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Gottfried August Bürger (1747-1796)

Männerkeuschheit

Wer nie in schnöder Wollust Schoß
Die Fülle der Gesundheit goss,
Dem steht ein stolzes Wort wohl an,
Das Heldenwort: Ich bin ein Mann!

Denn er gedeiht und sproßt empor,
Wie auf der Wies' ein schlankes Rohr;
Und lebt und webt, der Gottheit voll,
An Kraft und Schönheit ein Apoll.

Die Götterkraft, die ihn durchfleußt,
Beflügelt seinen Feuergeist,
Und treibt, aus kalter Dämmerung,
Gen Himmel seinen Adlerschwung.

Dort taucht er sich ins Sonnenmeer,
Und Klarheit strömet um ihn her.
Dann wandelt sein erhellter Sinn
Durch alle Schöpfung Gottes hin.

Und er durchspäht, und wägt, und misst,
Was schön, was groß und herrlich ist,
Und stellt es dar in Red' und Sang,
Voll Harmonie, wie Himmelsklang.

O schaut, wie er voll Majestät,
Ein Gott, daher auf Erden geht!
Er geht und steht in Herrlichkeit,
Und fleht um nichts; denn er gebeut.

Sein Auge funkelt dunkelhell,
Wie ein krystallner Schattenquell.
Sein Antlitz strahlt, wie Morgenrot;
Auf Nas' und Stirn herrscht Machtgebot.

Das Machtgebot, dass drauf regiert,
Wird hui! durch seinen Arm vollführt.
Denn der schnellt aus, wie Federstahl;
Sein Schwerthieb ist ein Wetterstrahl.

Das Ross fühlt seines Schenkels Macht,
Der nimmer wanket, nimmer kracht.
Er zwängt das Ross, vom Zwang entwöhnt,
Er zwängt das Ross, und horch! es stöhnt.

Er geht und steht in Herrlichkeit,
Und fleht um nichts; denn er gebeut:
Und dennoch schaut, wo er sich zeigt,
O schaut, wie ihm sich alles neigt!

Die edelsten der Jungfrau'n blühn,
Sie blühn und duften nur für ihn.
O Glückliche, die er erkiest!
O Selige, die sein genießt!

Die Fülle seines Lebens glänzt,
Wie Wein, von Rosen rund umkränzt.
Sein glücklich Weib, an seiner Brust,
Berauscht sich draus zu Lieb' und Lust.

Frohlockend blickt sie rund umher:
"Wo sind der Männer mehr, wie Er?"
Fleuch, Zärtling, fleuch! Sie spottet dein.
Nur Er nimmt Bett und Busen ein.

Die steht und fodert auf umher:
"Wo ist, wo ist ein Mann, wie Er?"
Sie, ihm allein getreu und hold,
Erkauft kein Fürst mit Ehr' und Gold.

Wie, wann der Lenz die Erd' umfäht,
Und sie mit Blumen schwanger geht:
So segnet Gott durch ihn sein Weib,
Und Blumen trägt ihr edler Leib.

Die alle blüh'n, wie Sie und Er,
Sie blüh'n und duften um ihn her,
Und wachsen auf, ein Zedernwald,
Voll Vaterkraft und Wohlgestalt. -

So glänzt der Lohn, den der genießt,
So das Geschlecht, das dem entsprießt,
Der nie in schnöder Wollust Schoß
Die Fülle der Gesundheit goss.

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Heidi Damerius (geb. 1961)

Herrentag (aus Frauensicht)

Meine Herren...
Heut’ wird erst richtig mir bewusst,
dass ihr schon an der Mutterbrust
als Bübchen hattet’s wahrlich schwer
und Stamm zu halten gabt Gewähr.

Noch mehr galt das für euch als Knaben,
belastet mit Männeraufgaben:
das Auto waschen, stets parieren,
um Vaters Stolz nicht zu verlieren.

Als Burschen konntet ihr sodann
an Werk und Weib so richtig ran,
gefordert wurde euer Mut,
dass ihr auswähltet alles gut.

Jetzt strotztet ihr vor Manneskraft,
die sogar Kind und Kegel schafft.
Selbst wenn das Tagwerk schon vollbracht,
ihr musstet ran noch manche Nacht.

Zudem verlangt die Mannesnorm,
zu wahren stets der Würde Form:
Nie darf euch etwas so verletzen,
dass Tränen eure Wang’ benetzen!

Seid schließlich ihr ein weiser Greis,
macht euch die Alte trotzdem heiß,
im Herbst des Lebens noch zu nützen,
der Enkel Haus und Hof zu stützen.

