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Richard Dehmel (1863-1920)

Natur und Sehnsucht

1.
Schlaflos lieg' ich, wie im Fieber
starr' ich in die Schatten hin,
ob mir eben nicht ihr lieber
Augenstrahl erglänzte drin,

ob nicht solche Grüße brächten
auch zwei Seelen sich von fern,
wie in heitren Sommernächten
fällt vom Himmel Stern zu Stern.


2.
Wie der Mond im Wechsel wandelt
ruhlos je und je,
bis das blasse Antlitz wieder
ihm verklärt die See:

muss ich einsam immer schweifen,
schweifen ohne Ruh' -
ach, wann strahlet Frieden wieder
mir dein Auge zu?!


3.
Aus des Abends weißen Wogen
taucht ein Stern;
still von fern
kommt der blasse Mond gezogen.

Fern, ach fern
aus des Morgens grauen Wogen
langt der stille blasse Bogen
nach dem Stern!


4.
An dem Fluss die alte Stelle
hab' ich suchen müssen,
wo die Weiden niederhängen,
um die Flut zu küssen.

Doch es rinnt die kühle Welle
ungerührt von hinnen:
und ich muss bei ihren Klängen,
Liebste, Deiner sinnen!


5.
Stumm und schwer die Blätter hangen,
regungslos die Bäume stehen,
und ich fühl' ein seltsam Bangen
durch die heißen Lüfte wehen,

bis ins heiße Herz mir zittern,
ob ich flüchte, ob ich weile ...
Oh, ich lechze nach Gewittern!
komm, Geliebte! eile! eile!

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Nikolaus Lenau (1802-1850)

Neid der Sehnsucht

Die Bäche rauschen
Der Frühlingssonne,
Hell singen die Vögel,
Es lauschen die Blüten,
Und sprachlos ringen
Sich Wonnedüfte
Aus ihrem Busen;
Und ich muss trauern,
Denn nimmer strahlt mir
Dein Aug, o Geliebte! –
Nicht über den Wellen
Des Ozeanes,
Nicht über den Sternen
Und nicht im Lande
Der Phantasien
Ist meine Heimat;
Ich finde sie nur
In deinem Auge!
Was je mir freudig
Beseelte das Leben,
Was nach dem Tode
Mir weckte die Sehnsucht,
Entschwundner Kindheit
Fröhliche Tage
Und meiner Jugend
Himmlische Träume,
Von meinen Toten
Trauliche Grüße
Und meiner Gottheit
Stärkenden Anblick,
Das alles find ich
In deinem Auge,
O meine Geliebte!
Nun bist du ferne,
Und bitter beneiden
Muss jeden Stein ich
Und jede Blume,
Beneiden die kalten
Menschen und Sterne,
An die du vergeudest
Die süßen Blicke.

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Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/goethe.php

Nur wer die Sehnsucht kennt...

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.

Es schwindelt mir, es brennt.
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!

(eines der Lieder der Mignon aus dem Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre")

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Paul Fleming (1609-1640)

Philyrille

Mein gestirntes Paradeis,
mein Licht, mein Mond, meine Sonne,
mein ganz Himmelreich voll Wonne
und von was ein Gott sonst weiß,
das ist Philyrille mir,
mir, der Erden unter ihr.

Ich vergessner Erdenkreis!
Heute tagts zum dritten Male,
dass ich ganz von keinem Strahle
meiner lieben Sonnen weiß.
Das betrübte Land, das weint,
weil sein Himmel ihm nicht scheint.

Du, o aller Künste Kunst!
Himmel wird durch dich zur Erden.
Dass wir Irdnen himmlisch werden,
das schafft, Laute, deine Gunst.
Gib doch, dass mein Himmel sich
bald neig' auf sein' Erde, mich!

