer Mann!

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Paul Keller (1873-1932)

Neujahr

Wenn die Tage des Jahres zu Ende sind,
Dann trägt die heilige Mutter ihr Kind
Hin zu der Menschen Hütten,
Dass allen, die litten und stritten,
Mit dem neuen Jahr und der neuen Zeit
Sei eine alte Gnade geweiht.
Eine Gnad’ die auf der Weisheit ruht:
Ein Kind ist glücklich, und Gott ist gut!
Und wer das hört in der Neujahrsnacht
Und im Herzen erwägt und mit gutem Bedacht,
der kann ja fürder nicht irre gehn;
Und seine Augen nach Glück aussehn.

Bleibe im Herzen den Kindern gleich,
Denn ihrer ist das Himmelreich,
Nicht nur der Himmel im Sternenzelt,
Nein, auch der Himmel auf dieser Welt,
In dem die süßesten Früchte stehn
Und die Ströme des Paradieses gehn.
Doch die nach anderem Glücke zogen,
Sind alle betrogen.
Ein Kind ist glücklich und Gott ist gut;
Wenn´s einer nur recht begreifen tut,
Der ist der Weiseste, den es gab,
Der lacht sich durchs Leben bis ans Grab.

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Nikolaus Lenau (1802-1850)

Stimme des Kindes

Ein schlafend Kind! o still! in diesen Zügen
Könnt ihr das Paradies zurückbeschwören;
Es lächelt süß, als lauscht es Engelchören,
Den Mund umsäuselt himmlisches Vergnügen.

O schweige, Welt, mit deinen lauten Lügen,
Die Wahrheit dieses Traumes nicht zu stören!
Lass mich das Kind im Traume sprechen hören
Und mich, vergessend, in die Unschuld fügen!

Das Kind, nicht ahnend mein bewegtes Lauschen,
Mit dunklen Leuten hat mein Herz gesegnet,
Mehr als im stillen Wald des Baumes Rauschen;

Ein tiefres Heimweh hat mich überfallen,
Als wenn es auf die stille Heide regnet,
Wenn im Gebirg die fernen Glocken hallen.

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Rudolf Presber (1867-1935)

Erinnerung

Der Abend kam. Die Schatten fielen.
Rings an den Fenstern ward es hell.
Die Kleine, müd' von Lauf und Spielen,
Lag mir am Fuß im Bärenfell.

Die nackten Beinchen hochgezogen,
Hielt sie in kleiner Hand den Stift
Und füllte meinen schönsten Bogen
Mit Häkchen einer Runenschrift.

Rings war's so still, wie zum Gebete;
Der ems'ge Stift nur raschelt leis...
Es schrieb kein Dichter und Prophete
Sein Weisheitsbuch mit größrem Fleiß!

Da plötzlich schmeichelnd mit den lieben
Äuglein mein Kindchen zu mir schlich:
"Weißt du, Papa, was ich geschrieben?" -
"Ein Briefchen?" - "Ja." - "An wen?" -
"An dich!"

"Goldkind, an mich? Was steht darinnen?
Der Abend macht die Augen trüb..."
Und sie nach lächelndem Besinnen:
"Dass ich dich lieb hab', furchtbar lieb!"

Es floss ein letzter Sonnenschimmer
Ums Köpfchen ihr mit goldnem Hauch -
"Das schreibst du mir im selben Zimmer?
Sag's mir doch laut, dann weiß ich's auch."

Da sah mich an das kleine Wesen
Und reicht das Blatt mir lächelnd hin:
"Behalt's, Papa, dann kannst du's lesen,
Wenn ich mal nicht im Zimmer bin..."

... O bittres Wort aus lieben Zeiten,
Das du der Sehnsucht Flügel leihst!
Es schlug die Stunde längst zum Scheiden,
Und dieses Zimmer ist verwaist.

Und dieses Herz, die Sorgen machen's
Oft müd' und schwer auf banger Fahrt;
Und kaum ein Echo deines Lachens
Hat sich sein Kämmerchen bewahrt.

Von deinem Jauchzen, deinem Lieben,
Von all dem, was sich nie vergisst,
Ist nur ein Blatt zurückgeblieben,
Das wirr und kraus bekritzelt ist...

Und in der Stille heil'ger Stunden
Ruht lang mein Blick auf dem Papier;
Dann brechen auf die alten Wunden,
Und meine Seele weint nach dir.

Dann will ein heißer Duft mich streifen
Aus meines toten Frühlings Gruft,
Und zitternd meine Hände greifen
In leere Luft.

