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Unglückliche Liebesgedichte – Dichter · Titel · Beliebteste · Neueste

Georgi Kratochwil (geb. 1979)
www.das-poetische-stacheltier.de/dichter-einzeln-4.php

Lächerlich

Ich sag es ihr.
      Du machst dich lächerlich.
Nein, ich sag es ihr.
      Du machst dich lächerlich.
Aber ich liebe sie.
      Du machst dich lächerlich.
Aber ich muss es ihr sagen.
      Du machst dich lächerlich.
Aber irgendwann muss es doch sein.
      Du machst dich lächerlich.
Ich will doch auch ...
      Du machst dich lächerlich.
Ich möchte ...
      Du machst dich lächerlich.
Ich ...
      Du machst dich lächerlich.
O.K., ich lass es.

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Wersch (geb. 1964), literaturnische.de

Sentimentalität

das letzte Mal hab ich geweint
als der Säbelzahntiger ausstarb
dieses herrliche geschmeidige grausame
lusthungrige Tier
dessen Fauchen Sturm war
und vorher glaub ich einmal
als alle Saurier verreckten
wegen der Eiszeit
oder wegen eines Sternabsturzes
denn es waren unersetzliche Bestien
und nun weine ich fast
weil du sagst
dass du mich brauchst
ich aber leider
nicht mehr zu
gebrauchen bin

(Dieser Text in ein Bild integriert findet sich in Wortvision.)

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Wersch (geb. 1964), literaturnische.de

Gedeih und Verderb

lass mich ans Kreuz nageln
Herr Richter
und elendig verrecken
weil es gerecht ist
dass ein Aas der Gemeinschaft
auch als Aas sterbe
aber verspreche mir keine Begnadigungen
während ich friedlich verröchle

stelle mir die endgültige Diagnose
Herr Doktor
und nenn mir die Frist
weil es gerecht ist
wenig vom Sterben zu haben
wenn man wenig vom Leben hatte
aber verheiße mir keine Genesungen
während ich mich verabschiede

geh fort
meine Liebste
und zerreiß mich
weil uns recht geschieht
wenn wir die Liebe modern ließen
und ich dir stinke
aber dreh den Deckel nie mehr um
hinter dem ich uns beende

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Tobias Deger (geb. 1982)

Unerfüllte Liebe

Ich werde nicht wie Glas zerscherben,
das unter einem Schlage birst.
Ich kann so leise, leise sterben,
dass Du es nie erahnen wirst.

Ich werde nicht von Windeshieben
mich brechen lassen wie ein Ast –
ich kann so leise, leise lieben,
dass Dein Blick mich nie erfasst...

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Georg Busse-Palma (1876-1915)

Mit den Schwalben

Ich zog mit den Schwalben einst fort von hier,
Nun kommen die Schwalben zurück mit mir.
Sie finden die heimischen Giebel und Bogen –
Mein Haus ist verfallen, mein Glück ist verflogen.

Zerfetzt sind die Schuh’ und zerrissen das Kleid,
Meine Liebste, die hat einen andern gefreit,
Sie tanzte mit Fiedel und Klarinett’
In ein behäbiges Bürgerbett.

Da bleibt mir wohl nichts als Weitergeh’n
Und nicht mehr nach Dächern und Schwalben seh’n
Meine Augen, die brennen und dürfen’s nit schau’n,
Wie die sich schnäbeln und Nester bau’n ...

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Gaius Valerius Catullus (84-54 v.u.Z.)

Ich hasse und liebe...

Odi et amo. Quare id faciam, fortasse requiris:
Nescio, sed fieri sentio et excrucior.


Ich hasse und liebe. Vielleicht fragst du, warum ich das tue:
Ich weiß es nicht, aber spüre es so und ich quäle mich ab.

(aus dem Lateinischen von Wersch)

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Georg Friedrich Daumer (1800-1875)

Der Verzweifelnde

Nicht mehr zu dir zu gehen,
Beschloss ich und beschwor ich,
Und gehe jeden Abend,
Denn jede Kraft und jeden Halt verlor ich.