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Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942)

Rote Nelken

Ich habe Angst. Es drückt auf mich das Dunkel jeder
schwülen Nacht.
Es ist so still, und mich erstickt des großen Schweigens
schwere Pracht.
Warum, warum bist du nicht da? Ich hab' gespielt, ich
weiß - verzeih.
Ich hab' mit meinem Glück gespielt - es ging entzwei -
verzeih.
Es tut so weh, allein zu sein. Drum komm, ich warte ja.
Wir lachen uns ein neues Glück, so glaub es doch und
komm zurück - es ist ja so viel Lachen da.
Schau mich doch an. Ist wohl mein Bild noch da in deinem
fernen Blick?
Ich will dich, wie die Traube will, dass man sie, wenn sie
reif ist, pflückt.
Mein Haar, es wartet. Und mein Mund will, dass du wieder
mit ihm spielst.
Sieh - meine Hände bitten dich, dass du sie in die deinen
hüllst.
Sie sehnen sich nach deinem Haar und sehnen sich nach
deiner Haut,
wie nach dem Traum sich sehnt ein Kind, das ihn auch nur
einmal geschaut.
Schau, es ist Frühling. Doch ist er blind, er weint ja immerfort.

Solange wir nicht beisammen sind, so lange weint er wie der Wind, dem der liebste Wald verdorrt.
Sieh, alles wartet nur auf uns: es warten alle Wege, alle Bänke.
Es warten alle Blumen nur, dass ich sie pflücke und dir schenke.
Du hältst die Sterne, die auf unsrer Schnur noch fehlen, in
der Hand.
Du hast sie keiner anderen umgehangen. Und findest du für sie nicht bald ein neues Band,
so hast du mit den vollen Händen nicht was anzufangen.
Sieh - unsre Schnur, sie wartet noch. Ich hab' sie zärtlich
aufgehoben.
Es fehlt auch nicht ein einz'ger Stern und's ist kein fremder mit verwoben.
Wir müssen nicht um neue Schnüre fragen. Die alte ist
noch schön und lang.
Und hast du auch noch tausend Sterne in der Hand - sie
kann noch zehnmal tausend tragen.
Du bist so stark. Ich möchte mich so gern in deine Arme
lehnen. Wenn du mich führst, so geh ich schnell.
Entsinnst du dich noch jener Nacht, der Schnee war weich
und klingend hell,
in der dein Arm mich stark umfing und ich so schnell und
sicher ging, als wär' ich groß wie du?

O, komm und führe mich so gut von Hindernis zu
Hindernis. Ich will gewiss nicht müde sein,
ich bin dann sicher nicht mehr klein
und brauche keine Ruh'.
Und dann - in unsrem Liebeszelt, o dann, dann werfen wir
der Welt das hellste Lachen zu.
Nicht wahr, du kommst? Ich wein' nicht mehr. O nein,
ich bin ja nicht mehr leer,
du kommst gewiss, du kommst geschwind, o du mein
starker, schöner Wind -
du wirst zum Sturm und reißt mich mit in deinem heißen,
wilden Ritt.
Ich bin noch hier. Der Traum ist aus. Ich bin allein - wie
roter Wein, so kocht mein heißes Blut.
Du bist nicht da - und warst so nah, und warst so süße,
wilde Glut.
Der Frühling weint. Er weint um uns. Wirst du ihn ewig
weinen lassen?
Du bist so gut. Drum komm zurück - du sollst mich um
die Schultern fassen,
wir wollen glühn so wie im Traum, wir wollen blühn wie
Baum nach Baum aufblühen werden dicht bei uns.
Ich will dann lachen. Und dann klingt die ganze Luft - die
Sonne klingt. Das Wasser klingt, es klingt die Nacht -
so hör, ich hab' für dich gelacht!

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Joseph von Eichendorff (1788-1857)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/eichendorff.php

Sehnsucht

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht. -

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Eduard Mörike (1804-1875)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/moerike.php

Sehnsucht

In dieser Winterfrühe
Wie ist mir doch zumut!
O Morgenrot, ich glühe
Von deinem Jugendblut.

Es glüht der alte Felsen,
Und Wald und Burg zumal,
Berauschte Nebel wälzen
Sich jäh hinab das Tal.

Mit tatenfroher Eile
Erhebt sich Geist und Sinn,
Und flügelt goldne Pfeile
Durch alle Ferne hin.

Auf Zinnen möcht ich springen,
In alter Fürsten Schloss,
Möcht hohe Lieder singen,
Mich schwingen auf das Ross!

