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Johann Gottfried Herder (1744-1803) · Titel · Beliebteste

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Ein Traum ...

Ein Traum, ein Traum ist unser Leben
Auf Erden hier.
Wie Schatten auf den Wogen schweben
Und schwinden wir
Und messen unsre trägen Tritte
Nach Raum und Zeit;
Und sind (und wissen's nicht) in Mitte
Der Ewigkeit.

(1. Strophe aus "Amor und Psyche auf einem Grabmal".)

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Die Raupe und der Schmetterling

Freund, der Unterschied der Erdendinge
Scheinet groß und ist so oft geringe;
Alter und Gestalt und Raum und Zeit
Sind ein Traumbild nur der Wirklichkeit.

Träg und matt auf abgezehrten Sträuchen
Sah ein Schmetterling die Raupe schleichen,
Und erhob sich fröhlich, argwohnfrei,
Dass er Raupe selbst gewesen sei.

Traurig schlich die Alternde zum Grabe:
»Ach, dass ich umsonst gelebet habe!
Sterbe kinderlos und wie gering!
Und da fliegt der schöne Schmetterling.«

Ängstig spann sie sich in ihre Hülle,
Schlief, und als der Mutter Lebensfülle
Sie erweckte, wähnte sie sich neu,
Wusste nicht, was sie gewesen sei.

Freund, ein Traumreich ist das Reich der Erden.
Was wir waren, was wir einst noch werden,
Niemand weiß es; glücklich sind wir blind;
Lass uns Eins nur wissen: was wir sind.

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An die Bäume im Winter

Gute Bäume, die Ihr die starren, entblätterten Arme
Reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, Ihr müsst noch harren, Ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmige Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit grünendem Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harre geduldig, Herz, und birg in die Wurzel den Saft Dir!
Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor.

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Liebe

Hätt’ ich Menschen-, hätt’ ich Engelzungen,
Würde Gottes Lob von mir gesungen
Wie ein Sternen-, wie des Himmels Sang,
Und mir fehlete die Liebe,
Liebe, Liebe:
Ohne Dich sind meine Lieder toter Schellenklang!

Hätt’ ich Prophezeihung, alle Tiefen
Der Geheimnisse, Erkenntnistiefen,
Berge zu versetzen, hätt’ ich Macht,
Und mir fehlete die Liebe,
Liebe, Liebe:
Ohne Dich wär all mein Glaube, all mein Wissen Nacht!

Gäb’ ich Armen alle meine Habe,
Gäbe meinen Leib zur Gottesgabe
Preis dem Feuer, lachete der Glut,
Und mir fehlete die Liebe,
Liebe, Liebe:
Ohne Dich ist Tun und Leiden leere, blinde Wut!

Liebe, Du bist gütig, freundlich, milde,
Neidlos, eiferst nimmer toll und wilde,
Nimmer stolz und ungebärdig nie,
Nicht argwöhnisch, suchst das Meine,
Nicht das Deine:
Nur die Wahrheit, nicht die Lüge, Gutes freuet sie!

Alles deckt sie, glaubt sie, hofft sie, duldet,
Duldet Alles, was sie nie verschuldet.
Liebe, Du wirst bleiben, Du allein!
Alle Gaben werden schwinden,
Sprachen schwinden,
Alles Stückwerk der Erkenntnis: Liebe nur wird sein!

Stückwerk ist mein Wissen, mein Vergleichen;
Kommt das Ganze, muss das Stückwerk weichen;
Kind ist Kind und klügelt wie ein Kind.
Wird ein Mann an Kindereien
Sich erfreuen?
Er, ein Mann, ist männlicher gesinnt.

Jetzt im Rätsel, jetzt im dunkeln Spiegel,
Einst erscheinet uns der Wahrheit Siegel
Wirklich, Angesicht zu Angesicht:
Glaube bleibet, Hoffnung, Liebe,
Doch die Liebe
Ist die größte Aller, Liebe nur weicht nicht.

(Der zugrunde liegende Text ist Paulus Korintherbrief 1,13.)

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Der Augenblick

Warum denn währt des Lebens Glück
Nur einen Augenblick?
Die zarteste der Freuden
Stirbt wie der Schmetterling,
Der, hangend an der Blume,
Verging, verging.

Wir ahnen, wir genießen kaum
Des Lebens kurzen Traum.
Nur im unsel'gen Leiden
Wird unser Herzeleid
In einer bangen Stunde
Zur Ewigkeit.

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Eine feine, glatte Maus ...

Eine feine, glatte Maus
Suchte sich in stolzer Jugend
Eine Braut aus.
Und wie jeder Freier begann,
Fing sie hoch an:
"Meine Braut, sie sei von Tugend,
Schöne, Wärme, Wonne!
Kurz, sie sei die Jungfrau - Sonne!"
Eine Weile blieb sie stehn.
"Hör es, hohe Jungfrau Sonne!
Doch sie will es nicht verstehn,
Ist so stolz, hm! und so warm
Dünkt mich ihr im Arm.
Laß sie! ich will weiter gehn.
Die eben dort vorüberzieht
Und ebenso wie ich die stolze Sonne flieht
Und, wie ich merke, selbst die Sonne dämpft
Und mit ihr kämpft -
Sei, hohe Wolke, mir zur Braut
In Deinem Schoß vertraut!"
Die Wolke öffnet' ihren Schoß
Und regnete drauf los.
"Die hohe Braut ist nass,
Ein leckes Fass!"
Kurz, die klug gewaschne Maus
Ging in ihr Loch
Und sucht' sich eine Mäusin aus
Und hat sie noch.

