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Freundschaftsgedichte

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Freundschafts-Balladen
Freundschaftssprüche
Gedichte an Freunde
Lobpreis der Freundschaft
Über Freundschaft
Wert der Freundschaft

 

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Friedrich von Bodenstedt (1819-1892)

Freundschaft

Wenn Jemand schlecht von deinem Freund spricht,
Und scheint er noch so ehrlich: glaub' ihm nicht!
Spricht alle Welt von deinem Freunde schlecht:
Misstrau' der Welt und gib dem Freunde Recht!
Nur wer so standhaft seine Freunde liebt,
Ist wert, dass ihm der Himmel Freunde gibt.
Ein Freundesherz ist ein so selt'ner Schatz,
Die ganze Welt beut nicht dafür Ersatz;
Ein Kleinod ist's voll heil'ger Wunderkraft,
Das nur bei festem Glauben Wunder schafft -
Doch jedes Zweifels Hauch trübt seinen Glanz,
Einmal zerbrochen wird's nie wieder ganz.
Drum: wird ein solches Kleinod dir beschert,
O trübe seinen Glanz nicht, halt es wert!
Zerbrich es nicht! Betrachte alle Welt
Als einen Ring nur, der dies Kleinod hält,
Dem dieses Kleinod selbst erst Wert verleiht,
Denn wo es fehlt, da ist die Welt entweiht.
Doch würdest du dem ärmsten Bettler gleich,
Bleibt dir ein Freundesherz, so bist du reich;
Und wer den höchsten Königsthron gewann
Und keinen Freund hat, ist ein armer Mann.

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Simon Dach (1605-1659)

Der Mensch hat nichts so eigen...

Der Mensch hat nichts so eigen,
So wohl steht ihm nichts an,
Als dass er Treu erzeigen
Und Freundschaft halten kann;
Wann er mit seinesgleichen
Soll treten in ein Band,
Verspricht sich nicht zu weichen
Mit Herzen, Mund und Hand.

(Ausschnitt; zum kompletten Text.)

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Emanuel Geibel (1815-1884)

Die beiden Engel

O kennst du, Herz, die beiden Schwesterengel,
Herabgestiegen aus dem Himmelreich:
Stillsegnend Freundschaft mit dem Lilienstengel,
Entzündend Liebe mit dem Rosenzweig?

Schwarzlockig ist die Liebe, feurig glühend,
Schön wie der Lenz, der hastig sprossen will;
Die Freundschaft blond, in sanftern Farben blühend,
Und wie die Sommernacht so mild und still;

Die Lieb' ein brausend Meer, wo im Gewimmel
Vieltausendfältig Wog' an Woge schlägt;
Freundschaft ein tiefer Bergsee, der den Himmel
Klar widerspiegelnd in den Fluten trägt.

Die Liebe bricht herein wie Wetterblitzen,
Die Freundschaft kommt wie dämmernd Mondenlicht;
Die Liebe will erwerben und besitzen,
Die Freundschaft opfert, doch sie fordert nicht.

Doch dreimal selig, dreimal hoch zu preisen
Das Herz, wo beide freundlich eingekehrt,
Und wo die Glut der Rose nicht dem leisen,
Geheimnisvollen Blühn der Lilie wehrt!

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803)

Liebe und Freundschaft

Liebe, weg! Du zankst dich nur,
Bist nur immer eifersüchtig!
Siehst nur immer nach der Uhr,
Bist, wie ihre Stunden, flüchtig!

Freundschaft, bleib'! Du zankst dich nicht,
Bist nicht immer eifersüchtig!
Siehst ins helle Sonnenlicht,
Bist nicht unstet, bist nicht flüchtig!

Komm' und sitz' auf meinem Schoß,
Herrsch' in meinem kleinen Staate! -
Wie werd' ich die Liebe los?
Rate, liebe Freundschaft, rate!

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Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/goethe.php

An den Mond

Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;

Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.

Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh' und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud und Schmerz
In der Einsamkeit.

Fließe, fließe, lieber Fluss!
Nimmer werd ich froh,
So verrauschte Scherz und Kuss,
Und die Treue so.

Ich besaß es doch einmal,
Was so köstlich ist!
Dass man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergisst!

Rausche, Fluss, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu,

Wenn du in der Winternacht
Wütend überschwillst
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.

Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Hass verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,

Was, von Menschen nicht gewusst
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.

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Johann Christian Günther (1695-1723)

Ein guter Freund das beste Vergnügen

Mein Vergnügen heißt auf Erden
Ein vertrauter Freund allein;
Wenn ich den kann habhaft werden,
So stimmt Herz und Lippen ein,
Und die Losung ist das Pfand:
Freundschaft ist das schönste Band.

Hier gibt sich ein holdes Gosen
Tausendfacher Anmut an,
Wo man stets die Zuckerrosen
Der Vergnügung brechen kann,
Und ein recht gelobtes Land:
Freundschaft ist das schönste Band.

Strebt vor mir nach eitlem Gute,
Blinde Toren, spat und früh!
Mir ist gar nicht so zu Mute,
Dies verlohnt sich wohl der Müh.
Was ist Geld? Ein glatter Sand.
Freundschaft ist das schönste Band.

Andre mögen sich mit Sorgen
Um des andern Gunst bemühn
Und vom Abend bis an Morgen
An dem Liebesjoche ziehn.
Mir beliebt kein solcher Tand:
Freundschaft ist das schönste Band.

Lieben ist ein stets Leiden,
Das manch heimlich Weh gebiert
Und bei seinen seltnen Freuden
Tausend Kummer mit sich führt,
Ein vermyrther Zuckerkand:
Freundschaft ist das schönste Band.

Freundschaft kann aus allen Sachen,
Wenn der Liebe Garn zerreißt,
Honigseim aus Wermut machen,
Der mit lauter Anmut speist;
Sie hast allen Unbestand:
Freundschaft ist das schönste Band.

An ihr treff ich aller Orten
Ein so groß Vergnügen an,
Das ich gar mit keinen Worten
Nicht genung beschreiben kann.
Dieses Kleinod stiehlt niemand:
Freundschaft ist das schönste Band.

Nichts soll meinen Sinn besiegen,
Wahre Freundschaft soll allein
Auf der Welt hier mein Vergnügen
Und der stete Wahlspruch sein,
Der mir allen Harm entwand:
Freundschaft ist das schönste Band.

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Johann Gottfried Herder (1744-1803)

An die Freundschaft

Heil'ge Freundschaft, die auf Engelsflügeln
Sich emporschwang zu den sel'gen Hügeln,
Unser Erdenland verließ
Und ging auf ins Väterparadies,

Wo sie noch aus guten Mutterhänden
Uns ihr Kind zuweilen her will senden,
Liebe, die auch irre geht
Und für Treue öfters Reu empfäht –

Holde Freundschaft, kehr, o kehre wieder,
Hand und Herzen bindend, zu uns nieder!
Ohne Dich ist Alles leer,
Auch die Liebe selbst nicht Liebe mehr.

Wenn Du Dich uns länger, länger raubest
Und Dein Bild dem süßen Trug erlaubest,
O, so wird Dein Menschenreich
Bald dem wüsten, wilden Chaos gleich.

(Nach dem Spanischen.)

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Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/lessing.php

Erwarte nicht ein täuschend Wortgepränge...

Erwarte nicht ein täuschend Wortgepränge,
Für unsre Freundschaft viel zu klein.
Empfindung hasst der Reime kalte Menge,
Und wünscht unausposaunt zu sein.

(Aus: Abschied eines Freundes)

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Gottlieb Konrad Pfeffel (1736-1809)