Und stolzen Siegeswagen
Stürzt’ ich mich brausend nach!
Die Harfe wird zerschlagen,
Die nur von Liebe sprach. –

Wie? schwärmst du so vermessen,
Herz, hast du nicht bedacht,
Hast du mit eins vergessen,
Was dich so trunken macht?

Ach, wohl! was aus mir singet,
Ist nur der Liebe Glück!
Die wirren Töne schlinget
Sie sanft in sich zurück.

Was hilft, was hilft mein Sehnen?
Geliebte, wärst du hier!
In tausend Freudetränen
Verging' die Erde mir.

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Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)

Sehnsucht

Im Frühling

Wenn Philomelens bange Liebesklage
Mir neu ertönt im leisen Pappelhain,
Da denk' ich sehnend der vergangnen Tage,
Und seufze schmerzlich: ach, ich bin allein!

O fühltest Du mit mir das warme Leben,
Das neu erwacht, rings um mich her sich regt,
Das Leben der Natur, die mit dem ew'gen Streben
Im Jugendglanz sich jetzt empor bewegt.

Denn zwiefach schön war mir des Jahres Morgen
Mit seinem holden Lächeln neben Dir.
O banne schnell der Liebe leise Sorgen,
Und eil' auf ihren Flügeln her zu mir.

Dann will ich Dir die schönsten Kränze binden,
Die mir des Frühlings bunter Segen beut.
Gesellig soll sich Efeu um sie winden,
Das als der Treue Sinnbild Dich erfreut.

Nur dann, wenn ich Dich freudig wiedersehe,
Entschlummert sanft in mir der Sehnsucht Schmerz,
Er flieht mich nur in Deiner teuern Nähe,
Denn Du allein beglückst und füllst mein Herz.

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Hermann Löns (1866-1914)

Sehnsucht

Die Lungenblumen blühen
Aus dunkelgrünem Moos,
Mein Herz das bebt und zittert
Meine Sehnsucht ist so groß.

Die beiden blauen Blüten
Erinnern mich so sehr
An deine lieben Augen,
Mein Herz das schlägt so schwer.

Es geht ein Zittern und Beben
Durch meiner Seele Grund,
Rot ist die eine Blüte,
Rot wie dein roter Mund.

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Friedrich von Schiller (1759-1805)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/schiller.php

Sehnsucht

Ach, aus dieses Tales Gründen,
Die der kalte Nebel drückt,
Könnt ich doch den Ausgang finden,
Ach wie fühlt ich mich beglückt!
Dort erblick ich schöne Hügel,
Ewig jung und ewig grün!
Hätt ich Schwingen, hätt ich Flügel,
Nach den Hügeln zög ich hin.

Harmonien hör ich klingen,
Töne süßer Himmelsruh,
Und die leichten Winde bringen
Mir der Düfte Balsam zu,
Goldne Früchte seh ich glühen,
Winkend zwischen dunkelm Laub,
Und die Blumen, die dort blühen,
Werden keines Winters Raub.

Ach wie schön muss sichs ergehen
Dort im ewgen Sonnenschein,
Und die Luft auf jenen Höhen,
O wie labend muss sie sein!
Doch mir wehrt des Stromes Toben,
Der ergrimmt dazwischen braust,
Seine Wellen sind gehoben,
Dass die Seele mir ergraust.

Einen Nachen seh ich schwanken,
Aber ach! der Fährmann fehlt.
Frisch hinein und ohne Wanken,
Seine Segel sind beseelt.
Du musst glauben, du musst wagen,
Denn die Götter leihn kein Pfand,
Nur ein Wunder kann dich tragen
In das schöne Wunderland.

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Julius Mosen (1803-1867)

Sehnsucht

Wär’ ich der Regen,
Ich wollte mich legen
Der Erde ans Herz;
Wie sollte sie blühen
Und jauchzen und glühen!

Wär’ ich die Sonne,
Ich sög’ mich vor Wonne
Ins dampfende Meer;
Wie sollt’ es da rauschen
Um Küsse zu tauschen!

Könnt’ ich verwehen,
Im Nebel vergehen,
Zerfließen in Luft:
Ich hielt’ voll Erbarmen
Die Welt in den Armen.

So mit dem Herzen
Voll Lieder und Schmerzen
Verglüh’ ich allein
Und sinke in Flammen
Und Asche zusammen.

