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Hermann Löns (1866-1914)

Flugsand

Du lange, gelblichgraue Düne,
Du weites, graulichblaues Meer,
Es zuckt um meine ernste Miene
Der Dünenhafer hin und her;
Stilleinsamkeit, du spendest süße
Gefühle, lang nicht mehr gekannt,
Ich recke mich, auf meine Füße
Rinnt leis herab der gelbe Sand.

Du gelber Sand, woher getrieben
Hat dich des Windes Leidenschaft?
Wohin du fällst, da muss zerstieben,
Verwelken, dörren Saft und Kraft;
Wo sind die Städte, handelsprächtig,
Gelegen an der Ostsee Strand,
Es schrie der Nordwind, todesmächtig,
Und drüber fiel der gelbe Sand.

Es stand noch gestern, wo ich liege,
Der Möwe Nest, ein kleines Glück,
Es sucht die heuumkränzte Wiege
Vergebens heut' mein scharfer Blick;
Nach ihrem Neste schreit die Möwe
Von Strand zu Land, von Land zu Strand,
Es reckte sich der gelbe Löwe
Und drüber fiel der gelbe Sand.

Altpreußens Helden, die vor Tagen
Einst friedlich dieses Land bebaut,
Die Ordensritter, die erschlagen
Das Friedvolk unter Psalmenlaut,
Die Pommern, Polen und nach Jahren
Napoleon, als sein Grab er fand,
Wohin sind alle sie gefahren?
Stillschweigen. Darüber liegt der Sand.

Auch ich, noch jetzt so lebensmunter,
Kein Plan zu kühn, kein Wunsch zu schwer,
Von Westen steigt der Tod herunter,
Ein Ruck, ein Stoß, ich bin nicht mehr;
Und all' mein Jauchzen, all' mein Klagen,
Ein Traum, schon morgen unbekannt,
Mein Schaffen, Dichten, Tun und Sagen,
Es rollt darüber gelber Sand.

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Christian Morgenstern (1871-1914)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/morgenstern.php

Schicksals-Spruch

Unhemmbar rinnt und reißt der Strom der Zeit,
in dem wir gleich verstreuten Blumen schwimmen,
unhemmbar braust und fegt der Sturm der Zeit,
wir riefen kaum, verweht sind unsre Stimmen.
Ein kurzer Augenaufschlag ist der Mensch,
den ewige Kraft auf ihre Werke tut;
ein Blinzeln - der Geschlechter lange Reihn,
ein Blick - des Erdballs Werden und Verglut.

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Christian Morgenstern (1871-1914)

Schauder

Jetzt bist du da, dann bist du dort.
Jetzt bist du nah, dann bist du fort.
Kannst du’s fassen? Und über eine Zeit
gehen wir beide die Ewigkeit
dahin - dorthin. Und was blieb?...
Komm, schließ die Augen, und hab mich lieb!

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Martin Opitz (1597-1632)

Schönheit dieser Welt vergehet

Schönheit dieser Welt vergehet,
Wie ein Wind, der niemals stehet,
Wie die Blume, so kaum blüht,
Und auch schon zur Erden sieht,
Wie die Welle, die erst kimmt
Und den Weg bald weiter nimmt.
Was für Urteil soll ich fällen?
Welt ist Wind, ist Blum und Wellen.

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Joachim Ringelnatz (1883-1934)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/ringelnatz.php

Kniebeuge

Kniee - beugt!
Wir Menschen sind Narren.
Sterbliche Eltern haben uns einst gezeugt.
Sterbliche Wesen werden uns später verscharren.
Schäbige Götter, wer seid ihr? und wo?
Warum lasset ihr uns nicht länger so
Menschlich verharren?
Was ist denn Leben?
Ein ewiges Zusichnehmen und Vonsichgeben. -
Schmach euch, ihr Götter, dass ihr so schlecht uns versorgt,
Dass ihr uns Geist und Würde und schöne Gestalt nur borgt.
Eure Schöpfung ist Plunder,
Das Werk sodomitischer Nachtung.
Ich blicke mit tiefster Verachtung
Auf euch hinunter.
Und redet mir nicht länger von Gnade und Milde!
Hier sitze ich; forme Menschen nach meinem Bilde.
Wehe euch, Göttern, wenn ihr uns drüben erweckt!
Beine streckt!

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Jesajas Rompler von Löwenhalt (1605-1674)

Spruch

Die Zeit ist schnell, das Leben blöd;
Der Weg ist schmal, die Welt ist schnöd;
Das Fleisch ist schwach, der Feind ein Wicht;
Der Tod gewiss, die Stund doch nicht:
Mensch, rüst dich fein bei rechter Zeit,
Denk immer an die Ewigkeit.