Die Freundschaft

An Zoe

Zeus gab an einem Galatage
In seinem blauen Sternensaal
Dem Götterchor ein Mittagsmahl,
So recht nach altem deutschen Schlage.
Erbaulich war Prinz Ganymed
Mit seinem Becher anzusehen;
Er musste stets, wie ein Planet,
Sich um die runde Tafel drehen:
Auch wies der Nektar seine Kraft;
Die Damen lüfteten das Mieder
Und Zeus, beim Klange froher Lieder,
Trank mit den Herren Brüderschaft
Und küsste sie mit heißem Munde.
Herr Momus, dem, wie jeder weiß,
Nichts recht ist, machte seine Runde
Und nahte höhnisch sich dem Kreis:
Darf ich, o Jupiter, es wagen
Ein kleines Wörtchen dich zu fragen? ...
»Laß hören, Herr geheimer Rath!«
Da doch der Krieg, der Sturm, die Liebe,
Die Reimer, Ärzte, Kuppler, Diebe,
Kurz alles seine Gottheit hat;
So möcht ich unmaßgeblich wissen,
Warum wir wohl an deinem Hof
Der Freundschaft Göttin bloß vermissen?
Zum Glück bin ich kein Philosoph,
Sonst würd ich aus dem Umstand schließen,
Dass Wesen aus der Oberwelt
Zur Freundschaft nicht gestimmt sein müssen;
Allein das Gegenteil erhellt
Aus euren brüderlichen Küssen.
Beim Styx! rief Zeus, dass Tisch und Saal
Vom Schwur erbebten, diesesmal
Hat Momus Recht! Ihr Herrn, ich dächte,
Wir hälfen stracks dem Mangel ab.
Er sprach es und erhob die Rechte,
Die der Natur ihr Dasein gab.
Flugs stand ein Bild, die holdste Dirne,
Die der Olymp noch werden sah,
Mit Venus Reiz, mit Lunens Stirne
Und Pallas stiller Würde da.
Ha bravo! rief der helle Haufen.
Sie kommen in gedrängten Reihn
Der neuen Schwester zugelaufen
Und weihen sie mit Küssen ein.
Zeus macht sie sich zur Seite sitzen,
Drückt zehnmal ihr die weiße Hand,
Und tändelt mit des Halstuchs Spitzen.
Frau Juno roch die Lunte gleich;
Sie zittert, wird bald rot, bald bleich,
Und raunt den Schwestern in die Ohren.
Im Hui entspinnt sich ein Komplott;
Der Schönen wird der Sturz geschworen;
Und kurz, man zwang den armen Gott,
Durch List und Lärm, nach wenig Tagen
Die Freundschaft von Olymp zu jagen.
Sie flieht ins Tal der Sterblichkeit,
Besucht verkappt die niedern Dächer,
Und mischet in den Wermutsbecher
Des Lebens hohe Seligkeit.
Auch mir erschien sie im Gefilde
Des Jammers unter deinem Bilde,
O Zoe! Segnend schloss ich dich
In meinen Arm, da schwand mein Leiden.
Hört auf die Götter zu beneiden,
Ihr Sterblichen, beneidet mich.

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Friedrich von Schiller (1759-1805)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/schiller.php

Die Freundschaft

Freund! genügsam ist der Wesenlenker –
Schämen sich kleinmeisterische Denker,
Die so ängstlich nach Gesetzen spähn –
Geisterreich und Körperweltgewühle
Wälzet eines Rades Schwung zum Ziele,
Hier sah es mein Newton gehn.

Sphären lehrt es, Sklaven eines Zaumes,
Um das Herz des großen Weltenraumes
Labyrinthenbahnen ziehn –
Geister in umarmenden Systemen
Nach der großen Geistersonne strömen,
Wie zum Meere Bäche fliehn.

Wars nicht dies allmächtige Getriebe,
Das zum ewgen Jubelbund der Liebe
Unsre Herzen aneinander zwang?
Raphael, an deinem Arm – o Wonne!
Wag auch ich zur großen Geistersonne
Freudigmutig den Vollendungsgang.

Glücklich! glücklich! Dich hab ich gefunden,
Hab aus Millionen dich umwunden,
Und aus Millionen mein bist du –
Lass das Chaos diese Welt umrütteln,
Durcheinander die Atomen schütteln:
Ewig fliehn sich unsre Herzen zu.

Muss ich nicht aus deinen Flammenaugen
Meiner Wollust Widerstrahlen saugen?
Nur in dir bestaun ich mich –
Schöner malt sich mir die schöne Erde,
Heller spiegelt in des Freunds Gebärde,
Reizender der Himmel sich.

Schwermut wirft die bange Tränenlasten,
Süßer von des Leidens Sturm zu rasten,
In der Liebe Busen ab; –
Sucht nicht selbst das folternde Entzücken
In des Freunds beredten Strahlenblicken
Ungeduldig ein wollüstges Grab? –

Stünd im All der Schöpfung ich alleine,
Seelen träumt' ich in die Felsensteine
Und umarmend küsst' ich sie –
Meine Klagen stöhnt' ich in die Lüfte,
Freute mich, antworteten die Klüfte,
Tor genug! der süßen Sympathie.

