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Wilhelm Jensen (1837-1911)

Und wieder ist's des Sommers Geisterstunde ...

Und wieder ist's des Sommers Geisterstunde,
Da stumm das Haus im heißen Mittag schweigt,
Geschloss'ne Läden füll'n die Saalesrunde
Mit goldnem Dämmern; nur, von Laub umzweigt,
Trägt fernher durch des Nebenraumes Dunkel
Ein Fenster blitzend sonnengrünes Licht:
Kein Schall, kein Regen in dem Glanzgefunkel,
Das wie von ausgestorbnem Leben spricht.

Und schön und schaurig fühlt mein eignes Leben
Sich angerührt von leisem Geisterstab:
Ein Kommen ist's, ein Schwinden und ein Schweben
In jenen stillen Strahlen auf und ab.
Ein Nichts, und alles, was ich je besessen,
In mir, und doch zugleich unendlich fern,
Ein Allgedenken und ein Allvergessen,
Ein Lebenstraum auf einem andern Stern.

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