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Rainer Maria Rilke (1875-1926)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/rilke.php

Kindheit

Da rinnt der Schule lange Angst und Zeit
mit Warten hin, mit lauter dumpfen Dingen.
O Einsamkeit, o schweres Zeitverbringen...
Und dann hinaus: die Straßen sprühn und klingen
und auf den Plätzen die Fontänen springen
und in den Gärten wird die Welt so weit –.
Und durch das alles gehn im kleinen Kleid,
ganz anders als die andern gehn und gingen –:
O wunderliche Zeit, o Zeitverbringen,
o Einsamkeit.

Und in das alles fern hinauszuschauen:
Männer und Frauen; Männer, Männer, Frauen
und Kinder, welche anders sind und bunt;
und da ein Haus und dann und wann ein Hund
und Schrecken lautlos wechselnd mit Vertrauen –:
O Trauer ohne Sinn, o Traum, o Grauen,
o Tiefe ohne Grund.

Und so zu spielen: Ball und Ring und Reifen
in einem Garten, welcher sanft verblasst,
und manchmal die Erwachsenen zu streifen,
blind und verwildert in des Haschens Hast,
aber am Abend still, mit kleinen steifen
Schritten nachhaus zu gehn, fest angefasst –:
O immer mehr entweichendes Begreifen,
o Angst, o Last.

Und stundenlang am großen grauen Teiche
mit einem kleinen Segelschiff zu knien;
es zu vergessen, weil noch andre, gleiche
und schönere Segel durch die Ringe ziehn,
und denken müssen an das kleine bleiche
Gesicht, das sinkend aus dem Teiche schien –:
O Kindheit, o entgleitende Vergleiche.
Wohin? Wohin?

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Rainer Maria Rilke (1875-1926)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/rilke.php

Der Knabe

Ich möchte einer werden so wie die,
die durch die Nacht mit wilden Pferden fahren,
mit Fackeln, die gleich aufgegangnen Haaren
in ihres Jagens großem Winde wehn.
Vorn möcht ich stehen wie in einem Kahne,
groß und wie eine Fahne aufgerollt.
Dunkel, aber mit einem Helm von Gold,
der unruhig glänzt. Und hinter mir gereiht
zehn Männer aus derselben Dunkelheit
mit Helmen, die, wie meiner, unstät sind,
bald klar wie Glas, bald dunkel, alt und blind.
Und einer steht bei mir und bläst uns Raum
mit der Trompete, welche blitzt und schreit,
und bläst uns eine schwarze Einsamkeit,
durch die wir rasen wie ein rascher Traum:
Die Häuser fallen hinter uns ins Knie,
die Gassen biegen sich uns schief entgegen,
die Plätze weichen aus: wir fassen sie,
und unsre Rosse rauschen wie ein Regen.

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Rainer Maria Rilke (1875-1926)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/rilke.php

Wenn ich einmal im Lebensland...

Wenn ich einmal im Lebensland,
im Gelärme von Markt und Messe -
meiner Kindheit erblühte Blässe:
meinen ernsten Engel vergesse -
seine Güte und sein Gewand,
die betenden Hände, die segnende Hand, -
in meinen heimlichsten Träumen behalten
werde ich immer das Flügelfalten,
das wie eine weiße Zypresse
hinter ihm stand...

(Aus: Engellieder.)

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Rainer Maria Rilke (1875-1926)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/rilke.php

Kindheit

Es wäre gut viel nachzudenken, um
von so Verlornem etwas auszusagen,
von jenen langen Kindheit-Nachmittagen,
die so nie wiederkamen – und warum?

Noch mahnt es uns –: vielleicht in einem Regnen,
aber wir wissen nicht mehr was das soll;
nie wieder war das Leben von Begegnen,
von Wiedersehn und Weitergehn so voll

wie damals, da uns nichts geschah als nur
was einem Ding geschieht und einem Tiere:
da lebten wir, wie Menschliches, das Ihre
und wurden bis zum Rande voll Figur.

Und wurden so vereinsamt wie ein Hirt
und so mit großen Fernen überladen
und wie von weit berufen und berührt
und langsam wie ein langer neuer Faden
in jene Bilder-Folgen eingeführt,
in welchen nun zu dauern uns verwirrt.

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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/ringelnatz.php

Die sonnige Kinderstraße

Meine frühe Kindheit hat
Auf sonniger Straße getollt;
Hat nur ein Steinchen, ein Blatt
Zum Glücklichsein gewollt.

Jahre verschwelgten. Ich suche matt
Jene sonnige Straße heut,
Wieder zu lernen, wie man am Blatt,
Wie man am Steinchen sich freut.

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