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Erich Mühsam (1878-1934) · Titel: 1 2 · Beliebteste

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An der Liebe Niederlagen...

An der Liebe Niederlagen
lässt der Dichter Lieder nagen.

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Trennungssprüche

 
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Babette

Folg mir in mein Domizil,
liebes Kind, und frag nicht viel.
Wirst schon alles lernen,
wirst schon alles sehn,
liest nicht in den Sternen,
was dir heut noch alles kann für Heil geschehn.

Stehst herum in Nacht und Wind.
Komm! Bei mir ist's warm, mein Kind.
Geb dir einen Taler,
koch dir ein Glas Tee.
Einen Emmentaler
essen wir selbander auf dem Kanapee.

Bleibst bei mir bis früh am Tag.
Geht dann jeder, wo er mag.
Ich zum Redaktöre,
du, wohin dich's treib.
Morgen küsst, ich schwöre,
dich mein guter Nachbar, ich des Nachbars Weib.

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Erotische und frivole Gedichte

 
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Christliche Liebe

Wieder zieh man einen Pfaffen
mangelhafter Sittlichkeit.
Denn er machte sich zu schaffen
mit der jungen Weiblichkeit.

Ja, es ist das Los der Frommen,
dass im Dienst der Liebe meist
sie vom rechten Wege kommen,
den ihr Amt sie wandeln heißt.

Liebe, sagen sie, sei Tugend -
doch sei Lieb auch Unmoral -
und liebt einer dann die Jugend,
gibt es vor Gericht Skandal.

Schwer fürwahr ist zu entwirren
dieses Zwiespalts Labyrinth;
und wenn schon die Hirten irren,
bleibt die Herde vollends blind.

Seltsam! Doch lehrt die Erfahrung,
dass das Volk es stets erkennt
ohne Pfaffenoffenbarung,
wann man Liebe - Liebe nennt.

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Gedichte über die Liebe

 
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Das war das Fräulein Liebetraut...

Das war das Fräulein Liebetraut,
das an den Folgen einer Traube litt.
Quälend rumorten ihre Triebe laut,
weshalb sie schnell in jene Laube tritt.

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Lustige Sprüche

 
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Der Anarchisterich

War einst ein Anarchisterich,
der hatt den Attentatterich.
Er schmiss mit Bomben um sich rum;
es knallte nur so: bum bum bum.
Einst kam der Anarchisterich
an einen Schlosshof fürstelich,
und unterm Rock verborgen fein
trug er ein Bombombombelein.

Nach Haus kam Serinissimus,
sprach: Omnia nos wissimus,
und sprach viel weise Worte noch,
dass alles rings nach Weisheit roch.
Jedoch der Anarchisterich
mit seiner Bombe seitwärts schlich
und schmiss sie Serenissimo
unter den Rokokopopo.

Und rings war alles baß entsetzt,
Durchlaucht hat sich vor Schreck gesetzt,
indes der Anarchisterich
durch eine Seitentür entwich.
Nur einer sprang beherzt herbei,
zu helfen, was zu helfen sei.
Doch sprach er bleich: Volk, höre nur,
's ist 'ne Bomb-onniere nur.

Rings aber lag man auf dem Knie
und heulte, jammerte und schrie
und betete: Du lieber Gott,
schlag doch die Anarchisten tot!
Drum merk dir, Anarchisterich,
heil dich vom Attentatterich.
Kommst du zu Hofe fürstelich,
geht's fürder dir für-fürchterlich.

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Politische Humoresken

 
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Der Faulpelz

Otto, Otto, lerne!
Lerne dein Gedicht!
Tust du es nicht gerne,
Hilft's dir dennoch nicht.

In der Schule morgen
Weißt du dir es Dank. -
Otto sitzt in Sorgen
Auf der Gartenbank.

Otto sitzt in Kummer
Unterm Lindenbaum;
Und er sinkt in Schlummer,
Weiß es selber kaum.

Fanny und Lenore
Treiben mit ihm Spaß,
Kitzeln ihn am Ohre
Mit dem Zittergras.

Ottos Geist ist ferne,
Und er merkt es nicht; -
Otto, Otto, lerne!
Lerne dein Gedicht!

