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Erich Mühsam (1878-1934)

Grete

Als ich dich fragte: Darf ich Sie beschützen?
Da sagtest du: Mein Herr, Sie sind trivial.
Als ich dich fragte: Kann ich Ihnen nützen?
Da sagtest du: Vielleicht ein andres Mal.
Als ich dich bat: Ein Kuss, mein Kind, zum Lohne!
Da sagtest du: Mein Gott, was ist ein Kuss?
Als ich befahl: Komm mit mir, wo ich wohne! -
Da sagtest du: Na, endlich ein Entschluss!

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Erich Mühsam (1878-1934)

Babette

Folg mir in mein Domizil,
liebes Kind, und frag nicht viel.
Wirst schon alles lernen,
wirst schon alles sehn,
liest nicht in den Sternen,
was dir heut noch alles kann für Heil geschehn.

Stehst herum in Nacht und Wind.
Komm! Bei mir ist's warm, mein Kind.
Geb dir einen Taler,
koch dir ein Glas Tee.
Einen Emmentaler
essen wir selbander auf dem Kanapee.

Bleibst bei mir bis früh am Tag.
Geht dann jeder, wo er mag.
Ich zum Redaktöre,
du, wohin dich's treib.
Morgen küsst, ich schwöre,
dich mein guter Nachbar, ich des Nachbars Weib.

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Wilhelm Müller (1794-1827)

Amor, ein Sprachlehrer

Amor ist ein Sprachverderber,
Wortverdreher, Lautverwirrer,
Der beim großen Turm zu Babel
Schon die Händ' im Spiele hatte.
Wenn ich weine, raunt er leise
Mir ins Ohr etwas von Wonne;
Wenn ich schmachte, lässt er dennoch
Reden mich von Seligkeiten.
In dem lauten Schwarm der Feste
Muss ich, diesem Lehrer folgend,
Sagen, dass ich einsam stehe,
Und im einsam stillen Haine
Darf ich mich allein nicht nennen.
Bittersüß und lieblichherbe,
Grausam mild und labend schmerzlich,
Solche Reden hat er viele
Stehn in seinem Wörterbuche,
Das die größten Sprachgelehrten
Mir nicht auszudeuten wagen,
Und mit dem ich alle Tage
Mehr mein bisschen Deutsch verlerne.

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Benjamin Neukirch (1665-1729)

An Sylvien

Ach! wirf doch einen Blick auf deine Silber-Ballen,
Verstockte Sylvia,
Sie sind dem Tode nah;
Die Spitzen lassen schon die Rosen-Blüte fallen,
Die Berge ziehn die stolzen Lilien ein,
Und werden bald so gleich wie deine Wangen sein.

Wie, sind wir, schreien sie, dann darum nur erschaffen,
Dass uns ein blinder Groll
In Kerker schließen soll?
Cupido nennet uns ja seine Liebes-Waffen.
Was kommet dich dann für ein Eifer an,
Dass du, o Sylvia! uns in den Bann getan?

Ihr Männer helfet uns durch eure Macht erretten!
Zerreißt das Mörder-Schloss
Und macht uns wieder los.
Wir lieben keinen Zwang, und leiden keine Ketten,
Und Frankreichs Mod' und tolle Kleider-Pracht,
Mag sein für wen sie will, nur nicht für uns gemacht.

So klagen, Sylvia, die hart-bedrängten Kinder.
Ach höre doch ihr schrei'n,
Und hilf sie bald befrei'n,
Wo nicht, so schneid sie ab, und wirf sie vor die Rinder.
Dann wenn sie nur im Finstern sollen ruhn,
So kann dirs, wann du willst, auch wohl ein Schnupftuch tun.

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Martin Opitz (1597-1632)

Grabinschrift eines geilen Weibes

Hier liegt ein höfliches, doch geiles Weib begraben.
Wünscht ihr nicht, dass sie Ruh mög' in der Erden haben:
Sie hat dem Himmel selbst zu gleichen sich geübt
Und nichts als stetige Bewegung mehr geliebt.

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Martin Opitz (1597-1632)

Grabschrift eines Hundes

Die Diebe lief ich an, den Buhlern schwieg ich stille;
So ward verbracht des Herrn und auch der Frauen Wille.

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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/ringelnatz.php

Telefonischer Ferngruß

Ich grüße dich durchs Telefon,
guten Morgen, du Gutes!
Ich sauge deiner Stimme Ton
in die Wurzeln meines Mutes.

Ich küsse dich durch den langen Draht.
Du Meinziges, du Liebes!
Was ich dir - nahe - je Böses tat,
aus der Ferne bitt ich: Vergib es!