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Die goldne Hochzeit

Vor manchen, manchen Jahren,
Als ich zuerst Dich sah,
War Deine Locke rabenschwarz,
Braun Deine Wange da.
Jetzt ist die Wange blässer,
Wie Silber glänzt Dein Haar,
Und dennoch bist Du lieber mir,
Ja lieber,
Als mir der Jüngling war.

Des Lebens schroffen Hügel
Erstiegen Hand in Hand
Wir, wie es Wind und Wetter gab,
Hin über Fels und Sand.
Jetzt ist der Abend milder,
Wir stiegen sanft hinab,
Und dort am Fuß erwartet uns
Zusammen
Ein Brautgemach, das Grab.

Wolauf, Ihr Söhn' und Töchter,
Singt unsern Hochgesang
Und streuet Myrten vor uns her
Den kurzen Weg entlang!
Und preiset jede Stunde,
Die uns der Himmel gab!
Je länger und je lieber,
Je lieber,
Umschatt' einst unser Grab!

(Nach dem Schottischen)

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An Herrn von Schardt

Wie bald, o Freund, wie bald ist es verschwunden,
Das lange Jahr mit seinen kurzen Stunden!
Was Dir einst Unlust, oft mir Sorge war,
Vorüber ist's, das kurze, lange Jahr.

Doch Eins, o Freund, Eins sei uns nicht vorüber:
Vereinte Pflicht macht Menschen Menschen lieber,
Vergangne Müh wird im Andenken süß,
Und Treue wird der Freundschaft Paradies.

Dank also Dir für Deine Hilf' und Treue!
Wirf nicht auf sie den Blick zurück mit Reue!
Du hörst nicht mehr der Kasten dumpfen Klang,
Hör also noch mein reines: Habe Dank!

Einst sprech' auch ich: "Hier sind die letzten Akten!"
Sind sie mir Ruhmes- oder Leidespakten?
Das weiß ich nicht. Eins weiß ich, und gewiss:
Vollbrachte Müh ist Lebens-Paradies.

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An die Freundschaft

Heil'ge Freundschaft, die auf Engelsflügeln
Sich emporschwang zu den sel'gen Hügeln,
Unser Erdenland verließ
Und ging auf ins Väterparadies,

Wo sie noch aus guten Mutterhänden
Uns ihr Kind zuweilen her will senden,
Liebe, die auch irre geht
Und für Treue öfters Reu empfäht –

Holde Freundschaft, kehr, o kehre wieder,
Hand und Herzen bindend, zu uns nieder!
Ohne Dich ist Alles leer,
Auch die Liebe selbst nicht Liebe mehr.

Wenn Du Dich uns länger, länger raubest
Und Dein Bild dem süßen Trug erlaubest,
O, so wird Dein Menschenreich
Bald dem wüsten, wilden Chaos gleich.

(Nach dem Spanischen.)

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Eifersucht

O Leben wie im Himmelreich,
Zwei Herzen, edel und sich gleich
Und Eins! Ein Wunsch, ein süßes Streben
Nach Glück, ein Glück, ein Liebeleben!
Ein Himmelreich! - Nur, Himmelreich,
Auch Du, auch Du
Hast einen Feind der Ruh,
Die Hyder Eifersucht! Und, Gott, was ist ihr gleich!

Was sonst wie scharf die Liebe trifft,
Reiz ist es, Salz, nicht fressend Gift!
Not, Blöde, Trennung, Hindernisse,
Was ist's, das Liebe mehr versüße,
Mehr lohne! - Aber hier in Not,
Wer gibt mir Ruh?
Wer Trost für Dich, o Du,
Du Hölleneifersucht? - Auf dieser Welt? - Nur Tod!

Sie fälschet, blendet, gaukelt an
Die ganze Welt mit Lügenwahn,
Führt, Irrlicht, uns auf welche Wege
Voll Nacht, voll Graun! Auf Höllenwege!
Wie Teufel martern, martert sie
Das arme Herz
Mit glühndem, langen Schmerz.
Ach, Alles, Alles leid' ich - Dich, o Dich nur nie!

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An K- -'s Erstgebornen

Wer Du auch seist, Du kleiner Ungeborner,
So wachs' und blühe in der Eltern Brust
Und hüpfe, wie Johannes, vor Lust;
Denn Du bist R- -'s Erstgeborner.

Des Vaters Geist, der Mutter Tugendblicke,
Sie liegen schon im reichen Keim in Dir.
O bitte, Welt, um ihn mit mir,
Dass Gott ihn, Dir zum Heil, beglücke!

Stimm, R- -, zum Geburtsfest Orpheus' Saiten!
Ich seh', Dein Kind drängt weinend sich ans Licht;
Du spielst, es hört und weinet nicht;
Die Mutter fühlt nicht Schmerz, nur Zärtlichkeiten.

Ich seh's, es lallt selbst zum Klavier, zu spielen,
So wie des Helden Kind mit Waffen spielt,
Und zärtlich, wie die Mutter fühlt,
Lehrt sie sein Herz die Tugend fühlen.

O Lust, sein Kind ans Herz zu drücken,
Von süßen Regungen sanft beseelt!
Welch Glück, als wären sie gewählt,
Der Eltern beste zu erblicken!

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Der kleine Fitzli

Wie groß will nicht der kleine Fitzli sein!
Er steigt auf einen Stuhl: »Heida! bin ich noch klein?
Und bald will ich noch größer sein!«
Er steigt auf einen Berg
Und – ist ein Zwerg.

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Auf Luther's Bild

Guter schwarzer Mönch, mit starkem Arme begannst Du
Auszufegen den Staub, der die Altäre verbarg;
Aber schnell entrissen Dir Andre das säubernde Werkzeug,
Lasen vom Staube das Gold, hingen den Besen sich auf.
Und nun steht der entgüldete Altar in ärgerem Staube
Ohne Säuberung; Gold können sie fegen nicht mehr.

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