Tote Gruppen sind wir – wenn wir hassen,
Götter – wenn wir liebend uns umfassen!
Lechzen nach dem süßen Fesselzwang –
Aufwärts durch die tausendfache Stufen
Zahlenloser Geister, die nicht schufen,
Waltet göttlich dieser Drang.

Arm in Arme, höher stets und höher,
Vom Mongolen bis zum griechschen Seher,
Der sich an den letzten Seraph reiht,
Wallen wir, einmütgen Ringeltanzes,
Bis sich dort im Meer des ewgen Glanzes
Sterbend untertauchen Maß und Zeit. –

Freundlos war der große Weltenmeister,
Fühlte Mangel – darum schuf er Geister,
Selge Spiegel seiner Seligkeit! –
Fand das höchste Wesen schon kein gleiches,
Aus dem Kelch des ganzen Seelenreiches
Schäumt ihm – die Unendlichkeit.

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Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)

Freundschaft

Freundschaft, Himmelstochter,
Komm und höre mich!
Im geweihten Liede
Göttin, sing ich dich.
Lass von Sympathieen
Meine Seele glühen,
Dass von deinem Licht erhellt,
Dir das Lied gefällt.

In der Wüste trauernd
Hat ein Menschenfreund
Einstens vor dem Himmel
Seinen Gram geweint:
"Schöpfer meines Herzens,
Kenner meines Schmerzens,
Sprich, was soll dies Zittern hier,
Dieser Drang in mir?

Löw' und Wolf und Tiger,
Wild und zahmes Vieh
Haben für mich Armen
Keine Sympathie.
Felsen, Berge, Meere
Füllen nicht die Leere,
Hellen nicht die Dunkelheit,
Die mein Herz entweiht."

Gott der Menschenvater
Hört den Klager an;
Und, mit Himmelsklarheit
Lieblich angetan,
Kam zum Menschenfreunde,
Der in Wüsten weinte,
Freundschaft. - Groß und gut und mild
War der Göttin Bild.

Ihre Lippe hauchte
Sanft ins Menschenherz
Mitgefühl für Freude,
Mitgefühl für Schmerz;
Seelen wurden Flammen,
Schlangen sich zusammen,
Und zum Herzenbilder drang
Nun ein Zweigesang.

Freundschaft macht die Menschen
Gottes Engeln gleich,
Macht sie froh im Kummer,
In der Armut reich;
Und an ihrem Stabe
Wandeln wir zum Grabe,
Sprechen zu dem Freunde: dort
Daurt die Freundschaft fort.

Freunde, stark und dauernd
Wie die Ewigkeit
Ist die Brudertreue,
Die ich Euch geweiht.
Macht nicht Mädchenliebe
Oft das Leben trübe?
Nur die Freundschaft hat allein
Ewig Sonnenschein.

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Elise Sommer (1767- ?)

An die Freundschaft

Du Tochter des Himmels, aus Eden gesandt,
Du führst uns am seidenen rosigen Band,
Du linderst die Wehen, du scheuchest den Schmerz,
Strömst himmlische Ruhe ins zagende Herz.

Schon stand ich am Abgrund, schon wankt’ ich heran,
Da fasstest du, himmlische Göttin, mich an!
"Was bebst du? was zagst du? komm, gib mir die Hand,
Ich führe dich glücklich ins bessere Land!"

Wohl schwand mir der Abgrund, mein Lichtkreis ward hell;
Ich schöpfte aus deinem allmächtigen Quell:
Dahin schwand der Kummer, wie Missmut und Graus,
Du söhntest mit Menschen und Schicksal mich aus.

Dass nun auch im Sturme mein Haupt sich erhebt,
Dass Hoffnung mich golden und lachend umschwebt,
Dass Selbstgefühl stolz meine Seele durchdringt,
Die Freundschaft zu Freuden und Scherzen mir winkt,

Und dass mich nun wieder die liebe Natur
Umarmet auf blühender, lachender Flur,
Mir duften die Blüten, und rieselt der Bach,
Mir hallet das Echo im Felsgeklüft nach,

Mich kühlet der Abend, mit Perltau bekränzt,
Wenn hoch in den Wolken der Liebe Stern glänzt,
Mir schimmert im Strahle des Mondes so hell
Das Silbergestäube im sprudelnden Quell;

Dies dank' ich dir, Freundschaft! dir huld’ge ich laut!
Nicht zärtlicher liebt den Verlobten die Braut,
Als deine Geweihte dich, Freundschaft, verehrt;
Du hast mich die Toren verachten gelehrt!