Heut’ seid ihr endlich einmal frei,
des Mannes Pflicht vergessen sei!
Ihr schleicht ja wieder heim am Morgen,
verloren wärt ihr ohne unser Sorgen.

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Erich Mühsam (1878-1934)

Liebesweh

Zähre rieselt mir um Zähre
in des Betts zerwühltes Laken.
Bange Angstgedanken haken
sich an meiner Seele Schwere.
Schmerzgekrümmt sind meine Beine;
traurig triefend hängt der Bart
von den Tränen, die ich weine -
und die Nase trieft apart...
Ach, es ist der Traum der Liebe,
den ich durch die Seele siebe.
Ach, es ist der Liebe Weh,
das mich zwickt vom Kopf zum Zeh. -
Armes Herz! Die Träume wittern
fernen Trost. Ich spann die Ohren -
und durch meiner Seele Zittern,
fernher flüsternd, traumverloren,
murmelt ein geliebter Mund:
Schlapper Hund!

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Othello von Plaenckner (1797-1847)

Nähe des Gatten

Ich denke dein, wenn abends in den Räumen
Des Klubs du bist;
Wenn dann nach schüchterm Zögern, und nach Säumen,
Mich Bruno küsst.
Ich sehe dich, Gespenstern gleich, erscheinen,
An Brunos Brust -
Soll ich in deinem breiten Bette weinen?
Hier sel'ge Lust.
Ich höre dich, wenn Brunos leis's Geflüster
Von Liebe spricht:
Wenn er der Sehnsucht dann im trauten Düster
Hold Kränze flicht.
Ich fürchte dich, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah.
Mein Bruno scheidet mit dem Morgensterne,
Dann bist du da!

(Parodie auf Goethes Nähe des Geliebten.)

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Friedrich von Schiller (1759-1805)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/schiller.php

Kastraten und Männer

Ich bin ein Mann! - wer ist es mehr?
Wers sagen kann, der springe
Frei unter Gottes Sonn einher
Und hüpfe hoch und singe!

Zu Gottes schönem Ebenbild
Kann ich den Stempel zeigen,
Zum Born, woraus der Himmel quillt,
Darf ich hinunter steigen.

Und wohl mir, dass ichs darf und kann!
Gehts Mädchen mir vorüber,
Rufts laut in mir: Du bist ein Mann!
Und küsse sie so lieber.

Und röter wird das Mädchen dann,
Und 's Mieder wird ihr enge -
Das Mädchen weiß, ich bin ein Mann,
Drum wird ihr 's Mieder enge.

Wie wird sie erst um Gnade schrein,
Ertapp ich sie im Bade?
Ich bin ein Mann, das fällt ihr ein,
Wie schrie sie sonst um Gnade?

Ich bin ein Mann, mit diesem Wort,
Begegn' ich ihr alleine,
Jag ich des Kaisers Tochter fort,
So lumpicht ich erscheine.

Und dieses goldne Wörtchen macht
Mir manche Fürstin holde,
Mich ruft sie - habt indessen Wacht,
Ihr Buben dort im Golde!

Ich bin ein Mann, das könnt ihr schon
An meiner Leier riechen,
Sie donnert wie im Sturm davon,
Sonst würde sie ja kriechen.

Zum Feuergeist im Rückenmark
Sagt meine Mannheit: Bruder.
Und herrschen beide löwenstark
Umarmend an dem Ruder.

Aus eben diesem Schöpferfluss,
Woraus wir Menschen sprudeln;
Quillt Götterkraft und Genius,
Nur leere Pfeifen dudeln.

Tyrannen hasst mein Talisman
Und schmettert sie zu Boden,
Und kann ers nicht, führt er die Bahn
Freiwillig zu den Toten.

Pompejen hat mein Talisman
Bei Pharsalus bezwungen,
Roms Wollüstlinge Mann für Mann
Auf teutschen Sand gerungen.

Saht ihr den Römer stolz und kraus
In Afrika dort sitzen?
Sein Aug speit Feuerflammen aus
Als säht ihr Hekla blitzen.

Da kommt ein Bube wohlgemut,
Gibt manches zu verstehen -
"Sprich, du hättst auf Karthagos Schutt
Den Marius gesehen!" -

So spricht der stolze Römersmann,
Der Bub tät fürbaß eilen;
Das dankt der stolze Römersmann,
Das dankt er seinen Pfeilen!