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Gedichte über das Aufwachsen

 
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Der kleine Kunstreiter

Max durfte in den Zirkus geh'n,
da gab es vielerlei zu seh'n:
Ganz große, wilde Tiere und
auch einen klugen Pudelhund,
der Karten legte - und ein Schwein,
das auf französisch "Oui" konnt' schrei'n.
Der dumme August macht' ihm Spaß,
der jedermann im Wege saß.
Besonders hat's ein Reitersmann
jedoch dem Mäxchen angetan.
Der stand auf seinem flinken Pferd
auf einem Bein und ritt verkehrt.
Dann war ein Seil da, das man schwang,
durch welches Ross und Reiter sprang.
Das war ein Kunststück - Donnerblitz! -
viel schöner noch als Augusts Witz ... .
Als Mäxchen dann nach Haus gekommen,
hat Gertruds Springtau er genommen.
Das gab er Fips und Stips ins Maul
und sattelte den Steckengaul.
Das Schwesterchen fasst an das Tau:
Nun, Mäxchen spring'! - Fips bellt: Wau, wau!
Die Schwester schwingt. - Max läuft. - Stips bellt. -
Nun, hops! - Max springt. Und - bums! - Er fällt.
Hier fliegt ein Schuh; da fliegt der Helm;
hier fliegt das Pferd; - da liegt der Schelm. -
Die Lehre hat dem Max gezeigt:
Kunstreiter sein ist nicht so leicht.

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Balladen für Kinder

 
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Der Revoluzzer

War einmal ein Revoluzzer
im Zivilstand Lampenputzer;
ging im Revoluzzerschritt
mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: "Ich revolüzze!"
Und die Revoluzzermütze
schob er auf das linke Ohr,
kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
mitten in der Straßen Mitten,
wo er sonsten unverdrutzt
alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
rupfte man die Gaslaternen
aus dem Straßenpflaster aus,
zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
schrie: "Ich bin der Lampenputzer
dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn' das Licht ausdrehn,
kann kein Bürger nichts mehr sehen.
Lasst die Lampen stehn, ich bitt! -
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!"

Doch die Revoluzzer lachten,
und die Gaslaternen krachten,
und der Lampenputzer schlich
fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
und hat dort ein Buch geschrieben:
nämlich, wie man revoluzzt
und dabei doch Lampen putzt.

(gewidmet der deutschen Sozialdemokratie)

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Politische Humoresken

 
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Die Ahnung

Ich trank meinen Morgenkaffee und ahnte nichts Böses.
Es klingelte. Ich ahnte noch immer nichts Böses.
Der Briefträger brachte mir ein Schreiben.
Nichts Böses ahnend, öffnete ich es.
Es stand nichts Böses darin.
Ha! rief ich aus. Meine Ahnung hat mich nicht betrogen.

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Über Humor und Verstand

 
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Die Tierphilosophen

Gott hatte die Welt für gut befunden
und verzog sich darauf für einige Stunden,
damit sich die Tiere der Zeiten bedächten,
womit sie die Zeit ihres Daseins verbrächten.
Die meisten besahen sich nur ihren Leib
und bestimmten darnach ihren Zeitvertreib.
Je, ob sie zwei-, vier- oder hundertbeinig,
war man sich schnell über alles einig.
Die wollten einzeln sein, die in Horden,
die wollten nach Süden gehen, die nach Norden -
die Vögel wollten in Lüften schweben,
die Würmer unter der Erde leben,
die Fische wollten im Wasser schwimmen,
die Gämsen hoch auf den Bergen klimmen,
und in kurzer Zeit hatten allesamt
einen Lebensplan und ein Weltenamt.
Und Gott sah hernieder zu seinem Volke
von seiner prächtigsten Purpurwolke.
Da sah er die Tiere schon alle am Werke
und freute sich seiner Schöpferstärke...
Nur eine Gruppe von seltsamen Vögeln
war noch dabei, ihren Weltplan zu regeln.
Das war die Familie der M a r a b u; -
Gott wunderte sich und sah ihnen zu.
Doch er vernahm kein Schnattern und kein Zanken, -
sie standen alle in tiefen Gedanken.
Es wusst noch keiner: sollten sie fliegen
oder sollten sie müßig im Wasser liegen?
Sollten sie Frösche und Kröten verzehren
oder sollten sie sich vegetarisch ernähren?
Sollten zum Schlaf sie im Wüstensand kauern
oder in Nestern an Kirchenmauern? ...