Bist du gesund? - Gut? - Was? - Wieviel? -
Nimm's leicht! - Vertraue! - Und bleibe
mir mein. - - Wir müssen dies Wellenspiel
abbrechen - - Nein "dir" Dank! - - Ich schreibe!

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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/ringelnatz.php

Ein männlicher Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.

Er wollte sie wiederküssen,
Da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens!

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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/ringelnatz.php

Dreiste Blicke

Über die Knie
Unter ein Röckchen zu schaun – –
Wenn sie doch das und die
Haben, die schönen Fraun!

Über einen öffnenden Saum
In Täler zwischen Brüstchen
Darf Blick wie stiller Traum
Stürzen sein Lüstchen.

Sollen doch Frauen auch
So blicken, – nicht schielen –
Wenn Arm, Popo und Bauch
In Fältchen spielen.

Nimm, was der Blick dir gibt,
Sei es, was es sei.
Bevor sich das selber liebt,
Ist’s schon vorbei.

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Joseph Viktor von Scheffel (1826-1886)

Eine traurige Geschichte

Ein Hering liebt' eine Auster
Im kühlen Meeresgrund;
Es war sein Dichten und sein Trachten
Ein Kuss von ihrem Mund.

Die Auster, die war spröde,
Sie blieb in ihrem Haus;
Ob der Hering sang und seufzte,
Sie schaute nicht heraus.

Nur eines Tags erschloss sie
Ihr duftig Schalenpaar;
Sie wollt im Meeresspiegel
Beschauen ihr Antlitz klar.

Schnell kam der Hering geschwommen,
Streckt seinen Kopf herein
Und dacht an einem Kusse
In Ehren sich zu freun!

O Harung, armer Harung,
Wie schwer bist du blamiert!
- Sie schloss in Wut die Schalen,
Da war er guillotiniert.

Jetzt schwamm sein toter Leichnam
Wehmütig im grünen Meer
Und dacht: "In meinem Leben
Lieb ich keine Auster mehr!"

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Ludwig Thoma (1867-1921)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/thoma.php

Sexuelle Aufklärung

Der alte Storch wird nun begraben.
Ihr Kinder lernt im Unterricht,
Warum wir dies und jenes haben,
Und es verbreitet sich das Licht.

Zu meiner Zeit, du große Güte!
Da herrschte tiefe Geistesnacht.
Man ahnte manches im Gemüte
Und hat sich selber was gedacht.

Mich lehrte dieses kein Professer;
Nur eine gute, dicke Magd
Nahm meine Unschuld unters Messer
Und machte auf dieselbe Jagd.

Ihr Unterricht war nicht ästhetisch,
Im Gegenteil, sehr weit entfernt.
Und doch, wenn auch nicht theoretisch,
Ich hab' es ziemlich gut gelernt.

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Ludwig Thoma (1867-1921)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/thoma.php

Frühlingsahnen

Wohlig merken unsre Sinne
Nun den Frühling allgemach,
Denn es trauft aus jeder Rinne,
Und es tropft von jedem Dach.

Leise regt sich im Theater
Dieser Welt ein Liebeston;
Nächtens schreien viele Kater,
Und der Hase rammelt schon.

So auch uns ergreift die Glieder
Wundersame Lebenskraft;
Selbst solide Seifensieder
Fühlen ihren Knospensaft.

Treibet das Geschäft der Paarung!
Lasset der Natur den Lauf!
Denn ihr wisset aus Erfahrung,
Einmal hört es leider auf.

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Kurt Tucholsky (1890-1935)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/kurt_tucholsky.php

Versunkenes Träumen

Lieblich ruht der Busen, auf dem Tisch,
jener Jungfrau, welche rosig ist und frisch.

Ach, er ist so kugelig und gerundet,
dass er mir schon in Gedanken mundet.

Heil und Sieg dereinst dem feinen Knaben,
dem es freisteht, sich daran zu laben.

Jener wird erst stöhnen und sich recken;
aber nachher bleibt er sicher stecken.

Heirat, Kinder und ein häusliches Frangssäh -
nichts von Liebesnacht und jenem Kanapee...

Ich hingegen sitz bei ihren Brüsten,
und - gedanklich - dient sie meinen Lüsten.

Doch dann steh ich auf und schlenkre froh mein Bein,
schiebe ab,
bin frei -
und lasse Jungfer Jungfer sein.

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Kurt Tucholsky (1890-1935)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/kurt_tucholsky.php

Ostern

Da ist nun unser Osterhase-!
Er stellt das Schwänzchen in die Höh
und schnuppert hastig mit der Nase
und tanzt sich einen Pah de döh!