Ich möchte nicht mehr leben,
Möcht’ Augenblicks verderben,
Und möchte doch auch leben
Für dich, mit dir, und nimmer, nimmer sterben.

Ach rede, sprich ein Wort nur,
Ein einziges, ein klares;
Gib Leben oder Tod mir,
Nur dein Gefühl enthülle mir, dein wahres!

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Ludwig Eichrodt (1827-1892)

Gefesselt

Liebesglück und Liebesschmerz -
Die Minute macht zum Sklaven,
O des Gottes Pfeile trafen
Mein gestählt gewappnet Herz.

Trage Ketten, golden süß,
Aber immer sind es Ketten,
Goldne Ketten, süße Ketten,
Aber Ketten sinds gewiss.

In des Lebens Blütenzeit
Tief verletzt und schwer gebunden,
Und in Fesseln und in Wunden
Dennoch diese Seligkeit?

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Cäsar Flaischlen (1864-1920)

Wirst du ein Engel sein...

Wirst du ein Engel sein,
der mich begleitet?
mein Unstern oder, der
mich irreleitet?

Mein Glück? mein Unglück? o!
mein Fluch? mein Segen?
ein dunkles Müssen treibt
mich dir entgegen!

Ich fühl, mein Leben liegt
in deinen Händen ...
wirst du zu Freude mir,
zu Qual es wenden?!

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Emanuel Geibel (1815-1884)

Nachtlied

Der Mond kommt still gegangen
Mit seinem goldnen Schein,
Da schläft in holdem Prangen
Die müde Erde ein.

Im Traum die Wipfel weben,
Die Quellen rauschen sacht;
Singende Engel durchschweben
Die blaue Sternennacht.

Und auf den Lüften schwanken
Aus manchem treuen Sinn
Viel tausend Liebesgedanken
Über die Schläfer hin.

Und drunten im Tale, da funkeln
Die Fenster von Liebchens Haus;
Ich aber blicke im Dunkeln
Still in die Welt hinaus.

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Emanuel Geibel (1815-1884)

Wolle keiner mich fragen

Wolle keiner mich fragen,
Warum mein Herz so schlägt,
Ich kann’s nicht fassen, nicht sagen,
Was mich bewegt.

Als wie im Traume schwanken
Trunken die Sinne mir;
Alle meine Gedanken
Sind nur bei dir.

Ich habe die Welt vergessen,
Seit ich dein Auge gesehn;
Ich möchte dich an mich pressen
Und still im Kuss vergehn.

Mein Leben möcht’ ich lassen
Um ein Lächeln von dir,
Und du - ich kann’s nicht fassen -
Versagst es mir.

Ist’s Schicksal, ist’s dein Wille?
Du siehst mich nicht. -
Nun wein' ich stille, stille,
Bis das Herz mir zerbricht.

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Klabund (1890-1928)

Nachts

Ich bin erwacht in weißer Nacht,
Der weiße Mond, der weiße Schnee,
Und habe sacht an dich gedacht,
Du Höllenkind, du Himmelsfee.

In welchem Traum, in welchem Raum,
Schwebst du wohl jetzt, du Herzliche,
Und führst im Zaum am Erdensaum
Die Seele, ach, die schmerzliche –?

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Adam Krieger (1634-1666)

Wer sich verliebt, wird sehr betrübt

Ach! wie glückselig ist ein Herze,
das nichts mehr als sich selbsten kennt,
von keiner fremden Flamme brennt,
selbst seine Lust und selbst sein Schmerze,
seit dass ich nun verliebet bin,
so ist mein ganzes Herze hin.

Ich schlaf, ich träume bei dem Wachen,
Ich ruh', und hab keine Ruh,
ich tu, und weiß nicht was ich tu,
ich weine mitten in dem Lachen,
Ich denk, ich mache dies und das,
ich schweig, und red', und weiß nicht, was.

Die Sonne scheint vor mir nicht helle,
mich kühlt die Glut, mich brennt das Eis,
Ich weiß, und weiß nicht was ich weiß,
die Nacht tritt an des Tages Stelle,
Jetzt bin ich dort, jetzt da, jetzt hier,
ich folg', und fliehe selbst für mir.