Sie senkten den Schnabel und hoben den Fuß, -
doch keiner kam zu einem Entschluss.
Da musste Gott sich denn selber bequemen,
den schwierigen Fall in die Hand zu nehmen.
Und er bedachte: den klügsten Geschöpfen
lastet stets der schwerste Verstand in den Köpfen
und lässt sie vor lauter Denken und Sinnen
nicht dazu kommen, ein Werk zu beginnen.
So sollten die Marabus mit ihrem Schweigen
der Welt ein Beispiel des Tiefsinns zeigen;
nicht hadern und zanken mit andern Tieren,
sondern allezeit nur philosophieren. --

Drum steht, den Schnabel tief gesenkt,
seitdem der Marabu und denkt,
und überlegt und sinnt und trachtet,
und wird von aller Welt geachtet.

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Durch Ekel fahr ich...

Durch Ekel fahr ich meinen Lebenskarren.
Der Kutschbock kracht. Es ist ein elend Holpern.
Die Gäule, die man Jahre heißt, sie stolpern
in faulem Trott, und alle Fugen knarren.

Aus ungeölten Speichen quiekt mein Gott -
kein Witz hilft, den ich in die Deichsel träufl! -
So klappert’s durch die Welt. - Als Hüh und Hott
keif peitschend ich den Mähren zu: Pfui Teufel!

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Gedichte vom Leben

 
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E. B.

Du bist nicht schön, und dennoch lieb ich dich.
Du lügst, und dennoch glaub ich deinen Worten.
Nie öffnest du mir deiner Gnadenpforten
Geheiligtes, und dennoch lockst du mich.
Warum verwirrst du, was mein Wesen ist,
machst meine Wege strauchelnd und gefährlich?
Weil du mir unergründlich, unerklärlich -
und dennoch aller Rätsel Lösung bist.

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Gedichte an geliebte Frauen

 
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Erziehung

Der Vater zu dem Sohne spricht:
Zum Herz- und Seelengleichgewicht,
zur inneren Zufriedenheit
und äußeren Behaglichkeit
und zur geregelten Verdauung
bedarf es einer Weltanschauung.
Mein Sohn, du bist nun alt genug.
Das Leben macht den Menschen klug,
die Klugheit macht den Menschen reich,
der Reichtum macht uns Herrschern gleich,
und herrschen juckt uns in den Knöcheln
vom Kindesbein bis zum Verröcheln.
Und sprichst du: Vater, es ist schwer.
Wo nehm ich Geld und Reichtum her?
So merk: Sei deines Nächsten Gast!
Pump von ihm, was du nötig hast.
Sei's selbst sein letzter Kerzenstumpen -
besinn dich nicht, auch den zu pumpen.
Vom Pumpen lebt die ganze Welt.
Glück ist und Ruhm auf Pump gestellt.
Der Reiche pumpt den Armen aus,
vom Armen pumpt auch noch die Laus,
und drängst du dich nicht früh zur Krippe,
das Fell zieht man dir vom Gerippe.
Drum pump, mein Sohn, und pumpe dreist!
Pump anderer Ehr, pump anderer Geist.
Was andere schufen, nenne dein!
Was andere haben, steck dir ein!
Greif zu, greif zu! Gott wird's dir lohnen.
Hoch wirst du ob der Menschheit thronen!

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Politische Gedichte

 
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Frühling

Das Fell der Erde schäumt in Wellen.
Aus Bäumen und aus Schollen quellen
des Frühlings Knospen auf wie Gischt. -
Dröhnt, Fluten - zischt!
Schlagt an die Dünen meiner Brust!
Treibt Frühlingsgrün aus meinen dürren Hängen!
Macht Leid zu Lust
und meine Liebe zu Gesängen!

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Frühlingsgedichte

 
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Grete

Als ich dich fragte: Darf ich Sie beschützen?
Da sagtest du: Mein Herr, Sie sind trivial.
Als ich dich fragte: Kann ich Ihnen nützen?
Da sagtest du: Vielleicht ein andres Mal.
Als ich dich bat: Ein Kuss, mein Kind, zum Lohne!
Da sagtest du: Mein Gott, was ist ein Kuss?
Als ich befahl: Komm mit mir, wo ich wohne! -
Da sagtest du: Na, endlich ein Entschluss!

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