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Aloys Blumauer (1755-1798)

Sehnsucht eines Liebenden

Immerdar mit leisem Weben
Schwebt dein süßes Bild vor mir,
Und ein liebesehnend Beben
Zittert durch die Seele mir.

Weg aus deinem Zauberkreise,
Wo du mich so fest gebannt,
Zog durch eine weite Reise
Mich die Freundschaft auf das Land.

Hier im Mutterarm der schönen
Allerfreuenden Natur,
Fehlt zum Allgenuss des Schönen,
Herrliche! dein Kuss mir nur.

Halbgenossen glitscht die Freude
Über meinem Herzen hin,
Die Natur im Frühlingskleide
Seh' ich nur mit halbem Sinn.

Todt sind ohne dich die Fluren,
Eine Wüste die Natur,
An den Bäumen find' ich Spuren
Meiner heißen Sehnsucht nur.

Wenn ein liebesehnend Drücken
Mich hinaus in's Freie zieht,
Such' ich oft des Berges Rücken,
Der dich meinem Aug' entzieht;

Bleibe dann, wie eine Büste,
Starr nach dir hinsehend, steh'n,
Seh' und seh', und mein, ich müsste
Dich zu mir herüber seh'n,

Aber still heraufgegangen
Kommt der Mond statt deiner dann,
Und ein inniger Verlangen
Flammt in meiner Brust sich an.

Hin, ach, hin zu seinen Höhen
Möcht' ich fliegen, und auf dich,
Ach auf dich herniedersehen,
Und hernieder schwingen mich.

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Max Dauthendey (1867-1918)

Sehnsucht gab mir ihr weites Kleid

Sehnsucht gab mir ihr weites Kleid,
Seine Naht ist lang wie die Ewigkeit.
Streicht die Sehnsucht um das Haus,
Trocknen die plaudernden Brunnen aus;
Die Tage kommen wie Tiere daher,
Du rufst ihre Namen, sie atmen nur schwer;
Du suchst dich im Spiegel, der Spiegel ist leer,
Hörst nur der Sehnsucht Schritt,
Du selbst bist nicht mehr.

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Franz Grillparzer (1791-1872)

Sehnsucht nach Liebe

Alles liebet, alles scherzet
In der fröhlichen Natur;
Alles küsset, alles herzet
Auf den Höhn, in Wald und Flur!

Lässt der holde Lenz sich nieder,
Sanft umschwärmt vom lauen West,
Senkt der Vogel sein Gefieder,
Bauet liebend sich ein Nest.

Und der Löwe flieht das Morden,
Das sonst höchste Lust ihm schafft;
Er verlässt der Brüder Horden,
Huldigt Amors Zauberkraft.

Und dir soll ich mich entziehen,
Die uns menschlich fühlen lehrt?
Liebe! ach, dich soll ich fliehen,
Die der Tiger selbst verehrt?

Ich allein nur soll dich meiden,
Holde Spenderin der Lust?
Ich soll wilde Tiere neiden
Um das Fühlen ihrer Brust?

Nein! dem schönsten aller Triebe
Sei mein fühlend Herz geweiht!
Schenke mir Themirens Liebe,
Amor, Gott der Zärtlichkeit!

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William Shakespeare (1564-1616)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/shakespeare.php

Sonett XXVII

Ich eil' ins Bett, ermüdet von Beschwer,
Zur holden Ruhstatt weitgereister Glieder:
Doch auf den Weg macht sich das Haupt nunmehr,
Wach wird die Seele, sinkt der Leib darnieder.
Denn jetzo suchen die Gedanken dich,
Aus weiter Fern' auf frommer Pilgerschaft;
Weit offen halten Augenlider sich,
Ich blick' in Dunkel, wie ein Blinder gafft.
Nur meines Geistes Aug' einbildsamlich
Stellt dein Phantom unsehenden Augen dar:
Dort hängt's in Nächten ein Juwel für mich,
Verklärt das alte Dunkel wunderbar.
Sieh, wie am Tag den Leib, nachts das Gemüt,
Um dich und mich, ersehnte Ruhe flieht!

(aus dem Englischen von Gottlob Regis)

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