Dann geht er wichtig in die Hecken
und tut, was sonst nur Hennen tun.
Er möchte sein Produkt verstecken.
um sich dann etwas auszuruhn.

Das gute Tier-! Ein dicker Lümmel
nahm ihm die ganze Eierei
und trug beim Glockenbammelbimmel
sie zu der Liebsten nahebei.

Da sind sie nun. Bunt angemalen
sagt jedes Ei: „Ein frohes Fest!“
Doch unter ihren dünnen Schalen
liegt, was sich so nicht sagen lässt.

Iss du das Ei! Und lass dich küssen
zu Ostern und das ganze Jahr ...
Iss nur das Ei! und du wirst wissen
was drinnen in den Eiern war-!

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unbekannt

Enricos Werbung

Sybilla, sanft wie eine Taube,
sitzt strickend in der Gartenlaube.
Da naht sich ihr von ungefähr
Enrico, denn er liebt sie sehr;
doch wagt er's nicht hineinzugehn -
bescheiden bleibt er draußen stehn.
Sybilla, sanft wie eine Taube,
strickt weiter in der Laube.
Sie rührt sich nicht. Die Zeit verstreicht.
Das Warten wird ihm gar nicht leicht.
Enrico dreht sich her und hin -
Erweicht denn gar nichts ihren Sinn?
Sie aber strickt noch immer heiter
Ein', zwei, drei Nadeln und so weiter.
Da räuspert er und seufzt sodann:
"Sybilla, hör mich huldreich an!
Ich lieb dich schrecklich, sanfte Taube!
Komm, sei so gut, tritt aus der Laube
und reich mir deine süße Hand,
dann knüpfen wir ein festes Band,
das sich nicht löst in Bier noch Wein -
gib Acht, wir werden glücklich sein!"
Sybilla wiegt ihr Haupt und spricht::
"So schnell, mein Lieber, geht das nicht!
Bevor ich deinen Wunsch kann loben,
muss ich erst deine Treu erproben!" -
"Wie?" klagt der junge Mann,
"du zweifelst wirklich noch daran?"
Wobei ein Tränlein schwer und groß
ihm aus dem linken Auge floss.
Sybilla sprach und sah ihn an:
"An sich wärst du der rechte Mann!
Ja, deine Werbung ging mir nah,
wüsst ich, ob echt die Träne da!
Doch weint nicht auch das Krokodil,
bei dem es doch nur falsches Spiel?
Ha!" rief sie da auf einmal lauter.
"Jetzt weiß ich, was du tun musst, Trauter:
Bring mir ein Krokodil vom Nil,
dann werd ich seine Träne still
hier mit der deinigen vergleichen -
vielleicht kann so mein Zweifel weichen!"
Kaum spricht sie das Gebot noch aus,
eilt er zum Garten schon hinaus
und rennt und keucht und schifft sich ein,
um schnell in Afrika zu sein.
Voll Mut besteht er die Gefahren
und kehrt zurück dann nach drei Jahren
und legt der kleinen sanften Taube
ein Krokodil dicht vor die Laube,
zwickt's in den Schweif, damit es weint,
und wie es nun auch wirklich greint,
weint er zur Prob' mit Duldersinn
daneben selbst ein Tränlein hin.
Durch die Lorgnett' Sybill beschaut,
was beiden aus dem Aug' getaut.
"Ja", spricht sie dann mit sanftem Ton,
"du weintest echt - jetzt seh ich's schon;
indessen dieses falsche Vieh
weint offenbar nur Simili.
Doch war dies erst die halbe Probe.
Bring's nun, damit ich ganz dich lobe,
zurück, wo du's genommen her!
Denn Ordnung liebe ich gar sehr!"
Kaum spricht sie das Gebot noch aus,
eilt er zum Garten schon hinaus
und rennt und keucht und schifft sich ein,
um schnell in Afrika zu sein.
Voll Mut besteht er die Gefahren -
Und kehrt zurück dann nach drei Jahren.
Vom Nilwart weist er ein Attest,
dass er ihr Wort erfüllt aufs Best'.
Sybilla, sanft wie eine Taube,
tritt nunmehr aus der Gartenlaube
und winkt ihm anerkennend zu:
"Du hast's erreicht! Jetzt hast du Ruh!
Ich hab dich unterdes besungen -
grad ist der letzte Ton verklungen!
Fünftausend Socken liegen hier;
der Treu zum Lohn strickt ich sie dir.
Nimm sie! Auch ich bin selber dein.
Komm, sinke in die Arme mein!"
Er tut auch dies gehorsam still...
Im Nil schwimmt froh das Krokodil.

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