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Achim von Arnim (1781-1831)

Mir ist zu licht zum Schlafen

Mir ist zu licht zum Schlafen,
Der Tag bricht in die Nacht,
Die Seele ruht im Hafen,
Ich bin so froh verwacht!

Ich hauchte meine Seele
Im ersten Kusse aus,
Was ist's, dass ich mich quäle,
Ob sie auch fand ein Haus!

Sie hat es wohl gefunden,
Auf ihren Lippen schön,
O welche sel'ge Stunden,
Wie ist mir so geschehn!

Was soll ich nun noch sehen,
Ach alles ist in ihr,
Was fühlen, was erflehen,
Es ward ja alles mir!

Ich habe was zu sinnen,
Ich hab', was mich beglückt;
In allen meinen Sinnen
Bin ich von ihr entzückt.

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Celander (um 1700)

Als er ihre Brüste küsste

Blondine deiner Brüste Kuss
Hegt mehr von süßen Überfluss
Als tausend Zucker-Fladen
Und teure Marmeladen
Mehr Süßigkeit quillt aus dem Schnee
Der Brüste, als aus Hyblens Klee,
Die Feige wird zur Schleen
Kein Honig kann bestehen,
Dass nicht zu Gall und Wermut wird
Wenn es der Brust wird beigeführt.
Der Wein wird schlechte Pfütze
Das Manna Haber-Grütze,
Dem Ambrosin und Nektar-Saft
Benimmt dein Busen alle Kraft
Dein unbefleckte Brüste
Die Zinsen Himmels-Lüste.

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Adelbert von Chamisso (1781-1838)

Küssen will ich, ich will küssen

Freund, noch einen Kuss mir gib,
Einen Kuss von deinem Munde,
Ach! ich habe dich so lieb!
Freund, noch einen Kuss mir gib.
Werden möcht ich sonst zum Dieb,
Wärst du karg in dieser Stunde;
Freund, noch einen Kuss mir gib,
Einen Kuss von deinem Munde.

Küssen ist ein süßes Spiel,
Meinst du nicht, mein süßes Leben?
Nimmer ward es noch zu viel,
Küssen ist ein süßes Spiel.
Küsse, sonder Zahl und Ziel,
Geben, nehmen, wiedergeben,
Küssen ist ein süßes Spiel,
Meinst du nicht, mein süßes Leben?

Gibst du einen Kuss mir nur,
Tausend geb ich dir für einen.
Ach wie schnelle läuft die Uhr,
Gibst du einen Kuss mir nur.
Ich verlange keinen Schwur,
Wenn es treu die Lippen meinen,
Gibst du einen Kuss mir nur,
Tausend geb ich dir für einen.

Flüchtig, eilig wie der Wind,
Ist die Zeit, wann wir uns küssen.
Stunden, wo wir selig sind,
Flüchtig, eilig wie der Wind!
Scheiden schon, ach so geschwind!
Oh, wie werd ich weinen müssen!
Flüchtig, eilig wie der Wind,
Ist die Zeit, wann wir uns küssen.

Muss es denn geschieden sein,
Noch nur einen Kuss zum Scheiden!
Scheiden, meiden, welche Pein!
Muss es denn geschieden sein?
Lebe wohl, und denke mein,
Mein in Freuden und in Leiden,
Muss es denn geschieden sein,
Noch nur einen Kuss zum Scheiden!

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Matthias Claudius (1740-1815)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/matthias_claudius.php

Fritze an Franz

Ich habe Lenchen heut geküsst,
Mama hat’s nicht gesehn;
Denn, lieber Franz, wenn die da ist,
Darf so was nicht geschehn.

Sie sagt, ich bleib vom Küssen tot,
Ich glaub’ es aber nicht;
Wie wär denn Lenchens Mund so rot?
So freudlich ihr Gesicht?

Drum lief ich schnell hzu Lenchen hin
Und küsste ihren Mund;
Das schmeckte gut, Franz! - und ich bin
Bis dato noch gesund

Und werd’ es sicher wieder tun,
Sobald es möglich ist.
Und sterb ich denn davon - je nun!
So hab ich doch geküsst.

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Max Dauthendey (1867-1918)

Immer neue Küsse gib

Küss mich auf den Mund, mein Lieb,
Immer neue Küsse gib.
Welkt am Weinstock Blatt um Blatt,
Man den Most im Keller hat.

Ach, das Leben ist versüßt
Dem, der sich durchs Leben küsst.
Wer verkennt des Jahres Zweck,
Dem nur schenkt der Herbst den Dreck.

Liebste, drück mir auf den Mund
Küsse wie die Blätter bunt,
Küsse wie der junge Most,
Und berauscht leb' ich getrost.

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Paul Fleming (1609-1640)

Wie er wolle geküsset sein

Nirgends hin als auf den Mund:
da sinkts in des Herzen Grund;
nicht zu frei, nicht zu gezwungen,
nicht mit gar zu fauler Zungen.

Nicht zu wenig, nicht zu viel:
beides wird sonst Kinderspiel.
Nicht zu laut und nicht zu leise:
bei der Maß' ist rechte Weise.

Nicht zu nahe, nicht zu weit:
dies macht Kummer, jenes Leid.
Nicht zu trucken, nicht zu feuchte,
wie Adonis Venus reichte.

Nicht zu harte, nicht zu weich,
bald zugleich, bald nicht zugleich.
Nicht zu langsam, nicht zu schnelle,
nicht ohn' Unterscheid der Stelle.

