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Text (<i></i>kennzeichnet kursive Textstellen): Otto Julius Bierbaum (1865-1910) Weihnachtslied Maria lag in großer Not, Mit Lumpen angetan, In einem Stall zu Bethlehem Und sah die Stunde nahn, Da sie ein Kindlein haben sollt. Der Himmel stand in lauter Gold; Da hub ein Singen an: "Süße Maria, sei getrost; Das um dich ist kein Stall. Blick um dich, allerholdste Frau, Und sieh die Gäste all, Die von weither gekommen sind, Dich zu begrüßen und dein Kind Mit Flöt- und Geigenschall." Und wie Marie ihr Haupt erhob, Oh Wunder, was sie sah: Es knieten auf der schlechten Streu Drei goldne Könige da, Und, wie wenns ihr Gefolge wär, Ein Heer von Engeln stand umher Und sang Hallelujah. Es war ein Licht und war ein Glanz, Wie sie es nie gesehn, Und vor den Türn und Fenstern war Ein Auf- und Niedergehn, Als ging die ganze Welt vorbei; Da hört sie einen leisen Schrei: Da war das Glück geschehn. Maria strahlte wie ein Stern Und hob das Kind empor; Das war so hold und engelschön, Wie nie ein Kind zuvor. Die Wände sanken, und die Welt, Die weite Welt war rings erhellt, Und alles sang im Chor: "O seht die Blume, die da blüht, Die Blume weiß und rot! Der Kelch ist von der Lilie, Ein Herz darinnen loht. Nun ist die ganze Erde licht, Wir fürchten Schmerz und Trauern nicht Und fürchten nicht den Tod. Die Blüte leuchtet uns den Tag, Und es versank die Nacht, Und aus der Blüte wird die Frucht, Die Alle fröhlich macht; Die Frucht, die Allen Nahrung gibt, Der Mensch, der alle Menschen liebt: Die Liebe ist erwacht." Der Chor verklang. Es sank der Stall In braune Dunkelheit. Maria gab dem Kind die Brust. Still ward es weit und breit. Da ward Marien im Herzen bang, Sie küsst ihr liebes Kindlein lang, Ihr tat ihr Kindlein leid.
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