Und wenn dann nun einmal mein seliger Geist
Voll Jubels die irdische Hülle zerreißt,
Dann schwebst du entgegen im Palmenhain mir,
Wir lieben uns höher und reiner, als hier!

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Christoph August Tiedge (1752-1841)

Das Heil der Freundschaft...

Das Heil der Freundschaft ist die heiligste der Gaben;
Nichts Heiligers konnt' uns ein Gott verleihn;
Und einen Freund kann Jeder haben,
Der würdig ist, ein Freund zu sein.
Jedoch wer Engel sucht in dieses Lebens Gründen,
Der findet nie, was ihm genügt.
Wer Menschen sucht, der wird den Engel finden,
Der sich an seine Seele schmiegt.

(aus dem Gedicht "An Gleim")

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Georg Trakl (1887-1914)
www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/georg_trakl.php

Abend in Lans

Wanderschaft durch dämmernden Sommer
An Bündeln vergilbten Korns vorbei. Unter getünchten Bogen,
Wo die Schwalbe aus und ein flog, tranken wir feurigen Wein.

Schön: o Schwermut und purpurnes Lachen.
Abend und die dunklen Düfte des Grüns
Kühlen mit Schauern die glühende Stirne uns.

Silberne Wasser rinnen über die Stufen des Walds,
Die Nacht und sprachlos ein vergessenes Leben.
Freund; die belaubten Stege ins Dorf.

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Johann Heinrich Voß (1751-1826),

Freundschaftsbund

Im Hut der Freiheit stimmet an
Voll Ernst der Freundschaft Lied!
Der ist, bei Gott! kein Ehrenmann,
Dem hier sein Herz nicht glüht!
Die Freundschaft stärkt in Freud' und Not,
Und folgt durch Leben und durch Tod!

Erbarmend sah des Lebens Müh
Der Menschen Vater, schwieg,
Erschuf die Freundschaft, wog; und sieh,
Des Elends Schale stieg.
Da sprach der Vater: Es ist gut!
Und alles Leben hauchte Mut.

Wohltun und Wohl empfangen, lehrt
Ein allgemeiner Bund.
Im Kerker ist die Spinn' uns wert,
Auf öder Flur ein Hund,
Ein Hühnchen, das gerufen kam,
Und Brot aus unsern Händen nahm.

Doch selig, teilt ein Menschenherz,
Verständig, gut und treu,
Voll Mitgefühls in Freud' und Schmerz,
Des Lebens Mancherlei:
Ein Freund, der sanft mit Rate nützt,
Und abends traulich bei uns sitzt!

Ach ohne Freund ist öd' und stumm
Das schönste Vaterland!
Doch blühen heißt Elysium
Ein Freund aus dürrem Sand!
Er schmaust mit uns auf grobem Zwilch,
Und würzt durch Liebe Frucht und Milch.

Einmütig hält auf Recht und Pflicht,
Und handelt, Freund und Freund;
Doch trägt man gern, und quält sich nicht,
Was jeder glaubt und meint.
Der zieht den Duft der Rose vor,
Der andre liebt den Nelkenflor.

Gedank' und Tat, und Ehr' und Glück
Vertraut man ohne Hehl;
Auch Schwachheit schaut des Freundes Blick:
Ihn irrt kein leichter Fehl.
Selbst herber Gram an Freundesbrust
Verweint sich bald in süße Lust.

Ein Herz und eine Seele sei
Mit seinem Freund der Freund:
Liebreich und wahrhaft, mild und frei,
In Fern' und Tod vereint!
Einst bringt, wer früher starb, in Glanz
Dem Brudergeist den Palmenkranz!

Entblößt das Haupt, ihr Freund', und weiht
Der Freundschaft diesen Trank!
Ihr toten Freunde, hört den Eid,
Einstimmend zum Gesang;
Und tröstet armer Fürsten Los,
Die nie des Freundes Arm umschloss!

Wir schütteln herzlich uns die Hand,
Und teilen Freud' und Not!
Sei dieser Kuss der Freundschaft Pfand
Durch Leben und durch Tod!
Wie David seinen Jonathan,
Und Voß dich, Stolberg, liebgewann!

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