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Friedrich Stoltze (1816-1891)

Weihnachtslied

Und zögst du tausend Meilen weit
In alle Welt hinaus,
Und kommt die liebe Weihnachtszeit,
Du wolltst, du wärst zu Haus!
Die Nachtigall, so süß sie singt,
Weckt Sehnsucht nicht so sehr,
Als wenn das Weihnachtsglöckchen klingt
Von deiner Heimat her.

Da fällt dir mit dem Tannenbaum
Und mit dem Lichterschein
Der ganze schöne, goldne Traum
Von deiner Kindheit ein.
Es wird dir so erinnerungsmild,
Die Tränen kommen schier,
Und manches liebe Menschenbild
Tritt vor die Seele dir.

Und mancher, der dir teuer war
Und Gutes dir erzeigt,
Der schläft nun auch schon manches Jahr:
Die Erde sei ihm leicht!
Und wem du in der Heimat bist
In Liebe zugetan,
Dem stecktest du zum Heilgen Christ
Gern auch ein Lämpchen an.

Und bist geschieden du in Groll,
Heut tut dirs doppelt leid
Und denkst nach Haus wohl wehmutsvoll:
Das macht die Weihnachtszeit!
Denn bittrer ist die Fremde nicht,
Als in der Weihnachtslust,
Wo du, ein unbekannt Gesicht,
Beiseite treten musst.

Drum zögst du tausend Meilen weit
In alle Welt hinaus,
Und kommt die liebe Weihnachtszeit,
Du wolltst, du wärst zu Haus!
Die Nachtigall, so süß sie singt,
Weckt Sehnsucht nicht so sehr,
Als wenn das Weihnachtsglöckchen klingt
Von deiner Heimat her.

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