Halb gebissen, halb gehaucht,
halb die Lippen eingetaucht,
nicht ohn' Unterscheid der Zeiten,
mehr alleine denn bei Leuten.

Küsse nun ein Jederman,
wie er weiß, will, soll und kann!
Ich nur und die Liebste wissen,
wie wir uns recht sollen küssen.

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803)

Anlass zum Schlafe

Von Zefirs sanftem Säuseln
Bin ich oft eingeschlafen;
Vom Saft gepresster Trauben
Bin ich oft eingeschlafen;
Im Schatten junger Bäume,
Vom Schwarm der muntern Bienen,
Beim Sprudeln kleiner Quellen
Bin ich oft eingeschlafen;
Doch, soll ich ietzo schlafen:
So müssen Küsse rauschen.

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803)

Arbeit für Doris

Liebstes Mädchen, sei nicht müßig!
Fürchtest du dich denn für Arbeit?
Lass dich doch dazu nicht treiben,
Denn wir sind zur Müh erschaffen!
Komm, du musst nicht müßig gehen,
Komm, du musst für Arbeit schwitzen!
Liebstes Mädchen, sei nicht müßig!
Liebstes Mädchen, gib mir Küsse!
Gib mir hundert, gib mir tausend,
Gib mir neun und neunzig tausend,
Gib mir volle hundert tausend!
Küsse, bis ich nicht mehr zähle,
Küsse heute, küsse morgen;
Denn du sollst nichts tun als küssen.

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Franz Grillparzer (1791-1872)

Kuss

Auf die Hände küsst die Achtung,
Freundschaft auf die offne Stirne,
Auf die Wange Wohlgefallen,
Selge Liebe auf den Mund;
Aufs geschlossne Aug die Sehnsucht,
In die hohle Hand Verlangen,
Arm und Nacken die Begierde,
Überall sonst hin Raserei.

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Friedrich von Hagedorn (1708-1754)

Die Küsse

Als sich aus Eigennutz Elisse
Dem muntern Coridon ergab,
Nahm sie für einen ihrer Küsse
Ihm anfangs dreißig Schäfchen ab.

Am andern Tag erschien die Stunde,
Dass er den Tausch viel besser traf.
Sein Mund gewann von ihrem Munde
Schon dreißig Küsse für ein Schaf.

Der dritte Tag war zu beneiden:
Da gab die milde Schäferin
Um einen neuen Kuss mit Freuden
Ihm alle Schafe wieder hin.

Allein am vierten ging's betrübter,
Indem sie Heerd' und Hund verhieß
Für einen Kuss, den ihr Geliebter
Umsonst an Doris überließ.

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Friedrich Hebbel (1813-1863)

Auf ein errötendes junges Mädchen, das ich im Louvre sah

Ich ließ mein Auge auf dem deinen ruh'n,
Da ward zur Purpurflamme dein Gesicht;
Du warst ein Kind, ein Mädchen bist du nun,
So weig're auch die Mädchenfrucht mir nicht.

Dein Mund ist reif jetzt für den ersten Kuss,
Er gleicht der Herzenskirsche, die zersprang
Vor aller Feuersäfte letztem Schuss,
Und nun verspritzt, was sie so heiß durchdrang.

Ich hab' ein Recht auf ihn, ich hab' in dir
Die Glut, die ihn gezeitigt hat, geweckt,
Drum raub' ich ihn mit kecker Lippe mir,
Wie Vögel Beeren, die kein Laub mehr deckt.

Vielleicht vollendet dieser Kuss mein Glück,
Du wirst durch ihn dir deiner ganz bewusst,
Und wie du Mädchen wardst vor meinem Blick,
So wirst du auch noch Weib an meiner Brust!

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Heinrich Heine (1797-1856)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/heinrich_heine.php

Ich halte ihr die Augen zu...

Ich halte ihr die Augen zu
Und küss sie auf den Mund;
Nun lässt sie mich nicht mehr in Ruh',
Sie fragt mich um den Grund.

Von Abend spät bis morgens fruh,
Sie fragt zu jeder Stund':
»Was hältst du mir die Augen zu,
Wenn du mir küsst den Mund?«

Ich sag ihr nicht, weshalb ich's tu,
Weiß selber nicht den Grund -
Ich halte ihr die Augen zu
Und küss sie auf den Mund.

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Heinrich Heine (1797-1856)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/heinrich_heine.php

Hast du die Lippen...

Hast du die Lippen mir wund geküsst,
So küsse sie wieder heil,
Und wenn du bis Abend nicht fertig bist,
So hat es auch keine Eil.

Du hast ja noch die ganze Nacht,
Du Herzallerliebste mein!
Man kann in solch einer ganzen Nacht
Viel küssen und selig sein.

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Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/lessing.php

An eine kleine Schöne

Kleine Schöne, küsse mich.
Kleine Schöne, schämst du dich?
Küsse geben, Küsse nehmen,
Darf dich jetzo nicht beschämen.
Küsse mich noch hundertmal!
Küss' und merk' der Küsse Zahl.
Ich will dir, bei meinem Leben!
Alle zehnfach wiedergeben,
Wenn der Kuss kein Scherz mehr ist,
Und du zehn Jahr älter bist.

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Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/lessing.php

Die Küsse

Der Neid, o Kind,
Zählt unsre Küsse:
Drum küss’ geschwind
Ein Tausend Küsse;
Geschwind du mich,
Geschwind ich dich!
Geschwind, geschwind,
O Laura, küsse
Manch Tausend Küsse:
Damit er sich
Verzählen müsse.

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