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Guido Heinrich Schenk (geb. 1986), www.gedankenblick-lyrik.de

Wurzeln

Es sinkt hernieder das fahle Laub
Mir ward vergessen ich bin wie taub
Ich wollt’ verstehen die bunte Welt
Und seh’ hinunter wie Totes fällt

Ich geh’ verlassen durch weite Flur
In mir vergangen die stille Uhr
Sie läuft unendlich doch ohne Ton
Und gibt letztendlich mir diesen Hohn

Dort steht vertrocknet der alte Baum
Schenkt sich nocheinmal den gold’nen Saum
Ich seh’ zum Himmel und spür’ die Zeit
Und schrei’ unstillbar ins Blau so weit

Es hört mich niemand so geb’ ich auf
Fügt sich mein Schicksal dem eig’nen Lauf
Leg’ mich nach unten zum fahlen Laub
Und hör’ nun endlich ich bin doch taub

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William Shakespeare (1564-1616)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/shakespeare.php

Sonett LXV

Wenn Erz, Stein, Erde, weite Meeresflut
Der trüben Sterblichkeit Gewalten weicht;
Wie mäße Schönheit sich mit solcher Wut,
Sie, deren Kraft der Blume Kräften gleicht?
O, wie soll Sommers honigsüßer Flor
Verwüsterischer Jahre Sturm bestehn,
Wenn weder Urgebirg noch Eisentor
So mächtig sind, dem Wandel zu entgehn?
Furchtbare Vorstellung! Wo soll vorm Sarge
Der Zeit ihr best Juwel gesichert sein?
Wer hält am schnellen Fuß zurück die arge?
Wer steuert ihren Schönheitsräuberein?
O, niemand: wird dies Wunder nicht gewährt,
Dass dunkle Tinte hell den Freund verklärt.

(aus dem Englischen von Gottlob Regis)

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Percy Bysshe Shelley (1792-1822)

Wechsel

Wir gleichen Wolken, die den Mond verhüllen;
Wie blinkend sie in rastlos ziehnder Jagd
Mit streifigem Licht die Dunkelheit erfüllen,
Doch bald auf ewig schwinden in die Nacht!

Dem Saitenspiele auch, verstimmt, verschollen,
Dem jeder Wind entlocket andern Ton,
Und dem beim nächsten Hauche nie entquollen
Derselbe Klang, der eben ihm entflohn.

Wir ruhn - ein Traum kann unsern Schlaf vernichten;
Wir wachen - ein Gedanke trübt den Tag;
Wir fühlen, lachen, weinen, denken, dichten,
In Weh und Jubel bebt des Herzens Schlag:

Es bleibt sich gleich! - Der Freude wie den Sorgen
Ist stets zum Flug die Schwinge ausgespannt;
Des Menschen Gestern gleichet nie dem Morgen,
Und nichts als nur der Wechsel hat Bestand.

(aus dem Englischen von Adolf Strodtmann)

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Theodor Storm (1817-1888)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/theodor_storm.php

Lied des Harfenmädchens

Heute, nur heute
Bin ich so schön;
Morgen, ach morgen
Muss alles vergehn!

Nur diese Stunde
Bist du noch mein;
Sterben, ach sterben
Soll ich allein.

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Georg Trakl (1887-1914)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/georg_trakl.php

Rondel

Verflossen ist das Gold der Tage,
Des Abends braun und blaue Farben:
Des Hirten sanfte Flöten starben
Des Abends blau und braune Farben
Verflossen ist das Gold der Tage.

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Paul-Marie Verlaine (1844-1896)

Es glänzt der Himmel...

Es glänzt der Himmel über dem Dach
So blau, so stille.
Ein Baum wiegt draußen über dem Dach
Der Blätter Fülle.

Eine Glocke im Himmel, den du siehst,
Hörst sanft du klingen,
Einen Vogel auf dem Baum, den du siehst,
Seine Klage singen.

Mein Gott! Mein Gott! Das Leben fließt dort
Ohne Leiden und Härmen,
Vom Städtchen kommt mir herüber dort
Ein friedliches Lärmen.

Und du dort, der weint bei Tag und Nacht
In schmerzlicher Klage,
O sage mir du dort, wie hast du verbracht
Deine jungen Tage?

(aus dem Französischen von Wolf von Kalckreuth)

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Wang We (gestorben ca. 756)

Herbstabend im Gebirge

Im stillen Bergtal hat es frisch geregnet.
Die Abendluft ist herbstlich kühl und rein.
Der lichte Mond scheint durch die Kiefernzweige.
Der klare Quell fließt über das Gestein.

Der Bambus raschelt unter Mädchentritten.
Der Lotos schwankt von einem Fischerkahn.
Im Augenblick ist Frühlingsduft zu Ende.
Nun fängt für dich die lange Ruhe an.

(aus dem Chinesischen von Richard Wilhelm)

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