Bald billig' ich mir meinen Handel,
bald darauf verklag ich mich bei mir,
ich bin verändert für und für,
und standhaft nur in steten Wandel,
Ich selbst, bin mit mir selbst nicht eins,
bald will ich alles, bald gar keins.

Wie wird mirs doch noch endlich gehen?
ich wohne nunmehr nicht in mir,
mein Schein ist es nur, den Ihr hier,
in meinem Bilde sehet stehen,
Ich bin nun nicht mehr selber Ich,
Ach Liebe! Wozu bringst du mich?

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Louise Labé (1525-1566)

Ich leb, ich sterb...

Ich leb, ich sterb: ich brenn und ich ertrinke,
ich dulde Glut und bin doch wie im Eise;
mein Leben übertreibt die harte Weise
und die verwöhnende und mischt das Linke

mir mit dem Rechten, Tränen und Gelächter.
Ganz im Vergnügen find ich Stellen Leides,
was ich besitz, geht hin und wird doch echter:
ich dörr in einem und ich grüne, beides.

So nimmt der Gott mich her und hin. Und wenn
ich manchmal mein, nun wird der Schmerz am größten,
fühl ich mich plötzlich ganz gestillt und leicht.

Und glaub ich dann, ein Dasein sei erreicht,
reißt er mich nieder aus dem schon Erlösten
in eine Trübsal, die ich wiederkenn.

(aus dem Französischen von Rainer Maria Rilke)

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Else Lasker-Schüler (1869-1945)

Ich bin traurig

Deine Küsse dunkeln, auf meinem Mund.
Du hast mich nicht mehr lieb.

Und wie du kamst -!
Blau vor Paradies;

Um deinen süßesten Brunnen
Gaukelte mein Herz.

Nun will ich es schminken,
Wie die Freudenmädchen
Die welke Rose ihrer Lende röten.

Unsere Augen sind halb geschlossen,
Wie sterbende Himmel -

Alt ist der Mond geworden.
Die Nacht wird nicht mehr wach.

Du erinnerst dich meiner kaum.
Wo soll ich mit meinem Herzen hin?

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August von Platen (1796-1835)

Du sprichst, dass ich mich täuschte...

Du sprichst, dass ich mich täuschte,
Beschwörst es hoch und hehr,
Ich weiß ja doch, du liebtest,
Allein, du liebst nicht mehr!

Dein schönes Auge brannte,
Die Küsse brannten sehr,
Du liebtest mich, bekenn es,
Allein, du liebst nicht mehr!

Ich zähle nicht auf neue,
Getreue Wiederkehr:
Gesteh nur, dass du liebtest,
Und liebe mich nicht mehr!

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Friedrich Rückert (1788-1866)

Wo Mittagsgluten brüten...

Wo Mittagsgluten brüten auf den Talen,
Und ohne Regung stehn des Berges Eichen,
Am Weg der Kirsche Wangen rot sich malen,
Und sanft am Abhang Sommersaaten bleichen;

Heb’ ich mich hin zu meiner Liebe Reichen
Auf alten Pfaden aber-, abermalen,
Stets hoffend auch mit meiner Inbrunst Qualen
Mein Ziel als wie der Sommer zu erreichen.

Doch eh’ ich auch nur eines Keimchens Schimmer
Entlocken kann, ist mir der Tag zerronnen,
Kalt geh' ich mit der kalten Nacht von hinnen

Und schwör’s beim blassen Mond: Nun kehr’ ich nimmer!
Doch ach, schon morgen sehn die glüh’nden Sonnen
Den neuen Kreislauf glühend mich beginnen.

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Friedrich Wilhelm Wagner (1892-1931)

An eine frühere Geliebte

So heiße Blicke irrten hin und her.
Und Hände zitterten und schwer
Fielen die Worte in den Lärm der vielen

Verworrnen Stimmen und der Instrumente.
Mir war, als riefen deine blassen Hände
Mich wie dereinst zu süßen Liebesspielen.

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