Drauf täten seine Enkel sich
Ihr Erbteil gar abdrehen,
Und huben jedermänniglich
Anmutig an zu krähen. -

O Pfui und Pfui und wieder Pfui
Den Elenden! - sie haben
Verlüderlicht in einem Hui
Des Himmels beste Gaben,

Dem lieben Herrgott sündiglich
Sein Konterfei verhunzet
Und in die Menschheit schweiniglich
Von diesem Nu gegrunzet,

Und schlendern elend durch die Welt,
Wie Kürbisse von Buben
Zu Menschenköpfen ausgehöhlt,
Die Schädel leere Stuben!

Wie Wein, von einem Chemikus
Durch die Retort' getrieben:
Zum Teufel ist der Spiritus,
Das Phlegma ist geblieben.

Und fliehen jedes Weibsgesicht,
Und zittern, es zu sehen, -
Und dörften sie - und können nicht!
Da möchten sie vergehen! -

Und wenn das blonde Seidenhaar,
Und wenn die Kugelwaden,
Wenn lüstern Mund und Augenpaar
Zum Lustgenusse laden,

Und zehenmal das Halstuch fällt,
Und aus den losen Schlingen,
Halbkugeln einer bessern Welt,
Die vollen Brüste springen, -

Führt gar der höllsche Schadenfroh
Sie hin, wo Nymphen baden,
Daß ihre Herzen lichterloh
Von diebschen Flammen braten,

Wo ihrem Blick der Spiegelfluss
Elysium entziffert,
Arkana, die kein Genius
Dem Aug je bloß geliefert,

Und Ja! die tollen Wünsche schrein,
Und Nein! die Sinne brummen -
O Tantal! stell dein Murren ein!
Du bist noch gut durchkommen! -

Kein kühler Tropfen in den Brand!
Das heiß ich auch beteufeln!
Gefühl ist ihnen Kontreband,
Sonst müssen sie verzweifeln!

Drum fliehn sie jeden Ehrenmann,
Sein Glück wird sie betrüben -
Wer keinen Menschen machen kann,
Der kann auch keinen lieben.

Drum tret ich frei und stolz einher
Und brüste mich und singe:
Ich bin ein Mann! - Wer ist es mehr?
Der hüpfe hoch und springe.

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August Wilhelm Schlegel (1767-1845)

Schillers Lob der Frauen (Parodie)

Ehret die Frauen! Sie stricken die Strümpfe,
Wollig und warm, zu durchwaten die Sümpfe,
Flicken zerrissene Pantalons aus;
Kochen dem Manne die kräftigen Suppen,
Putzen den Kindern die niedlichen Puppen,
Halten mit mäßigem Wochengeld Haus.

Doch der Mann, der tölpelhafte
Find't am Zarten nicht Geschmack.
Zum gegornen Gerstensafte
Raucht er immerfort Tabak;
Brummt, wie Bären an der Kette,
Knufft die Kinder spat und fruh;
Und dem Weibchen, nachts im Bette,
Kehrt er gleich den Rücken zu. u.s.w.

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Volksgut

Alter Mann wollt' reiten

Alter Mann wollt' reiten,
Hatte kein Pferd.
Alte Frau nahm Ziegenbock,
Setzt' den alten Mann darob,
Lässt ihn reiten.

Alter Mann wollt' reiten,
Hatte keine Peitsch'.
Alte Frau nahm Strumpfenband,
Gab es ihm in seine Hand,
Lässt ihn reiten.

Alter Mann wollt' reiten,
Hatte kein' Satt'l.
Alte Frau nahm Ziegelstein,
Klemmt ihn zwischen seine Bein',
Lässt ihn reiten.

Alter Mann wollt' reiten,
Hatte keinen Zaum.
Alte Frau nahm Hemdensaum,
Macht ihm einen Pferdezaum,
Lässt ihn reiten.

Alter Mann wollt' reiten,
Hatte keine Stiefeln.
Alte Frau nahm Eimer an,
Stülpt sie über die Beine 'ran,
Lässt ihn reiten.

Alter Mann wollt' reiten,
Hatte keine Spor'n.
Alte Frau nahm Rechenzähn,
Steckt ihm diese in die Been,
Lässt ihn reiten.

Alter Mann wollt' reiten,
Hatte keinen Rock.
Alte Frau nahm Unterrock,
Schmiss ihn über seinen Kopf,
Lässt ihn reiten.

Alter Mann wollt' reiten,
Hatte keinen Hut.
Alte Frau nahm Nachttopf,
Setzte ihn auf seinen Kopf,
Lässt ihn reiten.

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